Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_40/8/
CIPRA-Konferenz in Bovec, Slowenien Tagung Das Thema der diesjährigen CIPRA Jahresfachtagung war auf die Möglich- keiten der Gemeinden konzentriert eine nachhaltige Entwicklung anzustre- ben. Einen sehr provokativen Ansatz bot die Professorin und Landschafts- planerin Gerda Schneider, die dem Be- griff Nachhaltigkeit und der damit ver- bundenen politischen Prozedur Ver- schleierung und Untauglichkeit vor- warf. Sie propagiert vielmehr starke au- tonome BürgerInneninitiativen an Ort und Stelle sowie auch starke autonome Gemeinden. Sie setzt das ganze Ge- wicht einer sinnvollen Entwicklung von Alpengemeinden auf die Subsistenz- produktion. Die Globalisierung der nachhaltigen Entwicklung entmündige die Leute mit ihren lokalen Interessen vor Ort und auch die Gemeinden. In die- sem Zusammenhang vertritt sie auch die Auffassung, dass die unterschiedlichen Le- bens- und Wirt- schaftsräume in den Alpen auch unter- schiedliche Entwick- lungen erfordern. Die überall und immer ge- forderte Industriali- sierung bedeutet für sie keine nachhaltige Entwicklung. Die Alpen sollen im Vergleich mit der in- dustrialisierteren Tiefebene nicht zum «Pflegefall» gemacht werden, sondern ent- sprechend ihren Mög- lichkeiten entwickelt werden. Sie wertet die Alpen nicht als «strukturschwach», sondern reich an Strukturen und Sub- sistenzproduktion. «Das ist nicht der Nachteil der Alpen, sondern das Ei- gentliche, das Eigene, das die Lebens- perspektive enthält».' Sie plädiert dafür, dass die Gemeinden ihre Subsistenz- mittel wieder selber in die Hand neh- men, eigenständiger werden und damit unabhängiger von der Globalisierung und von übergeordneten Konzepten. Nur so meint sie, seien die Alpen im heutigen wirtschaftlichen Kontext überlebensfähig. «Nur eine Lebensphi- losophie, die auf  in seinem Reichtum orientiert ist, ist die dau- ernde Grundlage für  (Werlhof, 1991). Dazu die Vorausset- zungen zu bewahren bzw. herzustellen ist gleichzeitig dauernde Aufgabe und Grundlage der Kommune».' Resolutionen In der Delegiertenversammlung der CIPRA wurden zwei wichtige Resolu- tionen einstimmig verabschiedet. Die eine hat durch den internationalen Transittag vom 4. Oktober 1997 an Be- kanntheit gewonnen. Sie betrifft ein all- gemeines Nachtfahrverbot für LKW's in den Alpen. Diese Forderung steht im Einklang mit der Alpenkonvention und stützt sich auf die Aussage der Weltge- sundheitsorganisation WHO, dass Menschen nachts einer Lärmbelastung von höchstens 55 dB(A) ausgesetzt sein dürfen, entlang den Transitachsen wird dieser Wert fast überall überschritten. In der Schweiz ist seit 1934 ein generel- les Nachtfahrverbot in Kraft und hat für die Wirtschaft keine besonderen Nachteile nach sich gezogen. Die zweite Resolution betrifft ein allgemei- nes Verbot von Helikopterflügen zu touristischen Zwecken in den Alpen. Helikopterflüge verursachen grosse Lärmimmissionen, die schwerwiegende Auswirkungen auf Wildtiere haben und eine erhebliche Belästigung-  für die Menschen darstellen. Deshalb sollen Helikopterflüge auf das dringend Not- wendige beschränkt werden. Die Mehr- heit der Flüge dient aber touristischen Zwecken. Um wenige Passagiere zu einem hoch gelegenen Ziel zu bringen, 
ist eine ganze Talschaft gezwungen, stundenlang Helikopterlärm zu ertra- gen — und oft sind es gerade auch Touri- sten, die sich darüber beschweren. Der wirtschaftliche Aspekt des Helitouris- mus ist unbedeutend. Gründung Gemeindenetzwerk «Allianz in den Alpen» An dieser CIPRA Tagung wurde auch der Verein «Allianz in den Alpen» ge- gründet. Das Gemeindenetzwerk hat sich nach einer Pilotphase von 18 Mo- naten konstituiert, in denen die 27 Pi- lotgemeinden Erfahrungen mit der Umsetzung einer nachhaltigen Ent- wicklung auf Gemeindeebene sammel-, ten. Das Mittel dazu ist ein Oeko-Audit für Gemeinden, mit Hilfe dessen Richt- linien für die Umweltpolitik, ein Um- weltprogramm für die nächsten Jahre und ein Umweltmanagementsystem er- arbeitet werden. Der Austausch unter den Gemeinden ermöglicht es aus Er- folgen und Fehlern anderer Gemeinden zu lernen. Aus Liechtenstein nahm seit Anfang des Projektes die Gemeinde Schaan am Gemeindenetzwerk teil und ist heute Gründungsmitglied des Ver- eins. Hansjakob Falk ist Vertreter Liechtensteins im Vorstand. Ab jetzt ist es für alle Gemeinden Liechtensteins möglich dem Gemeindenetzwerk bei- zutreten. Für Fragen wenden Sie sich bitte an CIPRA Liechtenstein, Im Bret- scha 22, 9494 Schaan, Tel. 232 52 62.
        

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