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Lehen und Grossgrundbestiz 
  
der österreichischen Vogteiverwaltung in Feldkirch gehörten. Es ent- 
spann sich ein Streit um die Zuständigkeit des Landgerichtes Rankweil, 
das hier glaubte, urteilen zu dürfen. Der Landesfürst setzte sich für die 
Triesner ein. Der Streit war noch 1770 bei Gericht anhängig. In Triesen 
legten zwei Ortsrichter ihre Mandate nieder. Die Gemeinde war zer- 
stritten. 1774 nahm der Fürst die beiden Richter in Schutz. Schuld an der 
ganzen Sache waren die Balzner, die mit den Osterreichern von Guten- 
berg (Österreichisch) gemeinsame Sache machten. Eine Folge davon 
war, dass es jedermann verboten wurde, einer Ladung des Landgerichtes 
in Rankweil zu folgen, und wer dies nicht tat, sollte jedesmal mit 3 Pfd. 
Pfg. (1614) oder 10 Pfd. Pfg. (1718) bestraft werden. Jedes Mal bei einer 
Landammannswahl wurde dies in der «Landsöffnung» verlesen. 
Gerichtsurteile, Gerichtsakten und Schiedsvergleiche sind die 
meist vorhandenen Urkunden, aus denen die Verhältnisse in den Alpen 
und um sie ersichtlich sind. 
10. Lehen und Grossgrundbesitz 
Ursprung 
Die Lehen spielten in Triesen wirtschaftlich mehr als tausend 
Jahre eine grosse Rolle. 
Der beste Kulturboden im Dorfe und in Dorfnähe war Lehen, 
war nicht der Bauern Eigentum, sondern gehörte dem «Herrn» (Ober- 
eigentümer), woran ım Volksmund als Reste noch die Parzellenbezeich- 
nungen Heerawingert und Heerabóchel erinnern. Das letzte Lehen in 
Triesen (Bad Vogelsang) wurde auf 1.1.1919 aufgelöst. 
Es rechtfertigt sich daher, vor allem den Grundbesitz-Lehen auch 
in dieser Arbeit nachzugehen, das Lehenrecht zu schildern, aufzuzei- 
gen, wie Lehen entstanden, aus was, und anzugeben, wo Lehenboden in 
Triesen lag. Der Ursprung des Grossgrundbesitzes, von dem die Lehen 
herstammen, geht bereits auf die Rómerzeit (15. v. Chr. bis 476 nach 
Chr.) zurück. 
«Was den Grundbesitz in den eroberten Provinzen anbelangt, fiel 
derselbe dem römischen Staate oder dessen Herrscher, dem Kaiser, als 
Eigentum zu. Nur ein Teil wurde den Landeseinwohnern zur Bearbeitung 
und Benutzung überlassen, so lange sie nicht das römische Bürgerrecht 
erlangten, was im Jahre 212 geschah. Kaiser Caracalla gab allen Unter- 
tanen seines ungeheuren Reiches das Bürgerrecht, um von denselben 
höhere Steuern fordern zu können. Einen Teil der Güter behielt sich der 
Kaiser zu seiner eigenen Verfügung vor; sie wurden von kaiserlichen Ange- 
stellten und Sklaven unter Aufsicht kaiserlicher Verwalter bebaut. Solches 
Krongut lag z. B. in Balzers und Schaan. In Balzers war eine kaiserliche 
Pfalz (Palatium); daher der Name Palazoles und Balzol. Dazu gehörten 
die Güter, die später im Besitze der fränkischen Könige und des ns 
Reiches waren und zum Schloss Gutenberg gehörten. Auch in Schaan 
waren viele Höfe ım Besitze des deutschen Königs, die wohl von den römi- 
schen Kaisern herrührten. 
 
        

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