Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
44
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_44/14/
«Qualität im Tourismus» 2.Bergeller Gespräche Ein Beitrag von Jürgen DeubleEin nachhaltiger Alpentourismus ist kein reines Wunschdenken «Für den anspruchsvoller werdenden Gast ist besonders wichtig, dass das gesamte Leistungs- bündel am Ort aufeinander abgestimmt ist.» Verschiedene Modelle zeigen, hier am Beispiel der Mobilität, dass integrativer Tourismus mög- lich ist: Ein sanfter Tourismus bezieht dabei die Anreise mit ein. Damit ist nicht gemeint, dass der Gast «mit dem Auto ins Gratisparkhaus vor dem Ferienort» fährt, sondern dass er die gesamte Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch- führt. Um dies für den Gast attraktiv zu gestal- ten, muss die Anreise mit öffentlichen Ver- kehrsmitteln so komfortabel als möglich sein und mit weiteren Anreizen verbunden werden (günstigere Nächtigungspreise bei autofreier Anreise, Kombitickets Zug-Skilift...). Eine ange- nehme Anreise allein genügt aber nicht. Auch am Urlaubsort muss die Infrastruktur den Bedürfnissen des «autofreien Gastes» angepas- st werden (Anrufsammeltaxi, Mietangebote verbessern, etc.). In der Tourismusgemeinde Werfenweng im Salzburger Land wird bewusst auf dieses Kun- densegment eingegangen und im Zuge eines, vom Staat subventionierten ,Modellprojektes dem Gast ein entsprechendes Angebot gemacht. In Waldkirch im Schwarzwald ist mit dem Kon- zept «Sanfte Ferien in Waldkirch» durch eine Vielzahl von Anreizen (kostenloses ÖPNV- Ticket für die Region, attraktives Angebot an Ferienkursen, günstige Übernachtungsmöglich- keiten, etc.) unter anderem erreicht worden, dass 70% der Gäste mit öffentlichen Verkehrs- mitteln anreisen. 
«Der Bergtourismus muss authentischer werden und die Bedürf- nisse der ansässigen Bevölkerung berücksichtigen. Die natürli- chen und kulturellen Einzigartigkeiten wurden im Alpenraum bisher geschickt zu Tourismuszwecken genutzt. Mehr und mehr werden aber diese historischen Werte preisgegeben. Eine Rück- besinnung auf regionale Spezialitäten, die selbstbewusst dem Gast angeboten werden, ist angezeigt. Damit sich keine Touris- musverdrossenheit breit macht, müssen zudem die Bedürfnisse der Bevölkerung im Entwicklungsprozess berücksichtigt werden.»1 Qualität ist in einem nachhaltigen Alpentou- rismus wichtiger denn je. Darüber waren sich die über 50 Interessier- ten und Referenten aus Umweltschutzorganisa- tionen, Forschung und Tourismusbranche einig, als sie sich vom 6. – 8. 11. 1998 im Salecina zur Tagung «Qualität im Tourismus» trafen.Nachhaltigkeit 
und Qualität – zwei Synonyme! Qualität ist heute in einem nachhaltigen Alpen- tourismus wichtiger denn je, wobei Tourismus- qualität heute nicht mehr mit Beherbergungs- qualität gleichzusetzen ist, da der Gast das gesamte Urlaubspaket von der An- bis zur Abreise als Erlebnis verbuchen will. Es wurde in den  Diskussionen klar, dass ein umfassendes Qualitätsmanagement im Tourismus nur dann ein wirkungsvoller Ansatz zum Schutz der Um- welt sein kann, wenn die natürliche und soziale Umwelt als zentrale Qualitätsaspekte mitein bezogen werden. Bei vielen Qualitätszertifizie- rungen, so auch beim Gütesiegel für den Schweizer Tourismus ist dies jedoch noch nicht in ausreichendem Masse der Fall. Es besteht Handlungsbedarf. 
Tagung 141Alpenreport: Hansruedi Müller, Professor und Direktor des Forschungs- instituts für Freizeit und Tourismus (FIF) in Bern, S. 228f
        

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