Die Gemeindegesetze 
Das Gemeindegesetz vom 1. August 1842 ist die erste schriftliche 
Ordnung, die umfassend Bestand, Einrichtung und Verwaltung der 
Gemeinden und das Gemeindebürgerrecht regelt. Die diesem 
Gemeindegesetz beigegebene Instruktion für die Ortsvorsteher ist auch 
vom neuen Gemeindegesetz vom 24. Mai 1864 übernommen worden. 
Die Gemeinde besass nach dem Gesetz von 1842 das Recht, in Gemein- 
deversammlungen Beschlüsse zu fassen, für die Bestellung des Richters 
und der Geschworenen Dreiervorschläge dem Oberamte zu unterbrei- 
ten (aber noch nicht das Recht, einen Vorsteher frei zu wählen), die Ein- 
kaufstaxe für Bürgerrechtswerber zu bestimmen und das Gemeindever- 
môgen zu verwalten. Die Gemeindeversammlung bildete der Bürger- 
verein der Gemeinde. Die Gemeindevorgesetzten mussten eine Bestel- 
lung auf drei Jahre annehmen, waren aber dafür von der Leistung der 
Gemeindearbeit befreit. Den Gemeinden war in Verwaltungssachen 
eine Bussenkompetenz bis zu 1 fl 30 kr eingeräumt. Die Gemeindever- 
sammlungen durften nur nach vorgängiger Anzeige an das Oberamt in 
Vaduz abgehalten werden, ebenso waren die Gemeinderechnungen zur 
Prüfung vorzulegen. Wenn die Wirksamkeit der Gemeindevorgesetzten 
auch noch sehr stark eingeengt, sie gleichermassen nur Ausführungs- 
organe der Regierung waren, ihnen noch kein Gemeinderat zur Seite 
stand, so waren mit diesem Gemeindegesetz doch erstmals die Rechte 
und Aufgaben der Gemeinde schriftlich niedergelegt. Eine Behandlung 
dieses Gemeindegesetzes im Landstande war nicht erfolgt, da gemáss 
$ 16 der landstándischen Verfassung vom 9. November 1818 diesem 
«Vorschläge im bürgerlichen, politischen und peinlichen Fache» nicht 
erlaubt waren. Das Gemeindegesetz von 1842 war aber dennoch ein 
Versuch, eine unsern Verhältnissen angepasste Regelung für die 
Gemeinden zu finden. Das lässt sich daraus erkennen, dass etliche 
Grundsätze dem alten Gewohnheitsrechte entnommen und ins Gesetz 
eingebaut erscheinen, wozu ın erster Linie die Bestimmungen über die 
Gemeindeversammlung und die Rechte des Gemeindebürgers am 
Gemeindevermôgen zu zählen sind. 
1864 ist ein neues Gemeindegesetz geschaffen worden, das seinem 
Inhalte nach den Erfordernissen der Zeit jeweils angepasst wurde und ın 
seinen Grundzügen noch im heutigen Gemeindegesetz vom Dezember 
1959 weiter besteht. 
Interessanterweise taten sich die Gemeinden nach Erhalt des 
neuen Gemeindegesetzes 1864 zuerst schwer, damit zurecht zu kom- 
men. Dr. A. Schaedler berichet im JBL 1906 im Nachruf auf den verstor- 
benen Landesverweser von Hausen: 
«Was die Tätigkeit Hausens gegenüber den einzelnen Gemeindever- 
tretungen anbelangt, so muss hervorgehoben werden, dass Hausen auch 
nach dieser Richtung ungemein viel Rührigkeit entwickelte. Seinem 
Bestreben, die Gemeinden vorwärts zu bringen, kamen seine umfassenden 
Kenntnisse über alle Gemeindeangelegenheiten und über die jeweiligen 
Stimmungen in den Gemeinden sehr zu statten. Allerdings kam es dabei 
nicht selten vor, dass das selbständige Handeln der Gemeindevertretungen, 
welches durch das freiheitliche Gemeindegesetz vom Jahre 1864 gewähr- 
leistet war, völlig in den Hintergrund trat. Die Schuld davon lag jedoch 
zum grossen Teile an den Gemeindevertretungen selbst und hängt mit den 
früher bestandenen Abhängigkeitsverhältnissen, welche bei den Gemein- 
Vom Hof zum Dorf 
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