Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
49
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_49/7/
7Interview 
Schalenwildbestände erfordern eine Regulation durch eine sachgemässe Bejagung. Zweifellos hätte der Luchs aber positive Wirkungen sowohl auf das Schalenwild selbst als auch auf seinen Waldlebensraum. So wäre einerseits zu erwarten, dass der Luchs die Sinne des Schalenwildes, welche durch das Fehlen des Grossraubwildes nicht mehr in gleichem Masse gefordert wurden, wieder schärft und andere Verhaltensweisen fördert. Andererseits ist davon auszugehen, dass beim Vorhandensein des Luchses vom Wild andere Raumvertei- lungsmuster gewählt werden. Das Wild verteilt sich dabei viel stärker auf Kleingruppen über die ganze verfügbare Fläche, was als Neben- erscheinung zur Folge hat, dass in der Regel auch die Verbisseinwirkungen des Schalenwil- des weniger massiert anfallen und dementspre- chend weniger als Schaden zu beurteilen 
sind. 4.In den Kantonen begleiten teilweise regio- nale Gruppen von Direktbetroffenen (Schaf- halter, Naturschützer, Jägerschaft, Forstwirt- schaft etc.) die Wiederansiedlung des Luchses. Ist auch in Liechtenstein gedacht, eine solche Gruppe zu bilden oder werden die Direktbetroffenen aus Liechtenstein einer angrenzenden Gruppe angeschlossen? Erst wenn Luchsaussetzungen im Dreiländer- dreieck Graubünden/Vorarlberg/Liechtenstein konkret zur Diskussion stehen, wird diese Frage aktuell. Selbstverständlich ist aber, dass dann im Interesse des Luchses ein frühzeitiger Einbezug aller Direktbetroffenen erfolgt. Momentan ist eine offene, vorurteilslose und nicht allein an vordergründigem Nützlichkeits- denken orientierte Information über den Luchs und eine gewissenhafte Beobachtung seiner Bestandesausbreitung 
wichtig. 5.In der Schweiz ist eine entsprechende Abän- derung der Jagdverordnung geplant, damit die Kantone selber beschliessen können einzelne Luchse abzuschiessen, wenn diese untragbare Schäden verursachen. Dies war eine Bedingung, welche das Konzept Luchs in der Schweiz überhaupt ermöglichte. Welche Regelungen sind in Liechtenstein vorgesehen? Die Frage ist aufgrund der obigen Ausführun- gen sehr theoretisch. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass ein Luchs in Liechten- stein untragbare Schäden verursachen kann, da gerade der Schafhaltung in unserem Land allein schon aufgrund der sehr beschränktengeeigneten 
Schafalpungsflächen keine grosse Bedeutung beizumessen ist. Letztlich geht es bei dieser Frage um eine Wertehaltung und Werteabwägung, in welcher der Luchs auf- grund seines Gefährdungsgrades und aufgrund unserer ethischen Verpflichtung, seltene Arten zu schützen, äusserst gute Karten haben müss- te. Falls doch einmal durch Luchse untragbare Schäden verursacht werden sollten, hat die Regierung durch das Jagdgesetz die Möglich- keit geeignete Massnahmen anzuordnen, wobei unter diesen Massnahmen der Abschuss mit Sicherheit nicht an erster Stelle stehen kann. 6.In der Schweiz werden Schafe, die laut Gutachten des Wildhüters durch einen Luchs gerissen wurden, von Bund und Kanton vollumfänglich vergütet. Werden zukünftig solche Fälle in Liechtensteins ebenfalls vom Land übernommen? Unter gewissen Umständen könnte ich mir ein ähnliches Vorgehen 
vorstellen. 7.Wie stehen die JägerInnen aus Liechtenstein dem näher rückenden Wolf und speziell dem Luchs gegenüber? Abwartend und grundsätzlich offen! Ein wesentliches Ziel der Hege ist es ja, einen artenreichen, zahlenmässig ausgewogen zusam- mengesetzten, gesunden und mit seinem Lebensraum im Gleichgewicht stehenden Wild- bestand zu fördern – und der Luchs ist wie auch der Wolf oder der Bär ein Glied in dieser 
Kette. Wir danken für das Gespräch! Pro Natura RaubZug, die rollende Ausstellung zu Luchs, Wolf und Bär Für einmal sind Luchs, Wolf und Bär mit der Bahn unterwegs. In vier stim- mungsvoll eingerichteten Wagen des Pro Natur «RaubZugs» stellen sie sich gleich selbst vor und erlauben Besucherinnen und Besuchern einen spannen- den kurzweiligen Einblick in ihr sonst so heimliches Treiben. Zahlreiche spiele- rische Elemente machen die bilderreiche Präsentation vor allem für Kinder und Jugendliche zu einem faszinierenden und informativen Erlebnis. Der RaubZug ist vom 31. Oktober bis am 6. November 2000 in Chur und vom 7. bis 13. November 2000 in Flums stationiert. Wer ihn gerne besichtigen möchte, kann sich unter der Nummer 061/317 92 55 und ab 24. Oktober 2000 unter 079/329 92 59 erkundigen und anmelden.
        

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