Vom Hof zum Dorf 
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g) Ein wesentliches Merkmal des Gemeindegesetzes bilden das 
Initiativrecht, ebenso das Referendumsrecht. In bestimmten Fällen 
kann der interessierte Stimmfähige Entscheide des Gemeinderates an 
das oberste Organ der Gemeinde, das ist die Gemeindeversammlung, 
weiterziehen, das heisst die Abstimmung dort verlangen. Bereits 
ein Sechstel der Stimmfähigen genügt, ein solches Begehren innert der 
gesetzlichen Fristen erfolgreich stellen zu können. Daneben bleibt das 
Beschwerderecht jedes einzelnen Betroffenen gegen einen Gemeinde- 
rats- oder Gemeindeversammlungsbeschluss an die Regierung und im 
Weiterzug an die Verwaltungsbeschwerdeinstanz, ja allenfalls an den 
Staatsgerichtshof, gesichert. 
Freiheitsrechte kónnen dem Bürger auch in der Gemeinde nur in 
einer ausgewogenen Ordnung gegeben sein. Sie müssen beachten, dass 
wohlerworbene Rechte, im besonderen privater, auch von der óffentli- 
chen Hand zu achten sind. Dass solche nicht leicht überfahren werden 
kónnen, dafür sorgen eben Referendum, Initiative und Beschwerde- 
recht. 
Das Bürgerrecht (nach J. Büchel: Der Gemeindenutzen 1953) 
Landes- und Dorfangehórigkeit im Mittelalter 
Im Altertum und Mittelalter betrachtete man jeden als zur 
Gemeinde zugehórig, der sich innerhalb der Gemarkungen derselben 
haushablich niederliess. Bis Ende des Mittelalters war dies gleichbedeu- 
tend mit dem Betriebe einer Landwirtschaft, da auf dem Lande praktisch 
keine andere genügende Erwerbsquelle vorhanden war und die Hand- 
werker im Marktflecken oder in der Stadt lebten. Wer hausháblich war, 
galt als Gemeindegenoss. Das Wort Bürger oder der Begriff Bürgerrecht 
war den alten Gemeindeordnungen fremd. Sie nannten die Gemein- 
deangehórigen einfach Gemeindsleute oder Gemeindsgenossen. Der 
Bürger war der Stádter (z.B. Feldkirch, Chur). 
Der Gemeindsgenoss besass Anteil an den Gemeinheiten und 
musste zu den Lasten der Dorfgemeinde beisteuern. Konnte er sein Vieh 
auf die Allmeind treiben, dort Heu und Streu gewinnen, Holz aus den 
Waldungen beziehen, so hatte er auf der andern Seite tatkráftig mitzu- 
helfen bei der Abwehr des Rheines, der Erstellung der Wege und Stras- 
sen, bei Rodungen, Erstellen der Weidzáune und Gebäulichkeiten etc. 
Er war Glied der Wirtschaftsgenossenschaft, die man kurz wohl Genos- 
same, Gemaindt, Kirchspiel, Nachburschaft oder Dorf nannte, die aber 
noch nicht eine politische Gemeinde verglichen mit der heutigen war. 
Unabhánig von dieser Gemeindezugehórigkeit bestand die Zuge- 
hórigkeit zu einem Herrn, das «Landesbiirgerrecht» (Landesangehórig- 
keit). 
Die Gemeindeangehôrigkeit war der Inbegriff der Nutzungs- 
rechte an den Gemeinheiten mit den damit verbundenen Pflichten, wäh- 
rend die landesherrliche Hoheit sich auf die Gerichtsbarkeit und das 
Abzugsrecht bezog. Inbegriffen waren Steuerpflicht und Militárpflicht. 
Die alte Gemeinde oder Nachburschaft (Nachpurschaft) stellte 
im wesentlichen nichts anderes als eine Wirtschaftsgenossenschaft dar, 
die sich aus den in einer bestimmten Gemarkung wohnenden Personen 
oder Familien zusammensetzte und als solche gemeinsam Ländereien 
(Gemeinheiten wie Allmeind, Alpen, Wälder etc.) nutzten, an diesen als 
Glieder der Genossenschaft nutzungsberechtigt waren und als solche 
aber auch gemeinsam Arbeiten verrichteten (Gemeindswerk). 
 
        

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