Heimgasse ist heute in Triesen eine untergegangene Bezeichnung. 
Sie ist aber nichts anderes als die «Verdeutschung» von «Hämscht». 
Hämst ist der Viehweg, auf dem das Vieh zur gemeinsamen Weide ins 
Bovel und die übrigen Atzungsgebiete getrieben wurde und von dort 
über den gleichen Weg abends heimkehrte. Der Ausdruck «Hämsch- 
küh» ist bis zur Aufgabe der Sommeratzung und mit dem Wandel der 
Viehwirtschaft in den 1950er Jahren erhalten geblieben. Das waren jene 
Kühe, die zur Milchversorgung wáhrend des Sommers zu Hause gehal- 
ten und hier geweidet werden mussten, tagsüber zur Weide getrieben 
und abends heimkehrten. Die Weidebenützung war für die Triesner eine 
notwendige Ergánzung im Landwirtschaftsbetrieb, weil die wenigsten 
Bauern zu Hause genügend Sommerweide besassen, die Nutzung der 
Wiesen aber als Heu für den Winter einzubringen war. Die «Heimgas- 
sen» (Hämschgass) waren die Langgasse und deren Verzweigung, für 
das Unterdorf zur Nutzung ım Forst sogar die Landstrasse. 
| Die «Langgass» war in alter Zeit der eigentliche Wirtschaftsweg. 
Über diese wurde das Vieh zur Weide und von der Weide getieben, 
ebenso trieben die Balzner das Vieh hier ins Oberdorf und über Vanola 
(Vavanola) den Alpweg entlang über Triesenberg in die Alpen; über die 
Langgasse gingen vor allem die Triesenberger auf ihrem Wege nach Bal- 
zers oder nach der Schweiz, trieben die Triesner ihr Vieh an den Alpweg 
in die Heulede, transportierten über ihn Heu, Holz, mit einem Worte, 
die Langgasse trug von und zum Dorfe Triesen die meiste Last. 
Als die alte Reichsstrasse (Landstrasse) noch weiter oben gegen 
den Berg hin verlief, nahm am Lawenabache draussen die Langgass den 
Verkehr von und nach den Dórfern Triesen und Triesenberg auf. 
Wie sie heute verláuft — 1984/85 ist der Neuausbau von Triesen 
her eingeleitet worden, bedingt durch das Offnen des Grossen Bongerts 
als Wohngebiet - wurde sie erst 1886 ausgebaut und teilweise mit beglei- 
tendem Mauerwerk versehen. Sie folgte dabei wesentlich der alten, in 
der um 1870 angelegten Flurkarte noch deutlich erkennbar eingezeich- 
neten Gasse, sie wurde lediglich begradigt und besser fahrbar gemacht. 
Der Ausdruck «Langgass» ist verstándlich. Sie war wirklich die 
làngste Gasse in Triesen. Was die Landstrasse (Reichsstrasse) im Dort 
für den Durchgangsverkehr bedeutete, das waren die Langgass den 
Triesnern für die Bewirtschaftung von Ackern und Wiesen im Süden des 
Dorfes. 
Der Mauerstreit im Meierhof 
Im Jahre 1881 erstellten die Geschwister Nigg (HNo. 161 neu)im 
Meierhof ob ihren Wiesen und dem Weinberg am Fusse des Unterforst- 
Waldes ohne Einholen einer Bewilligung eine Mauer. Die Gemeinde 
Triesen wehrte sich dagegen. Die Gemeinde besitzt dort einen Wald in 
sehr steilem Gelánde. Bei Abholzung musste das Holz auf die darunter 
liegenden - nun eingemauerten - Wiesen verbracht werden. Sie verlang- 
te (einstimmiger Beschluss des Gemeinderates vom 8. 3. 1882), dass die 
Mauer entfernt werde oder sie werde abgebrochen. Es entspann sich nun 
ein langwieriger Prozess. Die Geschwister Nigg und die Gemeinde pro- 
zessierten mit Advokaten. Die Gemeinde gewann den Prozess und 
Geschwister Nigg wurden verurteilt, die Mauer abzubrechen. Sie wei- 
gerten sich. Über den weiteren Verlauf berichtet Seli in seiner Dorfchro- 
nik 1912: «Die Gemeindevertretung machte hievon vom Landgericht 
Verkehr 
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