Kirche und kirchliche Verhältnisse, Pfarrer und Kirchenbauten 
sen, bestand die Burg Trisun nicht aus ausgedehnten Gebäulichkeiten. 
Nördlich von der Burg war der Burgsee, in der Nähe standen die Stallun- 
gen. Zur Burg gehörten Weinberge, Wiesen, Acker und Wald...» 
Es ist nicht möglich, genau die Zeit anzugeben, wann die Burg 
erbaut wurde; wie denn überhaupt die Entstehungszeit der Burgen eine 
noch nicht aufgeklärte Sache ist. 
«Es war im Zürcherkriege, im Frühling 1446, als die Schweizer über 
den Rhein brachen und zwei Tage in Triesen sassen und brandschatzten, 
ehe sie sich ins Sarganserland zurückzogen. Der schweizerische Geschichts- 
schreiber Tschudi (II 432) erzählt, die Schweizer hätten die dem Brandis 
gehörige Feste Gutenberg verbrannt. Aber Gutenberg gehörte nicht den 
Brandis und ist nie verbrannt worden: Hingegen gehörte die Burg von 
Triesen diesen Freiherren und diese wird wohl damals verbrannt worden 
sein. Die Schweizer verbrannten einige Tage darauf auch das Städtchen 
Sargans bis auf den Grund, wie sie es im Jahre vorher mit Balzers gemacht 
hatten. 
Die Burgkapelle wurde um das Jahr 1450 neu aufgebaut und dem 
hl. Mamertus geweiht. Im Jahre 1461, als Freiherr Ulrich von Brandıs die 
Grafschaft Vaduz inne hatte, und sein Bruder Ortlieb Bischof zu Chur war, 
erteilte ein Cardinal für diese Kapelle einen Ablass. Diese Urkunde lautet: 
«Von dem Wünsche beseelt, dass die Kapelle des bl. Mamertus zu 
Triesen im Bisthum Chur mit würdiger Ehrfurcht besucht werde, und dass 
die Gläubigen um so lieber zu derselben kommen, je reichlicher Gnade sie 
zu erlangen hoffen, und damit die Kapelle stets in Ehren gehalten werde, 
gewähren wir Allen, die nach reumiitiger Beicht an Weihnachten, Ostern, 
Pfingsten, am Feste des hl. Gallus und an der St. Mamerten-Kirchweihe 
diese Kapelle besuchen, jährlich, und denen, die zur Reparatur und Erhal- 
tung der Gebäulichkeit, zur Anschaffung von Kelchen, Büchern und ande- 
ren Dingen, die zum Gottesdienst notwendig sind, beitragen, für jedesmal 
an jenen genannten Festtagen 100 Tage Ablass und soll diese Ablassverlei- 
bung für ewige Zeiten gelten. Gegeben zu Rom 1461 am 1. Oktober, im 
vierten Jahre der Regierung des Papstes Pius II.» 
Der jetzige Altar der St. Mamertenkapelle ist um dieselbe Zeit erbaut 
worden wie der Hochaltar der Domkirche zu Chur, wie denn überhaupt 
unter Bischof Ortlieb von Brandis viele Kirchen und Kapellen im Bistum 
erbaut worden sind. Unsere Kapelle hat mit der Domkirche auch eine 
Eigentümlichkeit gemeinsam, die nämlich, dass das Chor zum Schiffe 
etwas schief steht. Es soll dies Christus im Grabe darstellen, oder auch Chri- 
stus am Kreuze, wo das Haupt seitwärts geneigt war. Der Altar der Kapelle 
ist, wie fast alle Altäre aus jener Zeit, ein Flügelaltar; die Altarplatte ist aus 
einem Stein mit eingelegtem sepulchrum. In der Altarnische sind die Statu- 
ten Maria mit dem Kinde, ibr zur Rechten der hl. Konig Ludwig, zur Lin- 
ken die bl. Margaretha von Antiochien mit dem Drachen, die Schutzhei- 
lige der Landleute. Die Gemálde auf der Bordseite der beiden Altarflügel 
sind durch spátere Pfuschereien ersetzt worden; hingegen stammt das 
Gemälde auf der Rückseite der Flügel, das Maria Verkündigung darstellt, 
aus der Zeit der Erbauung des Altares um 1490. Der Altar ist wahrschein- 
lich von Jakob Rösch aus Ravensburg erbaut worden. Bischof Ortlieb von 
Brandis übertrug ihm auch die Erstellung des Hochaltars im Dome zu 
Char. 
Die Kapelle war ursprünglich im gothischen Style erbaut, wie man 
an Thüren und Fenstern noch erkennen kann. 
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