Bevölkerungsentwicklung 
sei, die Zahlungen aus dem verarmten Fürstentum herauszubringen: «Es 
ist vielleicht das ármste Land, das es in der Welt geben mag,» schrieb 
Schuppler, als am 24. Februar 1813 die Geldtribute an Nassau eingestellt 
werden konnten (JBL 1953-155). Nach diesem zweiten Nassauer Ver- 
trag hátte Liechtenstein ursprünglich sein Kontingent selbst stellen müs- 
sen. Doch gelang es dem Gesandten des Fürsten, Freiherr Schmitz von 
Grollenburg, die Sonderregelung zu erreichen, dass Nassau es über- 
nahm, die 40 Mann des liechtensteinischen Anteiles selbst anzuwerben, 
wofür man eben bezahlen musste. 
G. Malin beurteilt diese Sonderregelung im JBL 1953-156 folgen- 
dermassen: 
«Als grösstes Verdienst des Gesandten mag aber der Sondervertrag 
mit Nassau von 1809 gelten. Freiherr Schmitz von Grollenburg wollte für 
das Fürstentum Menschenleben retten, und das gelang ihm. Man könnte 
hier einwenden, es wäre für Liechtenstein vielleicht besser gewesen, die 
Soldaten zu stellen, als durch schwere Zahlungen das Vermögen des Volkes 
zu ruinieren. Dagegen muss der Sondervertrag in Schutz genommen wer- 
den: man bedenke, welch grosse Verluste durch Kampf, Hinterhalte und 
Gefangennahme den französischen Truppen in Spanien, wo sich das von 
Liechtenstein finanzierte Kontingent befand, beigebracht worden sind! Zu 
Ende des Krieges soll die nassauische Brigade i einige hundert Mann zu- 
sammengeschmolzen sein. Die Erfolge Schmitz Grollenburgs kann man 
nur bei der Erwágung der ungebeuren Opfer, welche andere Satellitenstaa- 
ten Frankreichs sowohl an Geld, als auch an Menschen bringen mussten, 
recht würdigen. Der grösste Rheinbundstaat Bayern zahlte einen erschrek- 
kend grossen Blutzoll an Napoleon. Die sonst von Napoleon bevorzugt 
behandelte Schweiz entrichtete schwere Tribute.» 
1813 sammelten sich die Krifte gegen Napoleon in Europa. Es gab 
kein Deutsches Reich mehr. Der Rheinbund lóste sich stillsc weigend 
auf. Die einzelnen ehemals zum Deutschen Reiche gehörenden Staaten 
waren seit der Auflösung des Kaiserreiches am 6. August 1806 jeder für 
sich selbständig (souverän) geworden, so auch Liechtenstein. Es musste 
selbständig handeln, wurde aber auch gefordert. So sollte es schon im 
November 1813 an die alliierten Truppen für 10 000 fl Lebensmittel lie- 
fern. Der damalige Landesfürst Johann I. bezahlte dann die Forderung 
und lastete sie dem Lande nicht an. In einem Vertrag vom 7. Dezember 
1813 mit Österreich versprach der Fürst Truppen aufzubieten. Die ehe- 
maligen Fürsten des Rheinbundes mussten die doppelte Zahl jener 
Mannschaft stellen, die sie für Napoleon aufgeboten hatten. So war 
Liechtenstein verpflichtet, 80 Mann für die Alliierten marschbereit zu 
halten. Die Truppen mussten aus der Bürgerschaft rekrutiert werden 
(konnten also nur mehr bedingt durch Söldner ersetzt oder gestellt wer- 
den). Die Reserve betrug 20 Mann. Der Landsturm durfte nur zur Ver- 
teidigung des eigenen Bodens gebraucht werden. 
Die Hälfte der Mannschaft sollte schon bis 12. Jänner 1814 
gestellt sein (also innert 5 Wochen), was sich als unmöglich erwies. 
Liechtenstein suchte darum nach, sein Kontingent den badischen 
Truppen angliedern zu dürfen. Das 80 Mann starke liechtensteinische 
Kontingent - in welchem Soldaten aus allen Gemeinden des Landes 
dienten - stand während der Feldzüge in den Befreiungskriegen mit 
fremden Gewehren ausgerüstet, in badischen Uniformen, unter badi- 
schem Krie sgesetz im Einsatz. Sold und Ausrüstung waren badisch. 
Das Land aber musste alles bezahlen. Und weil es kein Geld besass, 
musste dieses von der Fürstlichen Kasse vorgeschossen werden. 
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