mehr zusammenkommen durfte. Mit der Zeit war 
das Heimweh überwunden und man gewöhnte sich 
an die Umstände. 
Die Arbeit begann sehr früh am Morgen. Gegessen 
wurde gemeinsam mit Bauersleuten und Knechten 
am gleichen Tisch aus runden Schüsseln. Vor jedem 
Essen wurde gebetet. 
Interessant ist die Schilderung der militärischen 
Atmospháre, die in Westdeutschland kurz vor Aus- 
bruch des ersten Weltkrieges herrschte. Eines Tages 
sah ein Knabe Soldaten über das Kornfeld heranmar- 
schieren. Ihre Pickelhauben glänzten an der Sonne 
und ihre Stiefel traten unachtsam das Korn nieder. 
Der Bub lief zum Bauern, um ihn zum Einschreiten 
zu veranlassen. Der tat nichts dergleichen, sondern 
sagte: «He, du dummer Schweizerbub, lass die Sol- 
daten kommen! Was unsere Soldaten verderben, gibt 
Gott zwei- und dreifach wieder. Bier für unsere Sol- 
daten!» Am folgenden Sonntag betete der Pfarrer in 
der Kirche von der Kanzel für Gott und Vaterland. 
Vier bis fünf Veteranen von 1870 standen mit ihren 
Mützen von ehemals und den Kriegsabzeichen an 
der Kirchenmauer und sie wurden von den Kirch- 
gängern bewundernd begrüsst. «Sie waren im 
Krieg.» 
Der Lohn fiir die jungen Schwabenginger wurde nur 
zu einem geringen Teil in bar bezahlt. Im wesentli- 
chen bestand er in der Ausstattung mit neuen Klei- 
dern. Etwa einen Monat vor der Heimfahrt — die 
Oberländer reisten an Simon und Juda, am 28. Okto- 
ber, heim ^ kamen Schneider und Schuster auf den 
Bauernhof und fertigten das Gewand nach Mass an. 
Stolz zeigten die Buben zu Hause ihre Suefel. Zur 
Winterszeit, wenn der Schnee fiel, waren sie unum- 
stritten die Helden. 
Es müssen schwerwiegende Gründe gewesen sein, 
wenn Hunderte, Tausende Kinder monatelang ihre 
Familie verliessen und in die Fremde gingen. Sie 
waren mannigfacher Natur. Einmal stand die Armut 
im Hintergrund. Die Eltern waren froh, wenn ein 
oder zwei Kinder weniger am Tische sassen. Dann 
fehlte es in den nicht bäuerlichen Familien während 
der Sommermonate, wo nicht Schule gehalten 
wurde, an Betátigungsmóglichkeiten für die Jugend. 
Die Sommerferien begannen schon im April und 
endeten erst Ende Oktober. Es tat vor allem den 
Buben gut, etwas arbeiten zu kónnen. Schliesslich 
gaben auch die Abenteuerlust und nicht zuletzt die 
Stiefel Anstoss zur Reise. — 
In den Hungerjahren um 1840 erlebte die Schwaben- 
gángerei ihren Hóhepunkt. Der Lebensmittelmangel 
im Rheintal, Vorarlberg und Appenzellerland führte 
schon im Februar zur Ausreise. 
Die Gründe für die Schwabengängerei lagen aber 
auch auf der anderen Seite, bei den Bauern in Würt- 
temberg und Baden. Dort gab es viele grosse Land- 
wirtschaftsbetriebe, zu deren richtiger Nutzung der 
  
Anhang 
eigene Personalstand nie ausreichte. So war man auf 
die jugendlichen Gehilfen aus der Schweiz und aus 
Osterreich angewiesen. Man nahm sie gerne bei sich 
auf, und hátte nicht der Weltkrieg 1914/18 mit der 
totalen Schliessung der Grenzen eine plótzliche 
Zäsur gebracht, gäbe es vielleicht heute noch 
Schweizer Hüterbuben daselbst. Allerdings hat die 
Motorisierung auf den Bauerhöfen den Bedarf an 
helfenden Händen wesentlich reduziert. Auch wäre 
es bei den heutigen Schulgesetzen und Schulverhält- 
nissen nicht mehr möglich, sich für ein ganzes Halb- 
jahr ins Ausland abzusetzen. Es kämen höchstens 
einige Ferienwochen im Schwabenland in Frage. 
Kommentar 
Bestimmt darf man die Schwabengängerei nicht als 
trauriges Kapitel unserer Geschichte bezeichnen. 
Eine Umfrage bei Schwabengingern ergab im 
Gegenteil, dass sie zum grossen Teil angenehme Er- 
innerungen an ihren Dienst über die Grenze mit sich 
tragen und diese nicht missen móchten. Sie hatten 
Gelegenheit, sich erstmals im Leben zu bewähren. 
Sie konnten und durften ihr Brot selbst verdienen 
und den Eltern statt einer Last eine Hilfe sein. Sie 
verlebten entscheidende Lebensjahre naturverbun- 
den in einer Atmosphäre der Geborgenheit.» (353, 
693) 
15. 15 v.Chr.-476 n. Chr. 
Triesen zur Rômerzeit 
  
Mit dem Zeitraum 15 vor Chr. bis 476 n. Chr. ist 
die politische Zugehörigkeit Rätiens zum römi- 
schen Weltreiche von der Unterwerfung durch 
die Römer bis zum Zerfall des weströmischen Rei- 
ches eingefangen. (/BL 1902, 1909, 1911, 1950, 1958, 
1965) 
Wie es damals in Triesen und seiner Umgebung aus- 
sah, darüber kónnen uns die Geschichtsforscher 
keine Urkunde unserer Gegend bieten. Doch berich- 
ten Bodenfunde und Streufunde verhältnismässig 
recht viel aus unserem Lande. An diesen Funden ist 
auch Triesen beachtlich beteiligt. Sie sollen im nach- 
folgenden aus den bestehenden Verôffentlichungen 
der liechtensteinischen geschichtlichen Literatur und 
unter dieser im besonderen der «Jahrbücher des 
Historischen Vereins für das Fürstentum Liechten- 
stein» seit dem Jahre 1901 zusammengezogen wie- 
dergegeben werden. 
Eine Romervilla in Triesen 
Im 11. Bande des Jahrbuches des Historischen Ver- 
eins fiir das Fiirstentum Liechtenstein ist ein Bericht 
1031 
 
        

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