die Mehrheiten der Stimmen vertheilen, verleihen, 
und nach ihrem Gutachten, dem Reichen, wie dem 
Armen, dem Grossen und dem Kleinen nach seiner 
Geburtsfehigkeit zu Theil werden solle. 
VI‘ Verlangen und wollen sie, dass nach Absterben 
eines Vatters, oder Mutter ihre Hinterlassenschaft 
unter die zurückgelassenen ehlichen Kinder (sie 
seyen des mänlichen oder weiblichen Geschlechts, 
gross oder klein) durch ein jeweliger Ortsrichter, wie 
er dessen üblich war (wie es dessen üblich war) unter 
die Kinder in Beyseyn der Vögte einem, wie dem 
andern bis auf den letzten Heller vertheilet, und 
gegeben werden solle: ausser wann der Vatter oder 
die Mutter schon im Leben durch ein Testament 
einem oder dem andern von ihren Kindern Etwas 
bestimmt haben sollten. 
VII" Um den Credit im Lande nicht ganz zu verlie- 
ren, sollen die Obligationen, wie von Alters her, 
durch den Richter geschrieben, die nothwendige Un- 
terpfand eingesetzt, geschátzt, durch das fürstlichst. 
Oberamt ratifiziert ins Prodicol eingetragen und 
durch den Landammann versigelt werden. 
VIII'** In Betref der Gütter Vergrósserung seyen sie 
nicht abgeneigt, solche mit der Zeit, nach und nach 
wenigstens bis auf... (durchgestrichen) Klafter zu 
vermehren, und dasselbe bey den Theillungen, so 
wie sie itz vorhanden sind belassen wollen: Denn es 
sey in Wahrheit eine Art von Verthilgung eines Bür- 
gers, oder Landmanns, wann man ihn zwinge, Güt- 
ter zu kaufen, wo er doch keinen Kreutzer Gelts hat, 
und ohnehin schon mit Schulden mehr als genug 
belassen sey, oder den andern zum Verkauffen 
zwingt, welcher sein wenig Boden für seine Haushal- 
tung nothwenig hat, so zwar, dass er sich und die 
seinigen zu ohne diesen ohnmöglich vermehren 
kann. 
Diese oben angeführten Punkten in kurzem zu wie- 
derholen, verlangen sie, der gnädigste Landesfürst 
möchte die Güte hegen, und unsere Landschaft bey 
allen denen Rechten und Gerechtigkeiten, so wie er 
solche von den Herren Grafen v. Brandis an sich 
gebracht, und für welches von unsern lieben Vor- 
iltern gehuldigt worden, wie die vorliegenden 
Actenstücke bewisen belassen. 
Zu sagen weiters: wenn die Gesetze, welche der gnà- 
digste Landesfiirst dermahlen uns aufzulegen 
befilcht, nàmlich der Landammann abgeschafft, wo 
selber alle mal die Stüzen und Hälft vom Land seyn 
sollte, wo jede Partey seine Gegenwart, in der Kanz- 
ley gewunschen, und itz niemand mehr ist der für das 
redet, da die Zahl, der Gerichtsmünner vermindert, 
wo sie ôfters fürs Land und Gemeinde Hülf zu leisten 
versprochen, und gethann haben. 
  
Anhang 
Auch wenn jeder Forderende mit seinem Schuldner 
vor Oberamt gehen solte, wo allr Mahl der Tag ver- 
sáumt, und das Geld verzehrt wird. Wann die Strass 
wiederholten neu erbaut werden sollte, wir zu die- 
sem noch das Weggeld bezahlen sollen und gar kei- 
nen Kreutzer vom fremden Weggeld beziehen sollen. 
Wann die Gemeinde Gütter alle nur zu den Háussern 
gestossen werden, ein anderer aber, der kein Haus zu 
kaufen vermag, solle davon ausgeschlossen werden, 
welche schon mehrere Jahre die Lasten getragen, mit 
welchen, die Gemeindsgütter verbunden sind, dann 
zwey Theil Vermógen nach Absterben der Altern 
sammt Haus und ganzer Gemeinde Gütter, nur dem 
altesten Kind, solte zu Theil werden die andern aber 
dem blinden Schicksal gänzlich zu überlassen, Eigen- 
thum und Gemeinheiten, die wir von unsern lieben 
Vorältern ererbt, und welche sie, dem wütenden 
Rheinstrom aus dem Rachen gerissen, und welche 
wir bis dahin noch sie zu erhalten, mit grosser 
Beschwerde alle Tag unsere äusserste Kräften 
anwenden müssen mit Bürger, die selbe nach, und 
nach zu verlassen und hingegen andere und verdiente 
Völcker unser Vatterland können in Besitzt nehmen, 
wir sodann aber arme Bettler können in der Welt her- 
um ihren und nur unser Vatterland mit den lehren 
Gedancken ansehen. 
13. 
Die (alte) Erbfolgeordnung 
  
(JBL 1953) Die alte Erbordnung lässt sich ziemlich 
weit zurückfolgen: 1531 erliess Graf Rudolf von Sulz 
eine Verfügung zum Erbrecht, die aber bereits 1577 
wieder revidiert wurde. Auch diese Ordnung galt 
nur für kurze Zeit; denn um 1600 fand wiederum 
eine eingehende Revision durch einen kaiserlichen 
Notar und einen Rechtsgelehrten statt, und in jener 
Form blieb das Erbrecht im Wesentlichen bis zum 
Jahre 1809. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts machten 
sich in dem alten, dem Landsbrauch einverleibten 
Gewohnheitsrecht verschiedene Mángel empfind- 
lich geltend, so dass noch 1808 eine geringe Abände- 
rung notwendig gewesen war. 
Nachdem Landvogt Schuppler in Vaduz eingezogen 
war, erschien ihm überhaupt die ganze Geschäftsfüh- 
rung im Fürstentum verworren und zeitwidrig. Der 
eifrige Landvogt sah nicht gerne, dass die Handha- 
bung der alten Gewohnheit in den Händen der Rich- 
ter lag, weil dieses Recht «ihrem Eigendunkel am 
zutráglichsten sei. Schuppler wusste, dass er mit der 
Kritik in Wien Beifall fand, hatte doch Georg Hauer 
in seinem Bericht eine neue Erbordnung empfohlen. 
Kurz nach seinem Amtsantritt legte der Landvogt 
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