Verkehr 
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1698 ist noch eine solche Rodordnung vorhanden, das heisst ein Ver- 
zeichnis der Fuhrleute am Eschnerberg, wieviel jeder führen darf (mit 
Stück bezeichnet). Alle Belange dieses genossenschaftlichen Güterver- 
kehrs waren in eigenen Ordnungen, den «Rodordnungen» festgehalten. 
Rodgenossen konnten nur Gemeindebürger mit eigenem Fuhrwerk 
werden. Diese wählten aus ihren Reihen einen sog. «Teiler», «Faktor», 
«Susten-, Rod- oder Hausmeister», der die Frachten vom Kaufmann 
oder Spediteur übernahm und jedem Fuhrmann seinen Anteil, seine 
«Rod», zum Transport innerhalb des Genossenschaftsgebietes zuteilte. 
Der Hausmeister kontrolliert die Frachten, wachte über die Einhaltung 
der Rodordnung, zahlte die Fuhrlöhne aus und bezog die «Niederlags- 
gelder». Jeder Fuhrmann führte die ihn nach der Reihenfolge treffende 
Arbeit aus. Diese zeitlich und örtlich bestimmte Reihenfolge und 
Arbeitsmenge nannte man «Rod», den Warentransport von einer Sust 
oder Warenniederlage zur andern, bzw. von Rodbezirksgrenze zu Rod- 
bezirksgrenze «Rodtuhr». In den «Susten», «Kaufhäusern» oder «Nie- 
derlagshäusern» wurden die Waren umgeladen. In der Sust wurden die 
mit Rodwaren beladenen Wagen über Nacht oder Sonntags eingestellt 
und bewacht, bis sie von neuen Somrossen weitertransportiert wurden. 
Auf der einen Seite wurde eingefahren, auf der andern hinaus. Meist war 
mit der Sust auch eine Herberge oder eine Zoll- und Weggeldstation ver- 
bunden. Dem Monopol der Rodgenossen, innerhalb ihres Bezirkes 
Waren zu laden und zu führen, waren aber nicht alle Transportgüter un- 
terstellt. Gewisse Warengattungen und Transportgutanteile waren 
schon immer von der Rod ausgenommen und dem Eilgutverkehr, dem 
«Strackfuhrbetrieb» überlassen. Strackfuhrleute transportierten ihre 
Waren «stracks» (direkt) durch mehrere Rodbezirke. Bei der Abgren- 
zung der Transportrechte kam es zwischen Rod- und Strackfuhrleuten 
immer wieder zu Streitigkeiten. 
Im brandisischen Urbar (ca. 1507) wird unter Balzers genannt: 
«Jörg Pergant gibt jährlich von den zwayen Tafernen zu Balzers und zu Tri- 
san und och von dem tailer ambt 3 lib. pfeffer» (das war die Lehensab- 
gabe). 
Die Pergant finden wir von 1450-1600 in Balzers (und Triesen) 
als Leheninhaber, als Inhaber der Jagd, von zwei Wirtsháusern in Balzers 
und Triesen, als Landammünner und des Teileramtes, damit als die 
reichsten Leute jener Zeit. Dazu hatten sie noch das «Fürgeleit» über die 
Steig verliehen erhalten. Damit war bei ihnen eine grosse Machtfülle in 
einer Familie vereinigt. 
Liechtenstein war einbezogen in die Transportorganisation, die 
den Güterverkehr von Fussach bis Chur regelte. Gemáss Rodordnung 
vom 28. Márz 1756 konnte alles Kaufmannsgut, das von St. Gallen und 
der übrigen Schweiz für Graubünden und Italien bestimmt war, von der 
Rod ausgenommen werden. Solche schweizerische Ware konnte von 
jedermann geführt werden. Wer sie aber führte, durfte keine Rodgüter 
transportieren. Waren, die aus dem Reich über den Bodensee einliefen 
oder in einer Reichsstadt abgestossen worden waren, mussten als 
Reichsgüter angesehen und dementsprechend verfrachtet werden. 
Reichsgüter durften nur von sechs bestimmten Fuhrleuten (Strackfuhr- 
leute), die nur einmal wöchentlich ohne Umladen mit einem vierspänni- 
gen Gefährt von Fussach nach Chur und zurückfahren konnten, trans- 
portiert werden. Reichsgüter, die auf diese Weise nicht mehr transpor- 
tiert werden konnten, mussten ins Kaufhaus in Feldkirch in die Rod 
 
        

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