Wasser versetze, so dass oft längere Zeit nicht gemahlen werden könne, 
wodurch die ganze Gemeinde Balzers in eine höchst unangenehme Lage 
versetzt sei. Solches hätte sie fast alle Jahre zu erleben und es bestehe 
höchste Gefahr, nach und nach ganz versenkt zu werden, wenn von 
Amtswegen nicht Abhülfe geschaffen werde. Ursachen dieser Sachlage 
seien: 
1. Weil der wilde Rheinstrom vom 8.-9.Wuhrmess nicht in sein 
bestimmtes Rinnsal eingewuhrt werde und deshalb ein grósserer Teil 
desselben ungehindert in den Balzner Mühlbach fallen kónne, diesen mit 
aller Gewalt zurücktreibe und mit Schlamm anfülle (Rückstau). 
2. weil der schnelle Lauf, welchen der Rhein von seinem 
Ursprung an bis dahin hat, teils durch das Wuhr bei dem Kappele, wel- 
ches die Gemeinde Triesen widerrechtlich über dem Mühlbach berg- 
wärts angesetzt habe, teils aber auch durch den schon angehiuften, noch 
immer von Jahr zu Jahr auf den ginzlich verlassenen triesnerischen 
Rheingrenzen sich anhäufenden Sand und die Steine gehemmt werde, 
und folglich der Mühlbach, mit Morast angefüllt, seinen Lauf nicht mehr 
machen könne, sondern gänzlich verwachsen und sich in die umliegen- 
den Felder und Auen verlieren müsse. Man hätte bei Errichtung des 
Wuhres bei dem Kappele darauf bedacht sein sollen; aber der Mühlbach 
habe dortmals seinen ordentlichen Auslauf ob dem Wuhr durch die Au 
noch gehabt, und der Sand sei noch nicht hoch gewesen und erst durch 
die Nachlássigkeit im Wuhren so angewachsen. - Die Gemeinde Balzers 
bittet das Oberamt hierin Wandel zu schaffen. 
Diese Aufforderung an die Triesner scheint wirkungslos geblie- 
ben zu sein. Uber die Besitzrechte und Wuhrpflichten in jener Gegend 
herrschte überhaupt grosse Unsicherheit, bis die Sache endlich in den 
Jahren 1831 und 1835 entschieden wurde. 
Im Jahre 1829 traten die Triesner mit der Forderung gegen die 
Balzner auf, es gebühre ihnen auf dem Gebiete zwischen Mühlbach und 
Rhein das Mitweiderecht bis hinauf zu der jetzigen Mühle. Das bestrit- 
ten die Balzner entschieden und so kam es wieder zu einem mehrjähri- 
gen Prozess. 
Am 14. Mai 1829 fand die zweite kommissionelle Untersuchung 
mit Aufnahme des Augenscheines und Finsicht in die von den Triesnern 
vorgelegten Urkunden statt. Am 23. Mai wurde folgendes zu Protokoll 
gebracht: Balzers verweigert das Mitweiderecht aus diesen Gründen: 
1. Der Brief, welchen die Triesner vorlegen, enthalte über ein Mit- 
weiderecht nichts und sei überhaupt sehr unverstándlich. 
2. Seit undenklichen Zeiten und nach der Uberlieferung seit 300 
Jahren sei Balzers im ruhigen Alleinbesitze jener Weide gewesen. 
3. Die Ansprüche der Triesner gründen sich auf einen Irrtum, 
náàmlich auf die irrige Meinung, die alte Mühle, von der in jenen alten 
Briefen die Rede ist, sei auf demselben Platze gestanden, auf dem die jet- 
zige Mühle steht. Aus der Überlieferung und selbst aus einem alten 
Briefe von 1513 gehe hervor, dass jene alte Mühle bei Silvaplana gestan- 
den habe. 
4. Zur Zeit, als die Grundbücher angelegt wurden, hátte Triesen 
die vermeintlichen Rechte geltend machen sollen. Da aber auch in jenem 
wichtigen Zeitpunkte nichts geschehen und sämtliche Wiesen und 
Acker an die Leute zu Balzers als Eigentum ausgeteilt worden seien, 
ohne Widerspruch von Triesner Seite, so seien die jetzigen unerwarteten 
Ansprüche noch unbegreiflicher. 
Vom Hof zum Dorf 
  
  
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.