Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_47/8/
Ein Beitrag von Marion Nitsch Die Herkunft des Basmati ist der Himalaya Die Kritik der indischen und pakistanischen Bauern bezieht sich nicht auf die Weiterkreu- zung ihrer Reissorte an sich, sondern in erster Linie darauf, dass für diesen amerikanischen, mit dem Basmati verwandten, Reis in den USA ein Patent mit der Produktbezeichnung Basmati vergeben wurde. Basmati nennt sich nämlich der über Jahrhun- derte von den Bauern Indiens und Pakistans gezüchtete Reis. Er zeichnet sich durch klare Qualitätsmerkmale aus, die ihn unverkennbar mit der Herkunft Indiens oder Pakistans verbin- det. Die Bezeichnung Basmati für den amerika- nischen Reis ist damit für den Konsumenten irreführend. In Grossbritannien und Griechen- land wird nur der «echte» Basmati aus den Himalayaregionen unter dieser Produktbezeich- nung anerkannt. Sogar die Firma Uncle Ben’s verkauft unter diesem Namen nur jenen Reis, welcher in diesen Ländern angebaut wird. Auch in Europa wurde die Diskussion um die Her- kunftsbezeichnung von «Champagner» sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Rechtspre- chung zur Genüge geführt, mit dem Ergebnis, dass den Namen «Champagner» nur Produkte aus dieser Herkunftsregion tragen dürfen. Was aber anscheinend in Europa für den Champa- gner nur Recht ist, muss es in Amerika für den Basmati noch lange nicht sein. Das Selbstver- ständnis für eine solche Geschäftspraxis zwi-schen 
den Industriestaaten scheint demnach ein anderes zu sein als mit den Ländern des Südens. Genbanken zum Schutz der traditionellen Kulturpflanze Das Keimplasma, welches von der Firma Rice- Tec zur Kreuzung mit amerikanischen Reissor- ten verwendet wurde, kommt aus der Genbank des internationalen Reisforschungsinstitutes (IRRI). Vom IRRI wurde unter anderem eine weltweite Kampagne gestartet, um die unge- fähr hunderttausend in Asien und Afrika ange- bauten Sorten zusammenzustellen und in Gen- banken aufzubewahren. Es sollte damit ein Ressourcenpool aller traditionellen Reispflanzen den Reiszüchtern in aller Welt für die Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Eine Kopie dieser Sammlung wurde in der amerikanischen Samenbank in Fort Collins aufbewahrt, woraus auch die RiceTec ihr Keimplasma bezogen hat. Monopolisierung durch Patente Eine kürzlich vom Internationalen Forschungs- institut für Ernährungspolitik in Washington herausgebrachte Studie schätzt den Wert des Genmaterials, der den amerikanischen Reis- pflanzern seit 1970 durch die IRRI-Genbanken zur Verfügung gestellt wurde, auf weit über eine Milliarde Dollar. Die asiatischen und afri- kanischen Reisbauern wurden aber an diesen Profiten nie beteiligt, sondern haben ihr Saat- gut unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Als Dank wird nun Genmaterial aus ihrem Saatgut monopolisiert, um anschliessend mit hohen Gewinnen für die Industrienationen wieder in die Länder des Südens rückimportiert zu wer- den. Die Idee, durch den freien Zugriff auf Genressourcen das Überleben der Menschheit zu sichern, verkommt damit zum Kassenschla- ger der westlichen Forschungsindustrie. Der Kampf gegen Patente ist eine Kostenfrage Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Anfechtung des Patentes von Seiten Indiens und Pakistans der richtige Weg ist. Frau Dr. Suman Sahai, Geschäftsführerin der indischen Nichtregierungsorganisation «Gene Campaign» und Lehrbeauftragte für Genetik an der 
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sind eine heisse Sache – der Fall Basmati Basmati nennt sich der bekannte Langkornreis aus Indien und Pakistan, Basmati nennt ihn auch die Firma RiceTec, welche ihren Reis aber nicht an den schattigen Hängen des Himalaya, sondern in den endlosen Weiten der USA anbaut. Gegen die Benennung des amerikanischen Reises mit dem Namen Basmati und gegen die Patentierung dieser Reissorte richtet sich der Pro- test indischer und pakistanischer Bauern, welcher von der LGU, der Erklärung von Bern (EvB) und der kanadischen Rural Advan- cement Foundation International (RAFI) unterstützt wird. Was hat das Ganze mit Liechtenstein zu tun, könnte man sich fragen. Die Antwort liegt am Fusse des «Drei Schwestern Massivs», genauer gesagt im Schloss Vaduz. Dort lebt der Besitzer und Verwaltungsratvorsitzende der RiceTec AG, Fürst Hans-Adam II von und zu Liechtenstein.
        

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