Der Gemeindenutzen (Bürgernutzen) 
Entwicklung in Triesen 
Vorauszunehmen ist, dass die Gemeinde Triesen im Laufe der 
letzten dreihundert Jahre grosse Gebiete aus ihrem gemeinsamen Eigen- 
tum ihren Gemeindsleuten vorerst als Gemeindenutzen und dann ins 
freie Eigentum überliess. Hierher gehören die Heuberge (mit Magruel) 
die sog. Heureutenen (im Forst, Silvaplana, auf den Wiesen, in Sax, an 
der Halde, Poskahalde und Epriol), die Auteile, die Aeuleteile und Riet- 
teile, die Gartenbeete, die Unterfeldteile, Gartnetsch, obere Sandteile 
und Neugereutteile, das ist aller heute in der Rheinebene liegende Pri- 
vatboden sowie die Magerheuwiesen auf den Rüfeschuttkegeln und am 
Bergabhang. Die Verkäufe von Alpwiesen an die Triesenberger und 
Balzner schmälerten das Gemeindegut noch mehr. 
1661 erhielten die Triesner vom Grafen von Hohenems, weil der 
reissende Rhein die gemeinsame Atzung und Wiesen merklich 
geschmälert und die Gemeinde willens sei, dem gemeinen und armen 
Manne zum besten etliche Stücke auf der Allmeind auszureuten und zu 
einer gemeinen Atzung zu machen, die Bewilligung, ein Stück neben 
Mazora und ob der Langegerten, ein Stück auf Matroulen ob Matilla- 
berg, fünf Teile bei der Heuledi, vierzehn Teile unter Scherriseck im 
Wald ob dem Dürrenboden, acht Teile ob der Poskahalde und ob Sax zu 
Neugereut zu machen (mit dem Atzungsrecht darauf). 1672 teilte die 
Gemeinde ein Gebiet in Gartnetsch, das dem Rhein abgerungen war, als 
Eigentum unter die Bürger aus und erwirkte ebenfalls vom Grafen Karl 
Friedrich von Hohenems im gleichen Jahre die Bewilligung, in Magrüel 
ebenfalls zu reuten und die so gewonnenen Teile als Magerheuwiesen 
den Gemeindsleuten ins freie Eigentum zu überlassen. Im Jahre 1747 
war der grosse Komplex an Heureutenen in den verschiedenen Ortsla- 
gen ausgegeben worden und zwar als fálliges Gut (angerechnet in die 
Steuer mit 200 Klaftern!). 37 Züger wurden mit ihren Teilen in die sog. 
Retscha ob dem Dorfe verwiesen. 1766 kaufte der Deutsche Georg 
Stauder, Gutsverwalter in Neuburg, in der Rassla Holz, das er 1775/76 
mittels einer «Klus» herausflósste und dabei derart Schaden anrichtete, 
dass die Balzner gegen Triesen wegen Gefährdung der Wiesen auf Silva- 
plana klagten, da den Triesnern dort Teile der Heureutenen wegen des 
plótzlichen Wassersturzes zerstórt würden. Fürst Wenzel urteilte am 
26.9.1777, «anstelle vernichteter Heureutenen infolge Holzscblages in der 
Rassla (Lawena) durch Stauder müsse die Gemeinde neue ausgeben». Die 
Klus musste wie ein aufgebrochener Stausee gewirkt haben, wohl das 
Holz zu Tale befórdert aber auch die im Bereiche der Lawenarüfe gele- 
genen Heureutenen verrüfnet haben. (Heute noch Heureutenen auf Sil- 
vaplana oder auf der Rüfe draussen genannt!) 
1812 erhielten einige Parteien Heureutenen an der Poskahalde. 
Ebenso wurden 1838 die Heureutenen auf Silvaplana gegen Balzers ver- 
vollständigt. Trotzdem im Jahre 1809 (und die folgenden Jahre) diese 
Heureuten im Grundbuche ins Eigentum der Nutzniesser überschrie- 
ben wurden, verfügte das Oberamte im Jahre 1820 (1845 neuerlich an- 
geordnet) auf Klage einiger obliegender Triesenberger Güterbesitzer, 
dass die Retscha wegen Gefahr der Abrutschung als Wald angesetzt 
werde, die nutzniesslichen Eigentümer aber wieder davon verwiesen 
und von der Gemeinde dann 1855, soweit sie sich nicht selber solchen 
«eigenmáchtig» beschafft hatten, Ersatz verlangten und erhielten! 
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