Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
50
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_50/5/
5Interview 
Fliessgewässer haben im besiedelten Gebiet zu wenig Platz. Wir können das Gerinne des Kanals nicht weiter ausbauen, was uns dazu zwingt Wasser nicht mehr nur abzuleiten, sondern auch in Retentions- räumen zurückzuhalten. Zum Vergleich: der Kanal in Vaduz (r.) und in Ruggell 
(l.). 
fluter. Am 6. August 2000 stand das Wasser in Triesen bei der Brücke (beim Schmedaweg) knapp an. Die unterschiedliche Wirkung ent- stand demnach aufgrund der meteorologischen Situation. Der Klimawandel beeinflusst die Hochwasserereignisse Das vergangene Ereignis im Wallis wurde in der Schweiz von verschiedenen Seiten in Zusam- menhang mit dem sich abzeichnenden Klima- wandel gebracht. In Bezug auf die Hochwas- sersituation in England wurde ebenfalls offiziell bekannt gegeben, dass England in Folge des Klimawandels vermehrt mit Hochwassern zu rechnen habe. Von der Forschung werden diese Veränderun- gen des Klimas und dessen Einfluss auf Natur- ereignisse nicht mehr in Frage gestellt. Für Liechtenstein könnten ähnliche Interpre- tationen naheliegend sein. Schutzstrategie: Empfehlungen für die Raumplanung Liechtenstein hat für den Schutz gegen Rüfen, was technische Verbauungen anbelangt, in den letzten 50 Jahren enorme Anstrengungen unternommen. Es wurden Schutzbauten im Wert von über 100 Millionen Franken errichtet. Mit einer optimierten Verbauung kann ein Teil der Probleme gelöst werden. Gleichzeitig führ- ten die technischen Verbauungen aber auch dazu, dass wir begannen Gebiete zu besiedeln, welche vorher tabu waren, jetzt aber über diese Verbautätigkeit einen gewissen Sicher- heitsstandard erreichten. Nicht vergessen wer- den darf dabei, dass die technischen Bauwerke auf eine gewisse Grössenordnung berechnet sind und sie wenn diese überschritten wird, keinen 100%igen Schutz mehr bieten können. Das Problem von technischen Bauwerken ist auch, dass sie unter dem Ereignis Schaden lei- den und ausfallen können. Vermutlich das grösste Fragezeichen hinter der technischen Verbauung ist jedoch die riesige Hypothek. Diese Bauwerke müssen permanent unterhal- ten werden (siehe Badtobel: 1 Millionen für das letzte Ereignis). Der vorhan- dene Schutzstatus lässt sich nur über Geld erhalten. Von dem her gesehen ist dieser Schutzstatus ein temporärer Zustand, der bei fehlenden Investitionen wieder abnimmt. Die Grenzen des technischen Schutzes müssen in raumplanerischen Vorkehrungen Ausdruck finden. 1995 begann Liechtenstein deshalb mitder 
landesweiten Gefahrenkartierung. Anfangs nächstes Jahr ist diese Gefahrenkartierung für sämtliche Gemeinden abgeschlossen. Die Gemeinden sind aufgrund des Waldgesetzes verpflichtet die Resultate in ihren Zonen- planungen zu integrieren. Das heisst einerseits, dass gewisse Gebiete sinnvollerweise von einer Überbauung freizuhalten sind und andererseits, dass Gefahren in Form von Bauauflagen (bspw. verstärkte Rückwände bei Steinschlag, erhöhte Lichtschächte bei Wasser, etc.) berücksichtigt werden müssen. Bei den beiden letzten Niederschlagsereignissen steht das Problem des Vorfluters «Binnenkanal» im Zentrum. Mit technischen Massnahmen ist dieses langfristig nicht lösbar. Hier führt die Strategie zwangsläufig zur Ausscheidung von sogenannten Hochwasserretentionsräumen. Diese sollen bei ausserordentlichen Ereignissen Wasser im grossen Stil zurückhalten. Das verlangt eine Abstimmung in der Flächenwid- mung (Bspw. Freiräume, Nutzungsüberlage- rungen). Hochwasserschutz muss Thema einer künftigen Landesrichtplanung sein. Photo: 
Tiefbauamt 
VaduzPhoto: Tiefbauamt Vaduz
        

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