Bilder aus Kultur, Leben im Dorf und Volkswirtschaft 
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Vereinsleben und Körperkultur 
Die Körperkultur gehört heute zu den Grundelementen der Kul- 
tur. Vor Aufkommen der Industrie um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
bestand kein echtes Bedürfnis hiefür, ausgenommen öffentliche Bäder. 
Von 1617 bis 1799 war das Bad Vogelsang ob Triesen in Betrieb. 
Die meisten Menschen waren als Glieder der Bauernfamilien 
sowieso schon täglicher körperlicher Anstrengung ausgesetzt. 
Mit dem Aufkommen der Industrie wurde es anders. Der Fabrik- 
arbeiter musste schon aus gesundheitlichen Gründen mehr auf seinen 
Körper acht geben und ihn pflegen. (Militär besitzt Liechtenstein seit 
1868 keines mehr.) 
Mit der Fabrikgründung 1866 in Triesen und vereinzelten Sticke- 
reibetrieben kamen Fremde ins Dorf. Diese brachten bereits Erfahrung 
von auswärts mit. Es kommt daher nicht von ungefähr, wenn gerade in 
diesem ältesten Industriedorf des Landes auch die ersten kulturellen 
Vereine entstanden. Vorher war lediglich eine Art von gemischtem Kir- 
chenchor vorhanden, nachdem 1843 die neue Kirche eine Orgel erhal- 
ten hatte. Dieser Chor diente wohl in erster Linie zur Gestaltung des 
Gottesdienstes. Von anderer kultureller Betátigung wissen wir nichts. 
1857 entstand in Triesenberg eine erste Harmoniemusik. Das 
spornte die Triesner an. 1862 wurde hier eine Musikgesellschaft gegrün- 
det, die am Jakobisonntag 1863 auf dem Schloss zu Vaduz erstmals 
öffentlich auftrat. Von da an entstanden die verschiedensten kulturellen 
Vereine ım Dorfe. 
Im Jahre 1869 wurde der Männerchor-Kirchenchor gegründet, 
der seit dieser Zeit (neuestens auch als gemischter Chor) im Gottes- 
dienste mitwirkte und daneben den weltlichen Gesang pflegte. 1890 bil- 
dete sich für kurze Zeit ein Mánnerchor «Helvetia», 1912 die Gesangs- 
sektion des Lesevereins Triesen und 1922 der Sängerbund Triesen. Von 
1928 bis 1942 bestand ein Frauenchor (und gemischter Chor). Bereits 
etwas früher hatte sich der Gebirgstrachten- und Unterhaltungs- und 
Schuhplattlerverein «Edelweiss» gebildet, der seine Statuten 1922 
genehmigen liess. Diese Gesangsvereine waren es, die neben der Pflege 
des Gesanges mit besonderer Hingabe sich des Theaters annahmen, 
ebenso die Jungfrauenkongregation und der Jünglingsverein, die in ihrer 
Tätigkeit bis auf das Jahr 1881 zurückgehen. Bereits 1871 war der Tries- 
ner Leseverein ins Leben gerufen worden, der mit seiner Leihbücherei 
bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges eine gute Sache betreute. Dass die 
Triesner bereits im letzten Jahrhundert ein reges Vereinsleben besassen, 
zeigt sich in der Gründung des Triesner Arbeitervereins im Jahre 1880 
und des Turnvereins 1890. Im Jahre 1901 wurde die Freiwillige Feuer- 
wehr Triesen gegründet und 1902 der Radfahrerclub. 
Seit den 1930er Jahren besteht ein Fussballclub. In Verbindung 
mit der Volksschule baute die Gemeinde ein Hallenschwimmbad. 
Schule und Gemeinde veranstalten seit Jahren Gemeindesporttage, ein 
markiertes Wanderwegnetz bietet seit den 1960er Jahren Wandergele- 
genheiten, im Forst entstand neben den Tennishallen in den 1970er Jah- 
ren eine Freizeit-Spielwiese, Triesner machten seit jeher bei den Pfadfin- 
dern (gegründet 1931) und im Alpenverein aktiv mit, sogar an olympi- 
schen Spielen beteiligten sie sich als Mitglieder des Landessportverban- 
des und des 1937 gegründeten liechtensteinischen Skiverbandes. Der 
 
        

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