wann die Schneeflucht vollkommenlich eingenommen, und in die Melch- 
zeıt erreicht und füro die länger gebrauchen müssen, soll denen von Triesen 
die Milch zuständig seyn und bleiben. Zum anderen, wann es sich begebe, 
dass die Schneeflucht nit beharlichen, sondern eines Tages wiederum 
abgienge, und sie deselbigen Tags, wann sie zu ihnen denen von Triesen 
fabren, die Non-Zeit (Melkzeit) begreift, so sollen die von Balzers schuldi, 
seyn, die von Triesen melchen zu lassen, dargegen die von Balzers auch 
Macht haben, mit ihrem Vieh bis auf den Abend in ihrer Alpen zu verblei- 
ben, alsdann ihnen bevorstehen solle, mit ihren Vieh "ach ibrem Willen 
und Gefallen wiederum hinauszufabren, obne Nacbred oder Eintrag, und 
wann es sich begibt, dass die von Balzers wiederum abfahren sollen, die 
Triesner ihr deren von Balzers Vieh über den ordentlichen Waidgang hin- 
auf gehen und treiben lassen. Zum dritten wofern die von Balzers ihr 
Schneeflucht auf ein Stund, zwo, drey, oder vier ohngefährlich nehmen und 
alsdann wieder zurück in ihre Alpen fahren wurden, eher die rechte Melch 
= als Nonzeit vorhanden, so sollen alsdann die von Balzers denen von Trie- 
sen für dies Atzung oder Waidung ein billiger Abtrag nach beederseits deren 
von Triesen und Balzers Sennen Ermessigung zu thun schuldig seyn. 
Zum vierten was anbelangt, dass die von Triesen vermainen, denen 
von Balzers nit länger als drey Tag und nach Bartolomá gar kein Schnee- 
flucht mehr zu gestattet, ordnen und sprechen wir, dass die von Balzers die- 
ser beiden Zeiten balber unvergreiflich seyn, sondern ihre Schneeflucht bei 
denen von Triesen nach Nothdurft haben und suchen sollen, es wäre denn, 
dass die von Triesen durch Brief, alte Gebräuch, oder zulässige Kundschaf- 
ten, anderst beweisen und darthun würden.» 
Zum Schlusse wird noch bemerkt, dass diese Urkunde keines- 
wegs verbriefte Rechte ändern solle. 
Dieser mustergültige Bescheid ist von sachkundiger Feder erlas- 
sen worden. Seine Gerechtigkeit gegen beide Teile und seine vollstän- 
dige Erledigung der ganzen Frage können nicht genug hervorgehoben 
werden. 
6) Die Schneeflucht der Alpe Gritsch nach Valüna kommt nun 
noch einmal zur Sprache. Ludwig, Graf zu Sulz, siegelt am 1. Mai 1602. 
Klenze schreibt weiter: 
Der Theil der Gemeinde Schan, welcher die Alpe Gritsch gehört 
und die Gemeinde Triesen als Eigenthümer der Alpe Valüna suchen Ent- 
scheidung wegen der Schneeflucht, da «wiewohl beide Theil etliche 
mahl beisammen gewesen, haben sie sich, doch dieser ihrer Missver- 
stándnuss und Spàn nie vergleichen kónnen». 
Die Triesner wollten nur drei Tage und nach Bartolomá gar keine 
Schneeflucht mehr gewihren; aber es wurde aus «einem alten Vertrags- 
briefe unter Weyland Herr Sigmund Freyherr von Brandis christseligen 
Gedichtnuss in anno 1474» zu ersehen, dass von Alters her Schnee- 
fluchten zwischen beiden Theilen gebraucht worden waren. 
Es wird nun eine Gränze auf der Alpe Valüna festgesetzt, über 
welche die Schaner nur mit ausdrücklicher Genehmigung herabtreiben 
dürfen und der Weg bestimmt, auf welchem die Alpe Gritsch befahren 
werden darf. Ebenso wird der Weg genannt, auf welchem die Schnee- 
flucht zu geschehen hat. 
Den Gritschnern wird erlaubt, fremdes Vieh anzunehmen, wenn 
ihr eigenes zum Besatz nicht ausreichen sollte, jedoch müssen die erste- 
ren Kühe sein, damit die Triesner bei Schneeflucht nicht an Milch verlie- 
Alpen und Heuberg 
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