Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
60
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_60/3/
Neu im Vorstand der LGU3Vorstand (rm) An der Mitgliederversammlung am 6. Mai ist Ute Mayer aus Gamprin in den Vorstand der LGU gewählt worden. Sie hat bereits eine «Probezeit» von acht Monatenhintersichunderzählthierüber ihren Hintergrund und ihre Motivation für dieses Engagement. Ute, was reizt dich an der LGU-Vorstandsarbeit? In der ganzen Umweltbewegung zeigt sich eine gewisse Ermüdung, das Thema wird in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen als frü- her. Vor 20, 30 Jahren war die Zeit der grossen Würfe, heute geht es um die Knochenarbeit. Die LGU ist nach wie vor eine extrem wichtige Organisation, und es ist gut, dass sie manchmal unbequem ist. Die Verbesserung der Umwelt- situation bedeutet in erster Linie eine Verbes- serung der Lebensqualität. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen prinzipiell eine positive Einstellung zum Umweltschutz haben. Schwierig wird es erst, wenn die Umweltanlie- gen mit privaten Einzelinteressen konkurrieren und ein Umdenken oder eine Verhaltensände- rung erfordern. Gibt es ein Thema, das dich besonders interessiert? Die Raumplanung ist für die zukünftige Ent- wicklung des Landes eines der wichtigsten Themen. Es geht dabei hauptsächlich um die Gestaltung des knappen Raumes, um Lösungen für den Verkehr und um die Erhaltung der Naturräume. Voraussetzung dafür ist aber eine öffentliche Diskussion über die gemeinsamen Ziele bei der Gestaltung des Lebensraums. Wichtig ist dabei das Bewusstsein, dass das Gesamtinteresse manchmal wichtiger ist als Einzelinteressen. Diese Diskussion ist dringend nötig. Wir können zum Beispiel nicht alle auf die grüne Wiese bauen wollen und gleichzeitig die Zunahme des Verkehrs beklagen. Als diplomierte Geographin bist du seit drei Jahren beim Liechtensteinischen Entwicklungsdienst LED für Projekte inAfrika 
und Öffentlichkeitsarbeit zustän- dig. Welche Zusammenhänge siehst du zwischen Umwelt- und Entwicklungs- problematik? In vielen Entwicklungsländern sind die Umwelt- probleme viel offensichtlicher und lebensbedro- hender. Die Abhängigkeit von der Natur und den natürlichen Grundlagen ist viel unmittel- barer. Zum Beispiel führt der Holzbedarf zu einer übermässigen Abholzung der Wälder, die immer weiter zurückgehen. Mittel für Aus- gleichsmassnahmen, zum Beispiel Schutzmass- nahmen oder Aufforstung, stehen praktisch keine zur Verfügung. So entsteht eine regel- rechte Umweltfalle, aus der die meisten Länder nur schwer rauskommen. Angesichts solcher Probleme betreiben wir hier doch nur mehr Umweltkosme- tik. Nein, ich bin überzeugt, dass wir durch unser Verhalten auch unsere Lebensgrundlagen zer- stören. Dort ist es ein Zuviel an Armut, hier ein Zuviel an Wohlstand. Beides erzeugt Umwelt- probleme. Diese Zustände aufzuheben, darum geht es bei der viel zitierten «nachhaltigen Ent- wicklung». Also geht es auch beim Umweltschutz um das globale Verteilungsproblem? Ja, und zwar geht es nicht einfach um eine Güterverteilung, sondern um die Schaffung einer gleichberechtigten Lebensbasis für alle. Die Gefahren der Globalisierung sind gerade für Entwicklungsländer enorm. Heute betreiben transnationale Unternehmen zum Teil eine neue Art von Kolonialismus. Die Privatisierung der Wasserversorgung zum Beispiel ist für viele Menschen in Entwicklungsländern unzumutbar. Da muss durch staatliche Regulierung ein Rie- gel vorgeschoben werden. Vielen Dank für das Gespräch. Wir freu- en uns auf die Zusammenarbeit!
        

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