Wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes 
dem Fabrikgebäude noch eine Färberei, ein Haus, ein grosses Arbeiter- 
wohnhaus, zwei Stille und ca. 20000 Kl. Boden in Triesen. Acht Jahre 
nach der ersten Fabrikserweiterung wurde an den bestehenden Gebiu- 
dekomplex ein dreigeschossiges Webereigebäude mit drei grossen 
Webereisálen angebaut. Nach der Vergrósserung standen in der Triesner 
Weberei durchschnittlich 350-400 Webstühle in Betrieb. 
1880 wurde die Firma «Enderlin & Jenny» infolge des Austritts der 
Herren Enderlin aus dem Geschift in «Firma Caspar Jenny» umbenannt. 
Caspar Jenny (1819-1894), der seit 1869 den Ausbau der Baumwollwe- 
berei in Triesen vorangetrieben hatte, wurde Alleineigentümer der gros- 
sen Glarner Textilfirma. Jenny beteiligte sich auch an der zu Beginn der 
80er Jahre in Vaduz durch Johann Jakob Spoerry errichteten Spinnerei, 
seit 1885 Firma genmy und Spoerry», genannt. In der Folge baute Caspar 
Jenny seinen Betrieb weiter aus. 1886 wurden die Webereien in Triesen 
und die Spinnerei in Vaduz telefonisch miteinander verbunden. Im sel- 
ben Jahr waren in Triesen von insgesamt 474 Webstühlen durchschnitt- 
lich 400 in Betrieb gestanden. 1889 bescháftigte die Fabrik 277 Arbeiter. 
Als Antriebskräfte für die Webstühle dienten eine Turbine von 135 PS 
und eine Dampfmaschine von 80 PS. Eine im Vorjahr erstellte Ventila- 
tionsanlage sorgte für gute Belüftung der Arbeitssále mit feuchter Luft. 
Noch war das Wachstum des Triesner Textilwerkes nicht abge- 
schlossen. 1889 wurde das alte «Kirchthalerische Gebiude» auf die Hohe 
der angebauten Webereigebäude erhôht, und 1893 ein Neubau für 40 
mechanische Webstühle erstellt. 1895 wurde die Fabrik an das schweize- 
rische Telefonnetz angeschlossen, und das fabrikeigene Elektrizitits- 
werk begann, mehrere Triesner Privatháuser mit elektrischer Energie zu 
beliefern. 1902 zählte der Betrieb 310 Beschäftigte. 250 Arbeiter waren 
weiblichen, 60 männlichen Geschlechts. Ungefähr 90 Frauen kamen aus 
Triesen, deren 80 aus Balzers und 70 von Triesenberg. Damit war die 
hôchste Bescháfügungszahl erreicht. 1909 hatte der Betrieb nur 262, 
1912 281 Arbeiter. Der Betriebsausbau schritt dennoch weiter fort. 1911 
wurde das Fabriksgebáude erneut vergróssert, und im folgenden Jahr 
entstanden ein neues Turbinenlokal und ein Benzinlager. Für Arbeiter- 
und Materialtransport wurde erstmals ein Automobil eingesetzt. 
Nach dem Tode Caspar Jennys im Jahre 1894 übernahmen dessen 
Söhne Fitz und Caspar das Geschäft. Die Firma «Fritz u. Caspar Jenny» 
wurde schliesslich 1905 von der Firma «Jenny, Spoerry & Cie.» übernom- 
men. Seither sind die Spinnerei in Vaduz und die Weberei in Triesen ver- 
einigt geblieben. Der 1. Weltkrieg versetzte der Firma Jenny, Spoerry & 
Cie.» einen argen Schlag. Gleich nach Kriegsbeginn musste die Produk- 
tion ihrer Betriebe wegen Rohstoffknappheit um die Hälfte gedrosselt 
werden. Nachdem die Einfuhr von Baumwolle und Garnen aus der 
Schweiz aufgehört hatte, wurden schliesslich am 1. Juli 1917 die Fabri- 
ken in Vaduz und Triesen stillgelegt. 
Die Unternehmer legten ın den schweren Kriegsjahren eine vor- 
bildliche Haltung an den Tag, indem sie ihre Finanzkraft zur Linderung 
der allgemeinen Not einsetzten. Seit der Einführung der Arbeitsein- 
schränkungen erhielt jeder Arbeiter für fünf Tage in der Woche den vol- 
len Lohn ausbezahlt. Teuerungszulagen wurden gewährt, namhafte 
Weihnachtsgaben an Arbeiter und Arme der Gemeinde Triesen, Trie- 
senberg und Balzers verteilt und der Arbeiter-Konsumverein durch ein 
unverzinsliches Darlehen von 70 000 Kronen und einen Schuldennach- 
lass von 25 000 Kronen entschuldet. Diese und viele andere Hilfsleistun- 
 
        

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