Bevölkerungsentwicklu ng 
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Erst ım 19. Jahrhundert kam es anders. 
Die Gründe, die zur Auswanderung führten, waren einerseits in 
den damaligen politischen und miserablen wirtschaftlichen Verhältnis- 
sen und andererseits von den rosigen Vorstellungen der Auswande- 
rungslustigen über Amerika zu suchen. 
Aus der Schweiz waren bereits um 1710 rund 5000 Personen nach 
USA ausgewandert, anfangs des 19. Jahrhunderts folgte eine neue Welle, 
die auch unser Land erfasste. 
Die Bevölkerung war seit Ende des 18. Jahrhunderts rasch ange- 
stiegen. 1789 hatte das Land noch 4228 Einwohner gehabt, 1815 zählte 
man bereits 6117. Dieses starke Wachstum hatte dazu geführt, dass das 
Land nicht mehr alle seine Bewohner ernähren konnte. Seit Beginn des 
19. Jahrhunderts hatte daher die saisonmässige Auswanderung zuge- 
nommen. Einzelne Familien verliessen ihre Heimat gar für immer. Den 
Liechtensteinern war die Auswanderung durch Abfahrtsgelder an Staat 
und Gemeinde erschwert und ab 1805 praktisch ganz verboten worden. 
Erst ab 1843 war die Auswanderung infolge des Bevölkerungszuwach- 
ses erwünscht. Fürst Alois II. wies den Landvogt Menzinger bereits 
1845 an, Auswanderungsbegehrende ohne Schikane aber auch ohne 
Gunst gesetzlich zu behandeln, und wenn nichts im Wege stehe, solle die 
Auswanderung bewilligt werden. Das Abzugsgeld zu erheben wurde 
1848 aufgehoben. Mit dem Gesetz über Erwerb und Verlust des Staats- 
bürgerrechtes vom Jahre 1864 traten neue Bestimmungen auch für die 
Auswanderer hinsichtlich des Bürgerrechtes in Kraft. Auf das Bürger- 
recht konnte nur verzichten, wer bereits ein auswärtiges Staatsbürger- 
recht für sich und die minderjährigen Kinder besass oder die obrigkeit- 
liche Zusicherung für den Erwerb bereits hatte, wer bewies, dass er auf 
den Fall seiner Entlassung seine Gläubiger befriedigt habe, wer den 
Nachweis erbrachte, dass er selbst und die mitzunehmenden männli- 
chen Familienangehörigen ihrer Militärpflicht Genüge geleistet hatten. 
Auswanderungsuchende behaupteten oft, sie würden nur vor- 
übergehend wegziehen, sie wollten das Bürgerrecht (und damit auch 
den Gemeindenutzen) nicht verlieren. Öfters kam es vor, dass nur ein 
Familienmitglied zuerst auswanderte und dann, wenn es ihm recht 
erging, die andern nachkommen liess. 
Die meisten Auswanderer aber verzichteten nicht ausdrücklich 
bei der Auswanderung auf das Bürgerrecht. Das Gesetz von 1864 sah 
vor, dass dieses aber durch Verjährung untergehen könne. Verjährung 
trete dann ein, wenn ein Staatsbürger, der in einem auswärtigen Staate 
nach den dortigen Gesetzen das Staatsbürgerrecht erworben hatte, vom 
Tage des Erwerbes an gerechnet, 30 Jahre verstreichen liess, ohne seinen 
Heimatschein erneuern zu lassen! Wohl aus diesem Grunde erlosch das 
Bürgerrecht vieler Auswanderer. 
Im besonderen führte N. Jansen in seiner Geschichte der Auswan- 
derer nach USA (JBL 1976) an: 
«Um 1513 verordneten die Grafen von Sulz, dass jeder Auswanderer 
den 30sten Teil seiner Güter abzugeben habe, später verlangen die Grafen 
den zehnten und die Gemeinden den fünften Teil des Erlöses der beim Aus- 
zug verkauften Güter. Als die Fürsten von Liechtenstein unser Land erwar- 
ben, verordneten sie, dass ein Auswanderer 10 % des Vermôgens und dar- 
über hinaus je nach Vermôgen eine sog. Manumissionsgebühr zu entrichten 
habe. Die Gemeinden beanspruchten 5 %. 1806 wurde die Manumissions- 
gebühr bei Auswanderung nach den übrigen deutschen Bundesstaaten 
  
 
        

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