Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
65
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_65/8/
sie werden instabil. Bereits heute nehmen Extremereignisse wie Hochwasser, Muren, Felsstürze und Erdrutsche zu, auch in Liech- tenstein. Die Ökosysteme werden tiefgrei- fend verändert, denn Pflanzen und Tiere könnten sich einem so rasanten Wandel nicht schnell genug 
anpassen. Schneeabhängige Anpassungsstrategien Mit den wirtschaftlichen Konsequenzen beschäftigt sich heute vornehmlich die Ver- sicherungsbranche. Die Tourismuswirtschaft im Alpenraum hingegen reagiert träge: Wo möglich, werden neue Gebiete in höhe- ren Lagen erschlossen, teilweise mit verhee- renden landschaftlichen und ökologischen Konsequenzen. Gebiete in tieferen Lagen diversifizieren ihr Angebot, konzentrieren sich mehrheitlich aber noch immer auf schneeabhängige Freizeitvergnügen. Der notwendige Schnee wir zunehmend künst- lich erzeugt. Zwischen 1997 und 2002 hat sich die beschneibare Fläche in unseren Nachbarländern  mehr als verdoppelt. In Bayern, wo die Skigebiete auf einer mit Mal- bun vergleichbaren Höhe liegen, nahm sie um 140 Prozent zu. In der Schweiz wurde bis heute mehr als eine halbe Milliarde Franken in die Beschneiung investiert. Alpenweit wächst der Druck auf die öffentliche Hand, sich an der Finanzierung von Beschneiungs- anlagen zu beteiligen. Im Kanton Graubün- den können Beschneiungsanlagen neu über die Wirtschaftsförderung mitfinanziert werden. Bereits werden Forderungen zur Sicherstellung des «Kulturschnees» als Ser- vice-Public-Aufgabe laut. Malbun, wo die öffentliche Hand sich mit über 75 Prozent am neuen Bergbahnenprojekt mit Beschnei- ungsanlage beteiligt, ist kein Sonderfall. Mit dem Unterschied, dass andernorts die Investitionen in künstliche Beschneiung explizit als Massnahmen gegen die Klima- erwärmung deklariert sind. Tatsache ist, dass hier wie andernorts das Klima mit diesen energieintensiven Anlagen noch mehr ange- heizt 
wird. Resolution fordert wirksame Massnahmen In einer Resolution, die an der Tagung verab- schiedet wurde, fordert die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA dazu auf, die Potenziale zur Energieeinsparung zu nutzen. Nötig sind hierzu sowohl 
finanzpolitische 
Kunstschnee bald Service Public? Die Extremereignisse nehmen zu, die Schneesicherheitsgrenze steigt. Die Klimaerwärmung ist nicht mehr aufzu- halten. An der CIPRA-Jahresfachtagung 2006 über die Auswirkungen des Kli- mawandels auf Tourismus und Natur- gefahren in Bad Hindelang (D) wurde Klartext gesprochen: Künstliche Be- schneiung ist hilflose Symptombekämp- fung und eine unrentable Anpassungs- strategie der Tourismuswirtschaft. Malbun ist überall. Die Expertinnen und Experten der Tagung waren sich einig: Einschneidende Folgen wären selbst dann unvermeidlich, wenn alle globalen Klimaschutzziele umgesetzt und verschärft würden. Die Massnahmen, die wir heute ergreifen, werden erst in fünfzig Jah- ren wirksam sein – wenn überhaupt. Das liegt am trägen globalen Klimasystem. Das Treibhausgas CO2zum Beispiel verweilt über 120 Jahre in der Atmosphäre. Die globale Nachfrage nach Energie steigt gemäss Schät- zung der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent. Die Trendwende hin zu erneuerbaren Energieträgern wird gezwun- genermassen kommen – aber zu spät. Katastrophale Szenarien für den Alpenraum Die Klimaforschung prophezeit bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine globale Erwär- mung von bis 5,7 Grad. Jüngst wurde eine Studie veröffentlicht, die von 6 bis 7,7 Grad ausgeht. Zur Illustration, wie sich das Bild der Erde durch eine derartige Temperaturände- rung wandeln kann: Eine durchschnittliche Erwärmung um sechs Grad wäre grösser als der Unterschied zwischen dem Tiefpunkt der letzten Eiszeit und der Gegenwart! Der Alpenraum reagiert besonders sensibel. Die Sommer werden heisser und trockener. Waldbrände, Starkregen, Blitzschläge und Hagelgewitter werden zunehmen. Ende des Jahrhunderts wird jeder zweite oder dritte Sommer ein Hitzesommer sein, wie wir ihn im Jahr 2003 hatten (mit europaweit 34'000 Toten). Die Winter werden milder und nasser, Winterstürme und Starkschneefälle werden zunehmen. Aufgrund der höheren Tempera- turen fallen die Winterniederschläge ver- mehrt als Regen, der schnell abfliesst. Nicht nur die Gletscher schmelzen, sondern auch die ganzjährig gefrorenen Böden 
(Permafrost), 8Klima
        

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