Der Zehent 
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Darnach sollten «Ulrich Pitschy und alle seine nachkommenden 
Kirchherren zu Triesen ewiglich zurecht haben einen dritten Teil und 
Hainz (Heinrich) von Unterwegen zwei Dritteile alles Weinzehents 
sowohl von den neuen als von den alten Weinbergen; von allem anderen 
Zehenten aber (von Korn, Fench, Füli, Gäns und allen Frächten, kleiner 
und grosser Zehent) sollen H. von Unterwegen und seine Erben drei Teile, 
und Pfarrer Pitschy und seine Nachfolger einen Viertel beziehen, wie das 
von Alters herkommen sei». Somit betrug der Zehent des Hochstiftes 
Chur vom Weinzehnten zwei Drittel, von allen anderen Zehenten drei 
Viertel. 
Aus dem Einkünfterodel des Klosters Mehrerau erscheinen um 
1340 Abgaben aus Vaduz: 
«Von Vaduz 12 Wertkäse und 6 Pfennige für die Gurten, die Darn- 
gürtel genannt.» 
Bemerkung: 1. Diese Käsezinse kamen nur aus dem ehemals 
romanischen Oberland, so schon nach dem ältesten Rodel in Mehrerau 
von etwa 1290, in dem die Rubrik der Käsezinse noch «Census ın 
Romano» überschrieben 1st. 
2. Jeder Käs soll 6 Pfennig wert sein. Die Käsfahrt zur Einsamm- 
lung der Zinsen durch das Oberland wurde offensichtlich von Vaduz aus 
angetreten. 
Das Zehentwesen hatte im Wirtschaftsleben des einheimischen 
Bauern eine empfindliche Stellung. Die Bodenzinse waren durch die 
Rechtsverhältnisse der früheren Jahrhunderte begründet. Beim Zehen- 
ten jedoch fehlte jegliche rechtsgescháftliche Beziehung zwischen 
Zehntherrn und Zehntpflichtigem. Daher dauerten die Streitigkeiten 
um diese Grundlast seit ihrer Einführung vor mehreren Jahrhunderten 
bis zu ihrer Aufhebung im 19. Jahrhundert ununterbrochen an. 
Zehntstreitigkeiten lassen sich in der liechtensteinischen 
Geschichte immer wieder nachweisen. Die letzte grosse Ausmasse 
annehmende Streitigkeit spielte sich im 18. Jahrhundert zwischen Lan- 
desherrschaft und Klerus wegen des Novalzehnten ab. Als die Landes- 
herrschaft 1720 den Novalzehnten als ihr Eigentum beanspruchte und 
einzog, belegte der Bischof von Chur die herrschaftlichen Beamten mit 
dem Kirchenbann und verhängte über die Kapelle auf dem Schloss und 
im Dorf Vaduz das Interdikt. Der Fürst antwortete mit dem Befehl an 
seine Untertanen, «diesen nichtigen und feindseligen Kirchenbann» bei 
Lebensstrafe nicht zu beachten und liess alle geistlichen Güter und Ein- 
künfte in Liechtenstein von der Obrigkeit in Beschlag nehmen. Der 
Streit konnte schliesslich durch eine kaiserliche Kommission und einen 
Schiedsspruch des Kaisers beigelegt werden (KB 1923 S. 511). 
Auswirkung auf die Landwirtschaft: 
Die Zehentabgabe war für die Bauern eine drückende Last, nicht 
so sehr wegen der Grósse der Abgabe als vielmehr wegen deren hem- 
menden Wirkungen. Wurde Neuland durch Rodung gewonnen, so mel- 
deten sich die Zehntherren sofort als Mitteilhaber am Fruchtertrag. Der 
Anbau neuer Gewichse, wie z.B. der Kartoffel, wurde vom Zehnther- 
ren anfánglich nicht gerne gesehen; schliesslich wusste er sich durch den 
Kartoffelzehnten schadlos zu halten. Der Bauer fühlte sich in seiner 
landwirtschaftlichen Titigkeit auf Schritt und Tritt eingeschränkt. Der 
Zehnt hatte eine hemmende und lihmende Wirkung auf die Landwirt- 
schaft und war mit den geistigen und wirtschaftlichen Neuerungsbestre- 
 
        

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