Wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes 
Aber auch innerhalb der Nachbarschaften war die genossen- 
schaftliche Ordnung, insbesondere die gemeinsame Nutzung der Wei- 
deflächen ım Tale, von verschiedenen Seiten hart bedrängt. Schon seit 
jeher waren kleinere Flächen des Gemeindebodens zur privaten Nut- 
zung für die einzelnen Bürger ausgeschieden worden. Mit der starken 
Bevölkerungszunahme war die Zahl derjenigen, die kein Anrecht auf die 
Gemeinheiten besassen, wie auch derjenigen, die wohl nutzungsberech- 
tigt waren, aber keinen Gemeindeboden mehr zugeteilt erhielten, 
gewachsen. Die alteingesessenen Viehbesitzer stemmten sich gegen eine 
weitere Verringerung des gemeinsamen Weidlandes. Dorfbewohner 
ohne zugeteilten Gemeindeboden forderten vehement die vôllige Auf- 
teilung des Gemeindebesitzes. Landvogt Schuppler hatte in den Dienst- 
instruktionen den Befehl erhalten, die Gemeinheiten ins Privateigentum 
der Bürger aufzuteilen und war sehr bemüht, diesen Auftrag durchzu- 
führen. Trotz grosser Anstrengung und trotz Drohung, die Teilung mit 
Militärgewalt durchzusetzen, konnte er den Widerstand der Mehrheit 
der Gemeindsleute nicht überall brechen. Teile des Gemeindebodens 
wurden nach wie vor gemeinsam genutzt oder wenigstens nur zur Nut- 
zung, nicht aber ins Eigentum ausgeteilt. 
War die Nutzung von herrschaftlichen Lehengütern für den liech- 
tensteinischen Bauern mit manchen Belastungen verbunden, die Bewirt- 
schaftung der Gemeindegüter heftig umstritten und nicht weniger pro- 
blemgeladen, so bildeten auch die in kleine, oft weit auseinanderliegen- 
den Parzellen zerstückelten und vielfach stark verschuldeten Privatgü- 
ter keineswegs günstige Voraussetzungen für die landwirtschaftliche 
Produktion. Die fürstliche Obigkeit hatte wohl vor wenigen Jahren die 
Güterzerstückelung verboten und mit einer neuen Erbordnung und der 
Einführung des Grundbuches auch eine Güterarrondierung angestrebt, 
stiess aber bei der Durchsetzung auf den hartnäckigen Widerstand der 
Untertanen, die den vielen Neuerungen mit grösstem Misstrauen begeg- 
neten. 
Ausser der Landwirtschaft boten andere Wirtschaftszweige nur 
geringe Verdienstmöglichkeiten. Industriebetriebe existierten nicht. 
Gewerbsleute fanden ım Lande bei der in bescheidenen Verhältnissen 
lebenden Bevölkerung kaum Abnehmer für ihre Produkte oder Dienst- 
leistungen. Der Zugang zu den ausländischen Märkten war durch Zoll- 
und Handelsschranken verwehrt. Versuche der Obrigkeit, das Gewerbe 
zu fördern, mussten zwangsläufig scheitern, solange das Land zoll- und 
handelspolitisch isoliert war. Jetzt, wo Industrie und Gewerbe für die 
wachsende Bevölkerung so dringend benötigte Arbeitsplätze hätten 
bringen können, machte sich die wirtschaftliche Isolation besonders un- 
angenehm bemerkbar. Zu alledem war das Land überaus hoch verschul- 
det. Die bei den Truppendurchzügen von 1799 und 1800 dem Lande 
auferlegten Lasten, die Kriegsbeitráge an das Reich, der Unterhalt des 
Truppenkontingents und die Nem an das Militär hatten 
das Land in die völlige Verarmung getrieben. Der Wucher hatte 
erschreckende Ausmasse angenommen. Eine Schuldbetreibungsord- 
nung, die sich in übertriebener Hárte gegen den Schuldner richtete und 
vor allem die Interessen der Gläubiger berücksichtigte, brachte viele 
Leute um Haus und Hof und machte sie zu Bettlern. Einzig obrigkeit- 
liche Massnahmen, wobei der 1809 errichteten Grundbuchsordnung 
EE Sende Bedeutung zukam, verhinderten den totalen Ruin des 
Landes. 
  
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