Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
67
Erscheinungsjahr:
2007
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_67/5/
Klima 5 mange) und Krankheiten. Und Armut erhöht die Verwundbarkeit gegenüber den Aus- wirkungen der globalen Erwärmung. Denn es fehlen die notwendigen Mittel für Gegen- massnahmen. Je geringer die Anpassungs- fähigkeit, desto wahrscheinlicher ist es, dass Flucht oder Migration die einzige noch mögliche Anpassungsstrategie sind. Radikale Energiewende Die Industrieländer als Verursacher dieser Misere sind angesichts des Ausmasses dieser sozialen Katastrophe gefordert: Sie müssen nicht nur aus wirtschaftlichen und ökologi- schen, sondern vor allem auch aus friedens- politischen Gründen die radikale Energiewen- de einleiten. Die Erwärmung des globalen 
Klimas ist nicht mehr aufzuhalten. Wenn sie auf 2 Grad Celsius begrenzt werden soll, muss der Ausstoss der Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent reduziert werden. Im Sinne des — auch in Liechtenstein aner- kannten — Verursacherprinzips müssen Res- sourcen und Mittel für diejenigen Staaten zur Verfügung gestellt werden, welche die bereits heute notwendigen Anpassungslei- stungen nicht aus eigener Kraft schaffen können. Zudem muss die internationale Staatengemeinschaft sich ernsthaft mit dem Thema Umweltflucht auseinandersetzen: Spätestens dann, wenn ganze Inselstaaten im Meer versinken, muss der rechtliche Status von Klimaflüchtlingen geklärt sein. 
Information: www.led.li   Blickwechsel 2007/2 Benzin statt Brot und Tortilla «Biotreibstoffe» sind nicht per se umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel oder Gas. Ihre Herstellung ist ener- gieintensiv und reduziert die Artenviel- falt. Wird die gesamte Ökobilanz betrachtet, ist einzig die energetische Nutzung von Bioabfällen sinnvoll. Trotz Euphorie gilt es, auf Effizienz und Nachhaltigkeit zu setzen. Zwar verursachen einige Treibstoffe aus Bio- masse bei ihrer Verbrennung mehr als einen Drittel weniger Treibhausgase als Benzin oder Diesel. Beim Anbau und bei der Verar- beitung der Rohstoffe wie Mais, Raps oder Soja fallen jedoch andere gravierende Umweltbelastungen an. Diese verschlechtern die ökologische Gesamtbilanz deutlich. Sie reichen von Überdüngung und Versauerung des landwirtschaftlich genutzten Bodens bis hin zum Verlust der Artenvielfalt, etwa durch Rodung von tropischem Regenwald oder intensive Monokulturen. Der Anbau von Rohstoffen für Agrotreibstoffe steht in vielen Regionen der Welt in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Wegen der steigenden Nachfrage haben sich zum Bei- spiel in südamerikanischen Ländern die Preise für das Grundnahrungsmittel Mais ver- vielfacht! 
Damit diese unerwünschten Nebenwirkun- gen ausbleiben, müsste der Anbau für Treib- stoffe extensiv oder mindestens in biologi- scher Produktionsweise erfolgen. Es darf zum Zweck der Treibstoffproduktion kein Regen- wald gerodet werden. Zudem muss gewähr- leistet sein, dass der Anbau sozial verträglich ist. Um die Marktfähigkeit von nachhaltig produzierten Biotreibstoffen zu erhöhen, dür- fen nur sie von der Mineralölsteuer befreit werden. Die energetische Nutzung von Abfall- und Reststoffen schneidet in einer Studie der EMPA gegenüber fossilen Treibstoffen am besten ab. Die hohen Umweltbelastungen aus der Rohstoff-Produktion fallen weg, und gleichzeitig werden die Schadstoffemissionen aus der Abfallbeseitigung reduziert. Ebenfalls gute Ergebnisse zeigt die energetische Nut- zung von Holz, hier sind die Umweltauswir- kungen bei der Bereitstellung des Rohstoffes sehr gering. Aber aufgepasst: Holz kann in einer modernen Feuerungsanlage doppelt so effizient genutzt werden wie in einer Biogas- anlage! Die grosse Herausforderung besteht nun darin, die verfügbare Biomasse so wirk- sam wie möglich in Energie umzuwandeln. Und: Punkto Automobilität gilt einzig die Devise: kleiner, effizienter — weniger. 
Zur Begriffsklärung: «Biotreibstoffe» sind nicht zwingend biologisch pro- duziert. Das Kürzel Bio be- schreibt hier nur, dass diese Treibstoffe aus Biomasse, also aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Korrekt für land- wirtschaftlich produzierte Treibstoffe ist der Begriff « Agrotreibstoffe».
        

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