Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_40/7/
Die Welt im Sonderangebot - und der Alpentourismus? Gespräche zum integrativen Tourismus 1. Bergeller Gespräche Zu diesem Thema diskutierten vom 8.-11. Mai 1997 rund 24 Reise- und Umweltfachleute aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz im Bildungs- und Ferienzen- trum Salecina (Maloja/Schweiz). Mit- 'getragen wurden diese 1. Bergeller Ge- spräche zum Sanften Tourismus vom Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (Basel) und dem Institut für Integrati- ven Tourismus und Freizeitforschung (Wien). Im Vergleich von Nah- und Ferntouris- mus wird deutlich, dass der Ferntouris- mus zu den aktuellen Preisen nur auf Kosten der Umwelt und der Menschen in den Zielgebieten funktionieren kann. Alternativen zu Fernreisen bietet für unsere Region der Alpentourismus. Aber auch in den Alpen basiert der Tourismus oft auf der Ausbeutung der Natur und Lebensgrundlagen der Men- schen. Strategien für einen zukunftsfähigen Tourismus bedeuten vorerst die Ver- meidung von Flugverkehr, und damit die Attraktivierung eines möglichst an- gepassten Nahurlaubes. Elementar für die inhaltliche Diskus- sion ist es, jeweils vom spezifischen Po- tential der betrachteten Region auszu- gehen. Jede Region braucht ihr eigenes Konzept, bei dessen Entwicklung die Mitbestimmung der einheimischen Be- völkerung im Mittelpunkt steht. Grundsätze, die in jedem Konzept gel- ten sollen, sind die nachhaltige Nut- zung der lokalen Ressourcen (Kultur und Natur), die gerechte Verteilung der erwirtschafteten Erträge und gerechte Arbeitsbedingungen  für Frauen und Männer im Tourismus. 
Die Geschäftsführerin nahm an dieser Tagung teil und ist als Vertreterin der LGU an der Organisation einer Folge- tagung beteiligt. Nach den drei Tagen im Mai kamen die Organisatorinnen zum Schluss, dass das Thema sehr breit angegangen wurde, eine Vertiefung deshalb schwierig war und auch, dass unter den Teilnehmerinnen sehr unter- schiedliche Vorstellungen über Inhalte von Begriffen und auch über Zielrich- tungen von zukunftsfähigem Tourismus bestehen. Dies veranlasste den Ent- schluss eine Folgetagung zu organisie- ren, an der die stillgestandene theoreti- sche Diskussion des Tourismus wieder- aufgenommen werden und eine Neu- orientierung der kritischen Akteure stattfinden soll. 1. Grabser Palaver Diese Folgetagung fand vom 22.-24. August statt und wurde von der LGU finanziell unterstützt. Teilnehmerinnen waren rund 15 ausgewählte Tourismus- und Reiseexpertlnnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liech- tenstein. Sie suchten neue Visionen, unabhängig von den derzeitigen politi- schen und wirtschaftlichen Rahmenbe- dingungen. Dieter Kramer der ein Im- pulsreferat hielt zeigte eindrücklich die Spezialitäten der Alpen auf. Die Echt- heit der Alpen sieht er als die Chance an, im globalen Tourismus zu bestehen. Die Alpen müssen in ihrer Zielrichtung von der touristischen Monokultur weg- kommen. Nur souveräne Gastgeber können seiner Meinung nach überleben 
und aus diesem Grund verlangt er von ihnen eine «Neinsagerkompetenz». Doch um nein sagen zu können, sind Ressourcen notwendig und von denen sagt er, sie seien gerade in den Alpen vorhanden. In seiner Grundtendenz ist sein Referat vergleichbar mit den Aus- sagen von Gerda Schneider. Auch er setzt auf die Spielräume in der Region, auf die Eigenheiten, auf Qualität und differenzierte Strategien. Er spricht sich für einen Mix von Modernität und Flexibilität aus (Bspw. ein Computer im Kuhstall). Auch er spricht sich für das Leben in all seiner Vielfalt aus — Ar- beitsplätze (auch im Tourismus) bezeichnet  er als «Lebensplätze». Ein Mix der Arbeitsbereiche soll angestrebt werden, Nachbarschaftshilfe nicht kri- minalisiert. Unter fachkundiger Moderation ver- suchten die Anwesenden eine neue Zielrichtung und neue Strategien für tourismuskritische Akteure zu erarbei- ten. Die Tourismuskritik steckt eindeu- tig in einer Krise. Unterschiedliche An- sätze sollen den Dialog unter den kriti- schen Tourismusfachleuten wieder ver- stärken. Dazu kann der Prozess für die Erstellung eines Leitbildes dienen oder auch eine Internetseite, die unter ande- rem Diskussionsforen enthält und an- sonsten offen zugänglich ist. Diese In- ternetseite wird momentan vom Insti- tut für integrativen Tourismus IITF in Wien vorbereitet. Die Resultate der Maitagung werden zusammen mit den Resultaten der Au- gusttagung publiziert.
        

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