ist, dauerhaft auszubessern und von dort an in gera- 
der Richtung auf die äusserste Spitze des Trachter- 
wuhres in der Länge von 200 Klaftern ein neues 
Wuhr anzulegen und für alle künftigen Zeiten zu 
erhalten. — Die Öffnung und Offenhaltung des 
Mühlbaches übernahm Balzers allein. — 
Bis dahin ging die Sache glatt ab; aber bei der Zie- 
hung der Grenzlinie gab es wieder Späne. Zwar 
beriefen sich beide Gemeinden auf den Brief von 
1595, welcher einen Markstein auf Hans Schurtis 
Wiesen in Silvaplana angibt, und von welchem 
Markstein aus die Linie in gerader Richtung über den 
Rhein in die obere Dole des grünen Büchels zeigen 
soll. Um Streitigkeiten vorzubeugen, trat auf Antrag 
der Gemeinde Triesen eine Kommission mit dem 
Landvogt Menzinger an der Spitze und dem Grund- 
buchführer Peter Rheinberger zusammen. Nachdem 
die Kommission an Ort und Stelle angekommen, 
liess sie sich von den Parteien den Markstein auf Sil- 
vaplana, den überm Rhein gelegenen grünen Büchel 
und die auf diesem befindliche obere Dole zeigen. 
Was den Markstein auf Silvaplana betraf, zeigte eine 
jede der beteiligten Gemeinden einen andern ab. 
Triesen wies ihn einige Schritte über der Landstrasse 
auf den sog. Silvaplana-Wiesen nahe an der Grenz- 
scheide der Wiesenatzung an. Balzers hingegen 
zeigte einen anderen ob diesem in gleicher Linie mit 
der Weidgrenze, näher dem Berg zu, vor, weil von 
diesem Stein aus in einen anderen Stein auf den Zip- 
felwiesen die Grenze des Weiderechtes gewesen sei. 
Die Balzner liessen sich aber ohne Mühe herbei, den 
von Triesen bezeichneten Stein als den richtigen an- 
zuerkennen, unter der Bedingung jedoch, dass diese 
Anerkennung ihre über der Strasse gelegene Wiesen- 
atzung nicht berühre. — Auch in Betreff der Dole auf 
dem grünen Büchel war man ungleicher Ansicht. Die 
Balzner hielten die nórdlichere, die Triesner die süd- 
lichere für die im Briefe von 1595 gemeinte Dole. 
Obwohl die Auffassung der Balzner die gróssere 
Wahrscheinlichkeit für sich hatte, war sie doch nicht 
evident. Die Kommission schlug daher vor, die Linie 
zu ziehen in die Mitte zwischen diese beiden Dolen. 
Damit waren die Vertreter beider Gemeinden ein- 
verstanden. Es wurden nun zwei Steine gesetzt, einer 
am Rhein, der andere am Mühlbach. Vertreter von 
Balzers waren: Johann Frick, Richter, Christian 
Brunhart, Jos. Leonz Büchel und Joh. Wolfinger; 
Vertreter von Triesen: Lorenz Kindle, Richter, 
Jakob Kindle, Jos. Bargetzi, Jakob Kindle und Gregor 
Gasner. 
Im Jahre 1839 wurden auf diesem Gebiete, im Heu- 
los, Sandteile ausgeteilt auf alle Bürger mit und ohne 
Hausnummer mit der Verpflichtung zu Zug- und 
Handdiensten am Rhein. (JBL 1907) 
Seit der Verpachtung der Gemeindebodenteile an 
Pächter 1955 wird dieses Gebiet vom Gartnetschhof 
der Gemeinde bewirtschaftet. 
Anhang 
Spruchbrief des Freiherrn Wolfhart, des älteren, von 
Brandis, vom 1. April 1440 betreffend Grenzen gegen 
Balzers: (JBL 1902, 166) 
Ich Wolffart von frondis der Elter, Freyherr, Voggt 
zu Veldtkhirch, Vergich Und thuen menigclichem 
ze wissen mit disem offenn brief als von solicher 
Stóss unnd Unainigkhait wegen, so Lang Zeit gewe- 
sen sind. Zwuschen meinen Armen leutten, den 
vonn Balzers gemainem Kilspel, an ainem tail. Unnd 
auch gemainem Kilspel Zu Trisen Zu dem andern 
tail. Von wun unnd waid wegen, so gelegen ist Zwu- 
schennd Balzers und Trisen, Enennd dem Prunen 
unnd disenndt dem prunen, ... der erste Teil dieses 
Spruchbriefes befasst sich mit den Grenzen zwi- 
schen Valüna und Gapfahl und ist hier bereits abge- 
druckt auf Seite 1050, sodass auf eine neuerlich Wie- 
dergabe verzichtet werden kann. 
Wesentlich und viel wichtiger ist der zweite Teil, der 
sich mit der Grenzziehung zwischen Triesen und 
Balzers ob dem Zufluss des Lawenabaches mit dem 
Mühlbach in den Rhein im heutigen Gebiete ob 
Gartnetsch für das Gebiet bis zur Balzner Mühle 
befasst. Dieses Gebiet scheint in alter Zeit schlecht 
genutzt geworden zu sein und erst eine Teilung nach 
dem Schiedsspruch von 1440 im Zusammenhang 
mit dem nach und nach erfolgten Einwuhren des 
Rheines im Gebiete des Trachterkopfes (Heilos) hat 
das Gebiet besser nutzbar gemacht. 
Der Spruchbrief fáhrt nach der eingangs widergege- 
benen Einleitung in bezug auf dieses Gebiet wie folgt 
fort: ... Jtem so sonnd denn bis die markha sein, hie 
aus Zwuschend Balzers unnd Trisen, des ersten hie 
disenndt dem prunen Salvaplan halb, Jst obnan auf 
dem Stain ain Klaini Rifi, ain schlipfi, soll grad 
Ueberrein Zaigen in den griienen Piichel, obnen in 
die Thuelen. Da sonnd die von Balzers obnen abher 
treiben und waiden, Unnd die von Trisen unnen auf- 
hin, hie disenndt dem prunen Bergs halb. Unnd soll 
yederman behalten sein sein aigen guet Zefriden, als 
von alter har sitt unnd gewonnlich ist, mit Jnnschla- 
chen unnd aufthuen. Es soll auch den von Balzers 
behalten sein Jr Bovel Ze herbst in Selvaplan, als verr 
(= so weit) Jr aigen guet herab Lannget, (doch das 
derselb povel ausganng alle Jar auf Sanndt Michels- 
tag) Unnd in nit Lennger Jnnhaltind. Mer soll dena 
von Balzers behalten sein als von alterhár Jhr Salt- 
ner, Som Ross unnd Wagner enndthalten unnd 
gehüet honnd, Unnder dem Rain herab Ze Selva- 
plan. Das sonnd sy aber halten und hüetten. Wie Sys 
von alterhär gethon honnd Unnd nit fórer. Item 
denn enend dem prunen, als die Müllin am prunen 
statt, die soll ain markh sein Unnd grad ushin Zaigen 
in Rein. Unntz dahin sollen die von Trisen Recht 
han Ze waiden mit allem Jrem Vich Unnd nit fórer. 
Jtem so sonnd die von Balzers auch Recht han Ze 
waiden Enennd dem prunen herab Untz in Spitz, als 
der prun yetzt in Rain gat. Unnd nit verer Unnd mit 
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