Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
70
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_70/7/
Naturschutz 7 Die Goldrute verdrängt einheimische Pflanzen aus ihrem Lebensraum, hier am Rheindamm. Mit einem regelmässigen Rückschnitt oder dem Auszupfen einzelner Ruten mit den unterirdischen Rhizomen kann die Gold- rute entfernt werden. Die- se Massnahme muss über mehrere Jahre konsequent durchgeführt werden. 
Staudenknöterich bereits in den 50er bis 70er Jahren erstmals antreffen. Voll- kommen neu und künstlich an diesem Vorgang ist hingegen die Häufigkeit und die immer grösser werdende Distanz, über welche Flora und Fauna verschleppt werden. Die Funktion natürlicher Aus- breitungsbarrieren wird ausser Kraft ge- setzt. Alleine in der Schweiz haben sich bis heute über 400 eingeführte Pflanzenarten in der Natur etabliert, ein Grossteil davon alleine in den letzen drei Jahrzehnten. Gelbe Goldrute statt Blauer Schwertlilie In Naturschutzgebieten und Naturvor- rangflächen, also in Gebieten mit einem hohen Anteil seltener Pflanzen- und Tierarten, stellen Neophyten eine beson- dere Bedrohung für unsere ursprüngliche Artenvielfalt dar. Ganz besonders zeigt sich dies am Beispiel der Kanadischen und Spätblühenden Goldrute. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie in Liechten- stein als Gartenzierpflanzen eingeführt, doch bereits heute haben sie sich im Tal- raum über das ganze Land ausgebreitet. Mehrjährigen pflanzenkundlichen Aufnah- men im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet zufolge, haben sich die beiden Arten in zahlreiche Flächen ausgedehnt und sind weiterhin in Ausdehnung begriffen. Durch die stellenweise Bildung dichter Dominanzbestände verdrängen sie immer mehr die ursprüngliche und bedrohte Flachmoorvegetation. Gesundheitliche Risiken Neben den ökologischen Problemen stel- len einige Neophyten gar ein potenzielles Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Das Aufrechte Traubenkraut, ebenfalls ein Neuankömmling aus Nordamerika, kam bisher nur sporadisch in Liechtenstein vor. Die Pollen lösen starke Allergien und Asth- ma aus. Häufiger anzutreffen und derzeit recht stark in Ausbreitung begriffen ist der Riesenbärenklau. Toxische Reaktionen in den Blättern führen bei Berührung unter Sonneneinstrahlung zu starken Verbren- nungen. In der Vergangenheit wurde der Riesenbärenklau häufig in der Nähe von Bienenstöcken gefunden. Die Vermutung liegt nahe, dass die Pflanze als Bienenwei- de bei uns eingeführt wurde. Und was kann Liechtenstein unternehmen? Viele Neophyten sind heute als fester Bestandteil der Liechtensteinischen Flora anzusehen. Massnahmen zur umfassen- den Bekämpfung eingeführter Arten mit ökologischen, ökonomischen oder gar 
gesundheitsschädigenden Auswirkungen sind in vielen Fällen schlichtweg nicht mehr möglich. An vorderster Stelle aller Bekämpfungsmassnahmen ist deshalb die Frage nach der Sinnhaftigkeit zu nen- nen. Aufgrund dieser Voraussetzungen und einer Abwägung des finanziellen Aufwands mit den zu erreichenden Zielen Ist beispielsweise eine landesweite Bekäm- pfung der Goldrute als wenig sinnvoll zu erachten. Eine Neuansiedlung durch ein- fliegende Pollen dieser weit verbreiteten Art würde Innert kürzester Zeit jegliche Bekämpfungsmassnahme vergebens er- scheinen lassen. Im Gegensatz hierzu kön- nen Massnahmen in Naturschutzgebieten und Naturvorrangflächen durchaus ge- rechtfertigt sein. Immer häufiger erreichen uns Meldungen aus dem nahen Ausland über zwar arbeitsintensive aber durchaus erfolgreiche Bekämpfungsmassnahmen, gerade bei Goldruten in Feuchtgebieten. Zudem könnten im Bereich der gesund- heitsschädigenden und zum Teil noch recht wenig weit verbreiteten Arten Kon- zepte zur Bekämpfung mit verhältnismäs- sig wenig finanziellem Aufwand erfolg- reich durchgeführt werden. Doch die Zeit drängt. Mit der Erarbeitung des Berichtes „Neobiota im Fürstentum Liechtenstein" im Jahr 2006 sind sehr gute Grundlagen geschaffen worden. Nun wäre es an der Zeit, die mit der Unterzeichnung des Über- einkommens über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen im Jahr 1998 ein- gegangene Verantwortung wahrzuneh- men. Im Rahmen eines Aktionsplans sind sinnvolle Massnahmen festzulegen und umzusetzen.
        

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