Kirche und kirchliche Verhältnisse, Pfarrer und Kirchenbauten 
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3. Was die Burganlage betrifft, zeigten die blossgelegten oberen Um- 
fassungsmanerreste eine deutliche, wenn auch nicht wesentliche Abwei- 
chung von den durch Prälat Büchel (in den früheren Jahrbüchern des Histo- 
rischen Vereins) veröffentlichen Plänen. Auch waren deutlich beträchtliche 
Brandspuren vorbanden, so dass selbst der Bodenlebm gebrannt erschien. 
Bedeutendere Funde mittelalterlicher oder neuerer Zeit ergaben sich dabei 
keine. Das Stück der oberen Umfassungsmauer mit der nordöstlichen Ecke 
musste leider bis unter das Fundament durch die Strassenarbeiten abgetra- 
gen werden. Eine genaue Fixierung dieser Tatsachen wird ım Archiv des 
Historischen Vereins deponiert werden. 
Miterwähnt möge an dieser Stelle werden, dass bei Fundamentie- 
rungsarbeiten im Innern der St. Mamertuskapelle an der südöstlichen Ecke 
des Schiffes eine mittelalterliche Churer Münze gefunden wurde (soge- 
nannter «Churer-Böckler»), die, verglichen mit den in der Churer Münz- 
sammlung aufgesammelten Stücken, vorläufig noch allein dasteht und zu 
den allerältesten gehören dürfte. Spuren alter Freskomalereien an den 
Wänden stehen noch blossgelegt an der nordöstlichen Ecke ım Innern der 
St. Mamertuskapelle.» 
Über das Ergebnis der Ausgrabungen 1967/68 und die dabei 
gewonnenen neuen Erkenntnisse berichtet M. Wanger ım JBL 69 zusam- 
menfassend: 
«Die Grabung im Kapelleninnern hat ergeben, dass Apsis (Chor) 
und Schiff eine Einheit bilden und - abgesehen von einer jüngeren Erhö- 
bung des Schiffes — ursprünglich sind. Aus dem Urbau stammt auch der Sti- 
pes, der als Kern des jüngeren Altares noch vorhanden war. Das Niveau des 
Plateaus lag früher besonders auf der Nordseite wesentlich tiefer. Nach der 
Zerstörung des nordöstlichen Gebäudes wurde der Schutt gegen die Kapelle 
bin ausgeebnet, was eine Terrainerbóbung (in. Tarmnábe bis zu 1 m) 
bewirkte. Zu dieser Zeit batte der Turm schon bestanden, wie ein zuge- 
mauerter Fensterschlitz auf der óstlichen Turmseite zeigt, der bei der Gra- 
bung freigelegt wurde. 
Über den Zweck des ehemaligen, zum Teil unterkellerten Westan- 
baues der Kapelle, kann-von der Ausgrabung her nichts ausgesagt werden, 
ebenso muss die Frage offen bleiben, ob er mit der umliegenden Anlage ent- 
standen ist. 
Das nordöstlich der Kapelle liegende Gebäude war fast um die 
Hälfte kleiner, als füher angenommen wurde. Seine Grundmasse von ca. 
8x8 m lassen nicht auf ein feudales Herrenhaus schliessen. 
Auch die Gruft dürfte ihren Namen zu Unrecht tragen. Der Keller st 
jünger als der zur Kapelle gehörende Friedhof. Das beweist eine Bestattung 
unter dem Fundament der westlichen Kellermauer. Bei der Ausgrabung 
von 1901 stiess man innerhalb des Kellers auf den Friedhofhorizont. Das 
dürfte die Ursache gewesen sein, die den Keller zu einer Gruft werden liess. 
Dass der Eingang gegen die Weinberge zeigte, lässt Schlüsse auf den Ver- 
wendungszweck des Kellers zu. Ludwig von Brandis stiftete 1494 eine 
Kaplaneipfründe zu St. Mamertus. Dazu gehörten u. a. Haus, Hof, Stall, 
Baum- und Weingarten bei und um die Kapelle. 
(Urbar der Pfarrpfrund und Caplanei St. Mamertus zu Triesen 
1690). Ist die gesamte ausgegrabene Anlage der Überrest jener Kaplanei- 
pfründe? 
Dass auch Ministerialen-Wohntürme innerhalb eines Manerringes, 
der eine Kirche umzog, bestanden haben, zeigt ein Beispiel aus Boswil 
(Kt. Aargau): hier wurde 1934 und 1939 auf dem Kirchhügel der ehemali- 
 
        

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