durch Initiative des Landwirtschaftlichen Vereins 1890 mit der allgemei- 
nen Bespritzung der Reben begonnen. Die Regierung unterstützte diese 
Bemühungen und erklärte die Rebenbespritzung gesetzlich für obligato- 
risch. Ebenfalls zum Schutze der Weinkulturen wurden durch Verord- 
nung vom 9. Juli 1894 Baumbepflanzungen in Weingárten und deren 
unmittelbare Nähe verboten. E Anstrengungen konnten es aber 
nicht verhindern, dass der Weinbau in Liechtenstein, besonders im Un- 
terland, immer weiter zurückging und nie mehr den Stand von 1871 
erreichte. 
Seit dem Zollanschluss an die Schweiz 1924 gelten in bezug auf 
die Bekämpfung der Rebkrankheiten und Schädlinge die schweizeri- 
schen Vorschriften. Ebenso holt man sich in den eigentlichen Reb- und 
Weinbauschulen der Schweiz Rat. Die Kleinheit der einzelnen Bewirt- 
schaftungsflächen brachte es mit sich, dass in Triesen die Eigenkelterei 
im Laufe der letzten zwanzig Jahre praktisch einging. Verkauft wird ab 
Presse, und für den Eigenverbrauch lässt man den Haustrunk ebenfalls 
beim Traubenaufkáufer herrichten. Damit ist in kurzer Zeit das alte 
Weingeschirr verlottert und der Winzer hat sich dem Weinhändler aus- 
geliefert, der nun die Preise bestimmt. Gewonnen hat dadurch aber die 
Qualitát des Weines dank der fachlichen Erfahrung des Weinhándlers. 
Der Absatz ist gesichert. 
Heute mehren sich die Anzeichen, dem Rebbau wieder vermehrt 
Interesse entgegen zu bringen. Die Landweine des Rheintales sind 
gesucht. Der Triesner Wein ist sicherlich allen andern Landweinen hier 
ebenbürtig. 
Die Arbeit im Weinberg änderte sich erst im 20. Jahrhundert 
wesentlich. Anstelle des Karstes lockert der Pflug die Erde. Die Reben 
wurden in Triesen in den 50er Jahren vom Stickel auf den Drahtbau um- 
gestellt. 
Die Weinberge in Triesen lagen seit jeher - ausgenommen Merer- 
hof und Maschlina - am Hang und es bedurfte mancherorts der Stütz- 
mauern, damit die Erde nicht abgeschwemmt wurde. Diese «Terrassen- 
bauten» sind heute noch vereinzelt zu erkennen. 
Die Arbeit im Wingert ist seit 100 Jahren durch die Schádlingsbe- 
kämpfung, das Spritzen ergánzt. Ebenso mussten die Reben mit Weid- 
ruten («Band») - in den Jahren nach 1950 mit Plastik und dergleichen - 
aufgebunden werden. 
Zur Unkrautvertilgung bedient man sich seit Mitte des 20. Jahr- 
hunderts der Unkrautvertilgungsmittel (Spritzmittel). Seit dem Auftre- 
ten der Paneospera (falscher Meltau) werden die Weinreben mehrmals 
zur Abwehr gegen den Blatt und Trauben zerstórenden Pilz gespritzt, 
ebenso wird später nochmals mit Schwefel der Traubenfäule gewehrt. 
Die Weinlese fond durchwegs anfangs Oktober statt, war je nach Witte- 
rungsverlauf verschieden. Früher war der Zeitpunkt der Traubenlese 
durch die Gemeinde festgelegt worden. Die grosse Kirchenglocke ver- 
kündete in Triesen noch bis in den zweiten Weltkrieg den Beginn der 
Traubenlese. Heute ist es der Weinhändler (Traubenaufkäufer), der 
bestimmt, wann gelesen werden kann und wann er das Traubengut 
übernimmt (wenn es genügend «Ocbsle» — Zuckergehalt aufweist, was 
wiederum von Jahr zu Jahr verschieden ist). : : 
Triesen hatte in alter Zeit drei Torkel. Der eine stand auf dem St. 
Luzilehen unten im Dorfe, die andern im Oberdorf, wovon sich heute 
noch der bei HNo. 48 erhalten hat. Die Trauben kamen nach dem Wim- 
Die Landwirtschaft 
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