Lehen und Grossgrundbestiz 
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«Es ist nicht moglich, genau die Zeit anzugeben, wann die Burg 
erbaut wurde; wie denn überhaupt die Entstehungszeit der Burgen eine 
noch nicht aufgeklärte Sache ist. Jedenfalls aber fällt die Erbauung der mei- 
sten Burgen in die Zeit von 900-1300, da die starke Faust der Kaisermacht 
oft fehlte, jeder der sich selbst helfen musste, die kleinen Herren ihre 
Gebiete auf Kosten des Reiches zu erweitern und sich in festen Schlössern zu 
verteidigen suchten und endlich das Raubrittertum in Blüte stand. Um das 
Jahr 1100 mögen die meisten der hierländischen Burgen entstanden sein. 
Die Burg von Triesen mit dem dazu gebórigen Grundbesitze gebórte dann 
wahrscheinlich von Ende des 12. Jahrhunderts an den Grafen von Mont- 
fort, zu Werdenberg 1260, zu Sargans um 1300, zu Vaduz 1342, und ging 
auf deren Nachfolger im Besitze der Grafschaft Vaduz über. Die Inhaber 
der Burg waren Dienstmannen jener Grafen. Nachdem die Lehen erblich 
geworden waren, blieben auch ıhre Nachkommen im Besitze der Burg und 
nannten sich von derselben «von Trisun». Oft begegnen wir ibnen in den 
Urkunden des 13. und 14. Jabrbunderts.» 
1422 erbte das Kloster St. Luzi zu Chur durch Pater Christof 
Kobler einen Weinberg bei der Burg in Triesen (die Burg und damit das 
Lehen mussten also damals noch bestanden haben). Über das weitere 
Schicksal des Burglehens erfahren wir von J.B. Büchel in JBL 2 weiter: 
«Zu der Burg gehörten auch Lehengüter, die man das Burglehen 
nannte. Nach dem Aussterben der von Trisun fiel das Lehen an die Grafen 
zurück, oder vielmehr an deren Erben, die Freiherrn von Brandis. Ludwig 
von Brandıs stiftete darauf die Caplanei zu St. Mamerten (1494).» 
Neben der Kapelle besass T. Kaplan seine Wohnung. 1500 prä- 
sentierte Ludwig von Brandis einen Hans Kindle von Triesen als Früh- 
messer dem Bischof auf diese Kaplaneipfründe zur Bestätigung. Hier 
nennt sich der Graf als «Lehensherr o frumess» und er me diese 
Pfründe «durch gottes willen von singens und lásens wegen dem geannten 
Kindle als ein Leben gelieben». Daraus ist ersichtlich, dass selbst eine 
Pfründe als Lehen betrachtet und als solches vergeben werden konnte. 
Zur St. Mamertenkaplanei-Pfründe gehórten folgende Güter: 
1. Haus, Hof, Stall, Baum- und Weingarten bei und um die 
Kapelle; 
2. ein Stück Gut ob dem Dorf zu Cristis gelgen (Gazis); 
3. an Kapitalzinsen 19 fl 20 kr. Die Kapitalien lagen zu Triesen, 
Mils, Triesenberg, Vaduz und Schaan. Die übrigen zur Burg gehórigen 
Lehengüter ie später verkauft. Der sog. Lehenbüchel kam um die 
Mitte des 17. Jahrhunderts in den Besitz des Pfarrers Valentin von Kriss, 
der ihn 1689 fiir das Stipendium testierte. (JBL 2,14) 
Im Stiftbrief vom 12. 6.1689 vermachte er den ihm gehórigen Zins 
vom Lehenbüchel im Betrage von 60 Viertel Wein und 1 Pfd. Pfg. Geld- 
zins, ferner seinen Wein-, Heu- und Obstwach auf dem Lehenbüchel, 
ein Gut in Sax und die Donatsbündt in Balzers. 
1692 wurde der Zins vom zur Stiftung gehórenden Lehenbüchel 
auf 18 fl, der von der Saxbündt auf 8 fl und der von der Donatsbündt in 
Balzers auf 13 fl geschätzt. 
Die Stiftungsgüter wurden dann 1766 um 2000 fl «licitando» für 
2000 fl verkauft und der Erlós zu 5 96 in Kapitalien angelegt. Die spáte- 
ren Priester, die aus riesen, Triesenberg und Balzers hervorgingen, 
erhielten Beitráge aus der Stiftung. Mit der Kronenentwertung nach 
dem 1. Weltkriege verlor die Stiftung ihre Bedeutung. 1975 wurde der 
letzte Rest derselben mit Fr. 566.35 vom Land, das seit einem Jahrhun- 
dert dieselbe verwaltete, der Gemeinde Triesen übergeben.
        

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