Vom Hof zum Dorf 
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5. Chroniken und Urkunden berichten uns vom Grassieren der 
Pest, die grosse Teil der Bevölkerung hinraffte und Gegenden men- 
schenleer werden liess (1191 Pest im Kreuzzugheer Kaiser Friedrichs 
II.). 1315 blieben weite Strecken infolge der Pest nicht mehr bewirtschaf- 
tet, die Folge war Hungersnot, kein Saatgut. 1348 wurden im Rheintal 
ein Fünftel der Bevôlkerung von der Pest dahingerafft. Ein entvólkertes 
Land konnte die dem Landesherrn schuldigen Abgaben und Fronen 
nicht mehr leisten und er selbst die ihm anhaftenden Reichslasten (Mili- 
tár, Reichssteuer) auch nicht bezahlen, die Schutzburgen nicht unterhal- 
ten und ebenso nicht mehr den Haushalt bestreiten. 
6. In der kaiserlosen Zeit (1250-1276) bestanden auch im Rhein- 
tale zwischen den einzelnen Grafen und den Bischófen zu Chur 
andauernd kriegerische Fehden. Die Bevólkerung litt unter den Fronen 
und Gewalttätigkeiten in der gesetzlosen Zeit. 
7. Im 12.-14. Jhdt. entzogen vor allem die Stidtegriindungen dem 
Lande wertvolle Arbeitskräfte. Dem wurde mit dem Erblehensrecht, 
wie es ursprünglich den Wallisern eigen war, entgegen gewirkt. Es war 
ein Mittel, um Leute für die Bebauung des Bodens zu gewinnen (der 
Obereigentümer hatte in die Verwaltung nichts mehr hineinzureden, 
das Gut ging auf die Erben über, kam also dem Eigentum sehr nahe, aus- 
genommen Beleihung). Es wurde später die allgemeine Norm für die 
grossen Lehen. 
Das war die eine Seite. Warum ausgerechnet die Walliser in unsere 
Gegend - wie um die gleiche Zeit nach Davos, ins Prättigau, Stürvis, 
Guscha, Grosses und Kleines Walsertal in Vorarlberg, ins Gebiet von 
Laterns und Damüls etc. - kamen, das ist die bis heute mangels ortsbe- 
zogener Urkunden nicht restlos geklárte andere Seite. Denn um diese 
Zeit wanderten Walliser auch über die Alpenpässe nach dem Süden, so 
dass wir deren Nachkommen im Tessin, ın Italien und Frankreich fin- 
den, aber auch vis-à-vis von uns als ganze Kolonie auf Palfries, dann im 
Weisstannental und an andern Orten. Die Walliser waren Alemannen, 
die im 11. Jahrhundert aus dem Berner Oberland nach dem Oberwallis 
übersiedelten. Zwei Jahrhunderte spáter zwangen die Übervólkerung in 
den wenig ertragreichen, wilden Tälern des Oberwallis, vielleicht auch 
Überschwemmungen, Bergstürze und Bedrängnis durch die Feudalher- 
ren Teile des Volkes zur Auswanderung. Zu unserer Gegend, die neue 
Leute brauchte, bestanden Verbindungen. Kaiser Friedrich I. (Barba- 
rossa 1152-1190) soll die ersten Deutschen in das romanische Gebiet 
berufen haben, um die Heeresfahrt der Deutschen durch das Rheintal 
nach Italien zu erleichtern. Bischof Friedrich II. von Chur (1282-1290) 
hatte 1282 ein Schutz- und Trutzbündnis mit dem Bischof Peter von Sit- 
ten geschlossen. Die Verbindung zwischen Rátien und Wallis ist uralt; 
die beiden Gebiete grenzten, da das Urserntal damals zu Rátien gehórte, 
unmittelbar aneinander. In. der ersten Hiàlfte des 13.Jahrhunderts 
stammten drei Abte des Klosters Disentis aus dem Wallis. Die Freiher- 
ren von Vaz, die Grafen von Werdenberg und Montfort sowie die 
Bischöfe von Chur und die verschiedenen Kloster suchten für ihre Besit- 
zungen Bewirtschafter. Denn nur solche konnten ihre Einnahmen an 
Zehent, Fronen, Kriegsdienst, Steuern etc. vermehren und die Lücken 
ausfüllen, die die Missgunst der vorgehenden Zeit in der Bevólkerung 
geschaffen hatte. Bei ur dauernden Streitigkeiten unter den kleinen 
Herrschern war es für sie lebenswichtig, genügend Kriegsvolk zu besit- 
zen. 
 
        

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