Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
56
Erscheinungsjahr:
2002
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_56/9/
9Verkehr 
Eine Replik zur Studie «Kleine Lösung» Ersatzstrasse 
Unterland (Red.) StudentInnen der FH Liechtenstein er- arbeiteten die Studie «Kleine Lösung» Ersatz- strasse 
Unterland. Verkehr aufnehmen? Die gestellte Aufgabe beinhaltete die Forde- rung, dass die Strasse keinen Neuverkehr induzieren darf, sie muss aber die auch in Zu- kunft zu erwartenden hohen Verkehrsmen- gen bewältigen können. Städtebauliche Aspek- te waren bei der Arbeit ein zentral zu berück- sichtigender Punkt. Der Vorschlag erreicht – nach eigener Darstellung – dass Dörfer entlas- tet werden, (neue) Industriequartiere erschlos- sen werden und der Verkehr flüssig abge- wickelt werden kann, ohne Neuverkehr zu induzieren oder gar die Spangenwirkung zwi- schen A13 und A14 zu verstärken. Dies soll durch tiefe Fahrgeschwindigkeiten, schmale Strassen, enge Einbiegeradien in Erschlies- sungsstrassen und durch die Gestaltung der Strasse als öffentlicher Raum erreicht werden. Eine nur lokale Betrachtung ist beim Verkehr verheerend. Die zurückgelegten Strecken von PKW und LKW werden immer länger und immer mehr, die Studie Nachhaltiger Verkehr im oberen Rheintal (NVOR) sagt beim Güter- verkehr ein Wachstum von 38% bis 2020 vor- aus, ohne lenkende Schritte. Diese Verkehrs- ströme können wie Wasserströme betrachtet werden, sie suchen sich immer den einfachsten Weg. Jede Lücke, die geschlossen wird, jede Vergrösserung der Effektivität wird sofort befahren. Der Transitverkehr hat ein grosses Wachstumspotential, die A13 und die A14 bringen ihn nahe an Liechtenstein, der Letze- tunnel vielleicht sogar bis an die Grenze Liech- tensteins in Schaanwald. Verkehrswachstum und Attraktivitäts- steigerung Die Studie geht davon aus, dass der jetzige Verkehr als fixe Grösse gegeben ist und dass ein weiteres Wachstum widerstandslos auf- genommen und abgewickelt werden muss. Die vorgeschlagene Strasse bedeutet – wie der Bau jeder Strasse – ganz klar eine Attraktivitäts- steigerung: Insbesondere der direkte Anschlussan 
die Brücke zur A13 bei Bendern und die ziemlich gerade Linienführung machen die vor- geschlagene Strasse attraktiv, sowohl für den privaten motorisierten Verkehr, wie auch für den Schwerverkehr. Sollte der Letzetunnel gegen alle Widerstände gebaut werden, wird diese Strasse die logische Fortsetzung des Tun- nels durch Liechtenstein.Verkehr belastet durch Lärm und Schadstoffe. Ein Teil der Lärmbelas- tung soll gemäss Studie durch Baumassnahmen von Siedlungen ferngehalten werden. Für Schadstoffe wie Abgase, lungengängiger Fein- staub, Stickoxide, Ozon usw. gibt es keine Schutzmöglichkeiten. Der Spange zwischen A13 und A14 wird ein weiterer Schritt entge- gengekommen. In Zusammenhang mit dem in Vorarlberg forcierten Letzetunnel sind das falsche Signale. Die Spange zwischen A13 und A14 darf weder in Liechtenstein noch sonst wo Tatsache werden. Es geht dabei nicht um Abschiebung von Verantwortung auf andere, sondern darum, den Druck für die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Bahn zu vergrös- sern. Die Idee basiert sehr stark auf der mode- raten Nutzung der Strasse, die durch enge Ein- biegestellen, tiefe Geschwindigkeiten, etc. erreicht werden soll. Die Garantie, dass solche Voraussetzungen eingehalten werden, kann nicht gegeben werden. Ist die Strasse erst ein- mal gebaut und wird sie stark befahren, was voraussehbar ist, steht die Forderung sie effizi- enter zu gestalten sehr schnell im Raum. Alternative Lösungen Für die Verkehrsproblematik müssen Lösungen gefunden werden. Es müssen jedoch Energien und finanzielle Mittel in Alternativen investiert werden, statt vorhandene Probleme zu zemen- tieren und zu verschärfen.Im Bereich Personen- verkehr ist das ganz klar ein attraktives öffent- liches Verkehrsmittel, wie beispielsweise ein Tram. Dieses muss sowohl gut angeschlossen sein an das überregionale Netz (Feldkirch, Buchs, Sargans), als auch grenzübergreifend geplant und gebaut werden. Ähnliches gilt für den Schwerverkehr/Transportverkehr. Er muss dringend auf die Schiene verlagert werden. Attraktive Verlademöglichkeiten müssen im Rheintal gemeinsam zur Verfügung gestellt werden, Lenkungsmassnahmen müssen ergrif- fen 
werden. 
Kleinvieh macht auch viel Mist«Die klassische Verkehrsplanung verhält sich weniger intelligent als eine Klospülung. Klospülungen funktionieren nach dem Prinzip, dass über einen Schwimmer der Zufluss reguliert wird, indem ein Hebelarm und ein Ventil einen Ge- gendruck erzeugen, der den Zu- fluss sperrt, sobald der Tank voll ist. Das heisst, das System ist so intelligent, dass es weiss, wenn im Tank genug Wasser ist und sich nicht an der Nachfrage des Zuflusses orientiert. Das klassi- sche Verkehrswesen hingegen identifiziert sich mit den Bedürfnis- sen der Wassermoleküle und orientiert sich am Durchfluss. Steigt der Bedarf oder gibt es gar Rückstau, dann wird ein grös- seres Rohr eingebaut.» Hermann Knoflacher, 2001 Stehzeuge – Der Stau ist kein Ver- kehrsproblem, Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag (S. 162) 
[Bildquelle: 
Alpeninitiative]Gefährliche Lückenschlüsse
        

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