Kirche und kirchliche Verhältnisse, Pfarrer und Kirchenbauten 
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Chur war um 300 bereits Bischofsitz, und aus dem Jahre 452 ken- 
nen wir den hl. Asimo als namentlichen Bischof. 
Die Stürme der Völkerwanderung (ab 375) und die Herrschaft 
der Franken (ab 537) vermochten die von den Rómern empfangene Kul- 
tur nicht auszutilgen. Vorzüglich durch die Kirche erhielten sich die 
rómische Sprache und Kultur. Sie war die sicherste Zuflucht und festeste 
Stütze in jenen stürmevollen Zeiten. Das Bistum Chur gehórte zum 
Erzbistum Mailand. 
Der hl. Luzius, der älteste hier bekannte und verehrte Missionar, 
der als der grösste Apostel Rätiens bezeichnet wird, nahm wahrschein- 
lich seinen Weg durch unsere Gegend nach Chur. (6. Jhdt.) 
Wie weit nach dem Eindringen der heidnischen Alemannen noch 
christlicher Glaube und christliche Kultur des alten Rätiens bestanden, 
entzieht sich unserer Kenntnis. Wir kennen lediglich die Zeit der gros- 
sen Missionare, die in den von den Alemannen besetzten Gebieten das 
Evangelium neu verkündeten. Zu ihnen gehóren die irischen Mönche 
und Klostergründer Fridolin (T um 536, Sáckingen), Kolumban (T um 
640 in Italien), Gallus (T um 640 in St. Gallen), Sigisbert (T um 614 in 
Disents, Gründung des Klosters Kazis nach 600), Pirmin (T 753, grün- 
dete um 730 Abtei Pfáfers), Valentin (gründete im 6. Jahrhundert die 
Lateinschule als Priesterhaus zu Chur, die der Ausbildung von Geistli- 
chen diente). 
Um die Mitte des 7. Jahrhunderts war der heidnische Gótterkult 
hier gänzlich erloschen und die Seelsorge geordnet. Die weltlichen 
Grossen sahen den Segen der Kirche und unterstützten sie durch bedeu- 
tende Vergabungen an Grund und Boden, Zehnten und anderen ergiebi- 
gen Gerechtsamen. Die Kirchen und Klöster waren Freistätten, und das 
war ein grosses Glück in jenen Zeiten der Gewalt. 
Der Zehnte wurde ihnen schon von den rómischen Kaisern zuge- 
standen. Es war damals Sitte, dass am Sitze des Bischofs und in den Kló- 
stern zwölf Arme unterhalten wurden. Zur Aufnahme der Pilger und 
Reisenden waren Hospize-oder Herbergen angelegt. 
Die Ordensniederlassungen von Disentis und Pfäfers waren 
damals von höchster Bedeutung. Sie waren Mittelpunkte des religiösen 
Lebens, Stätten der Wohltätigkeit und der Bildung. 
Zunächst war die Urbarmachung unbebauten Landes ihr grosses 
Verdienst. Anfangs waren die meisten Mönche Laien, aber bald nahm 
die Zahl der Priester zu, und besonders war es St. Pirmin, der die 
Mönche zur Schulbildung und zur Seelsorge anhielt. Die Klöster wur- 
den Friedensinseln. Je heftiger draussen die Stürme tobten, und je düste- 
rer des Waldes Dunkel war, um so sicherer schienen diese Burgen Gottes 
und um so behaglicher der Aufenthalt am warmen Herde der Bildung zu 
sein. Infolge von Schenkungen wurde der Klosterbesitz gross, aber er 
wurde auch gut zur Förderung der Religion, der Bildung und zum 
Wohle der Armen verwendet. 
Obwohl Kaiser Karl der Grosse 806 die kirchliche Macht von der 
weltlichen trennte - ein Bischof sollte nicht mehr zugleich auch weltli- 
cher Herr (Herzog, Gaugraf etc.) sein -, wurden den Klöstern bald 
gesonderte Rechte zugestanden. So erhielt das Kloster Pfäfers - später 
mit Besitz in Triesen ausgewiesen - bereits 807 den Status der Reichsun- 
mittelbarkeit. Die daraus abgeleiteten Rechte ergeben sich auch aus den
        

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