Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
54
Erscheinungsjahr:
2002
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_54/9/
9Interview 
mit interaktivem Theater zum Thema Kommu- nikation und Konflikt. Entlang dem Naryn Fluss wird eine Reportage über Wasser und Wasser- probleme, die Veränderungen der letzten Jahre und politische Einflüsse auf die Wassernutzung gemacht, welche dann in Form einer Photoaus- stellung in allen drei Ländern gezeigt wird. Bitte sage etwas über das Land Kirgistan und die wichtigsten 
Probleme Grob geht es darum, nach dem Zerfall der Sowjetunion neue Wege in der Politik, der Gesetzgebung und für Einkommen und Arbeit der Bevölkerung zu finden. Die Wirtschaft muss umstrukturiert werden. In der Sowjetzeit wur- den riesige zentralistisch organisierte Infrastruk- turen aufgebaut. Die Wirtschaften der einzel- nen Länder waren Teil des gesamtsowjetischen Wirtschaftssystems. Die Infrastrukturen können heute jedoch finanziell nicht mehr aufrecht- erhalten werden. Das gilt für Energie, im spezi- ellen Elektrizität, Strassen und Industrien. Die alten politischen Strukturen bestehen teil- weise noch, sind aber oft ausgehöhlt und sehr undurchsichtig. Korruption ist ein Problem. Demokratische und rechtsstaatliche Grundsätze sind sehr schwach. Liberalisierung, Deregulie- rung und Privatisierung haben hohe Arbeits- losigkeit gebracht und den grössten Teil der Bevölkerung zur Subsistenzwirtschaft zurück- gebracht. Manchmal wird uns hier vorgeworfen, es seien Luxusprobleme, die wir hier haben und der hiesige Umweltschutz sei «l’art pour l’art». Wie beurteilst Du dies jetzt auch im Vergleich zu Kirgistan? Hat Kirgistan noch diese ganz offensichtlichen 
Umweltprobleme? In Liechtenstein scheint auf den ersten Blick alles in Ordnung und «sauber». Es gibt Rauch- gaswaschanlagen, ARA’s, Katalysatoren usw., die das ermöglichen. Es ist jedoch ganz klar, dass wir einen riesigen Verbrauch an Ressour- cen und Umweltraum haben. Wir zerstören im grossen Stil Biodiversität. Unser Verbrauch muss, wenn wir von einer nachhaltigen Ent- wicklung der ganzen Welt reden wollen, stark reduziert werden, da wir seit Jahrzehnten auf Kosten von ärmeren Ländern Energie und Roh- stoffe verbrauchen. In Kirgistan sind die Um- weltprobleme viel sichtbarer. Alte Autos, die in Flüssen liegen, Industrieruinen, Panzer, die verrosten. Es gibt sehr viele Atommülllager. Für die meisten Leute ist das kein Thema. Das Kraftwerk in Bishkek läuft heute ohne Rauch- gas-Filter – den es zur Sowjetzeit noch gab.Insgesamt 
haben die Menschen aber vor allem auf dem Land einen viel tieferen Umweltver- brauch. Sie bewegen sich wenig mit dem Auto, produzieren weniger Abfall, machen kaum Einkäufe in Supermärkten, sie verwenden Klei- der nicht als Verbrauchsgüter, machen keine Ferien per Flugzeug. Wie siehst Du die Arbeit und den Sinn der LGU, jetzt, mit ein wenig 
Distanz? Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass sich der Einsatz der LGU, das heisst in Liechtenstein und generell Mitteleuropa lohnt und mehr noch in höchstem Masse wichtig ist. Ziel muss sein, den Umweltverbrauch zu reduzieren und letzte natürliche Flächen zu schützen. Gibt es zwischen Deiner jetzigen Arbeit in Kir- gistan und der vorhergehenden Arbeit bei der LGU Parallelen? Was ist ganz anders bei Dei- ner jetzigen 
Arbeit? Es gibt sehr viele Parallelen. Die gleiche Grund- satzfrage stellt sich: Wie kann man Anliegen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung bearbei- ten? Die Gefahr schien mir eher, die Differenzen nicht genügend klar wahrnehmen zu können und zu viel Erfahrungen von hier eins zu eins auf Kirgistan anzuwenden. Ganz anders ist meine Rolle hier. Die Arbeit ist weniger politisch, sondern noch viel mehr als in Liech- tenstein eine Zusammenarbeit mit der Bevölke- rung. Es kommt noch stärker auf meine Auf- merksamkeit an, denn durch interkulturelle Unterschiede ist es immer wieder so, dass man denkt, man meine und höre das gleiche und später merkt man, dass dem nicht so war. Was kannst Du von der anderen Kultur lernen? Was mich sehr begeistert ist die grosse Kreati- vität mit Situationen umzugehen. Ein grosses Improvisationstalent kann ich beobachten. Oft funktioniert es einfach. Natürlich läuft nicht alles perfekt. Aber diese Art zu arbeiten – weniger zu planen – funktioniert auch und zwar oft über Netzwerke. Da kennt jemand an ein paar Orten jemanden und schon ist z.B. die Jurte mitten in Bishkek aufgestellt und für zwei Wochen von Studenten betreut. Die Lebensfreude, Gelassenheit und Herz- lichkeit haben mich sehr beeindruckt und ein- genommen. Es ist sehr viel ungekünsteltes und Unberechnetes in den Handlungen und Kontakten. Viele Leute geben einfach – beispielweise ein echtes, offenes Lachen.Informationen 
Mehr über CAMP auf: www.camp.kg Über das Centre for Developement and Environment: www.cde.unibern.ch Über die DEZA: www.deza.admin.ch 
CAMP unterstützt die Dorfentwicklung in Kirgistan
        

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