Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
40
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_40/3/
Ein Beitrag von Franz Beck Mit der Gentechnologie verfügt der Mensch über eine Technik, die beim Einen höchste Hoffnungen, Andere wie- der zu grössten Befürchtungen anregt. Die Realität wird dazwischen liegen. Wie immer man sich dazu einstellt, die Gentechnologie ist die grosse Heraus- forderung unserer Zeit. Warum diese Fragen Schwierigkeiten bereiten, hat vielerlei Gründe: Vieles ist komplizierter als wir glauben Bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass die Dinge meist komplizierter sind, als man annimmt. Dies rührt viel- fach daher, dass Medien und Unterla- gen oft ein verzerrtes und vereinfachtes Bild vermitteln. Dabei sind Grundla- gen für die Beurteilung von enormer Bedeutung. Die Informationen sind oft «schlichtweg falsch» 
  Wissenschaft und Forschung sind vom Geldgeber abhängig und müssen immer wieder mit Erfolgsmeldungen aufwarten. Ein aktuelles Beispiel ist die Raumfahrt, wo jeweils, wenn Geld vom Steuerzahler ge- braucht wird, Lebenszei- chen aus dem All in irgend einer Form veröffentlicht werden. Nicht anders verhält es sich in der medizinische Forschung, wenn fast jeden Monat ein Durch- bruch in der AIDS For- schung gemeldet wird 
- aber noch nichts in- 
 Sicht ist. Weitere Beispiele ken- nen wir aus der Alzheimer- und Krebsforschung. Die Gentechnik macht keine Ausnahme. Auch hier müs- sen die Geldgeber bei Laune gehalten werden, was wiederum Erfolgsmel- dungen bedarf. Man schreckt dabei vor Fach- meldungen nicht zurück. Die Diskussion verläuft vielfach unproduktiv Im heutigen Stand der Technik ist kaum ein Vor- teil, wenn um Dinge ge- stritten wir, die noch in den Sternen stehen. Ein aktuelles Beispiel ist das Klonen von Menschen, 
d.h. das Erstellen von identischen Ko- pien. Andererseits behaupten Fach- leute, dass es angesichts der Komple- xität von menschlichen Genen unmög- lich sei, Menschen zu klonen — obwohl die Natur, wie Zwillinge zeigen, ein Klonen kennt und beherrscht. Darüber werden heftige Debatten ge- führt. Patentrecht ist ein «stumpfes Schwert», wenn es darum geht, Entwicklungen zu stoppen. Patente unterliegen dem Wirtschafts- recht. Sie dienen der Regulierung von Wirtschaftsvorgängen. Die Entscheidungen erfolgen kaum mehr auf nationaler Ebene, sondern in Gemeinschaften oder über internatio- nale Verträge. Alleingänge sind kaum mehr möglich. Auf der anderen Seite kann in Wirtschaft und Technik keine wissenschaftliche und technische Er- kenntnis bei der Umsetzung gestoppt werden. Wenn einmal im Laboratorium ein Versuch erfolgreich beendet ist, dann finden sich auch Menschen, die das «umsetzen». 
SInd Landwirtschaft und Ernährung die eigentlichen Risikobereiche? Auf Grund der Sachlage und dem engen Naturbezug könnten sich durchaus Risi- ken in diesen Bereichen ergeben. man fürchtet massive Eingriffe. Dies um so mehr, als Ungewissheiten infolge man- gelnder Erfahrung bei der Übertragbar- keit bestehen. Die Behauptung, es gebe bei genmanipulierten Nahrungsmitteln keine Allergien ist wegen mangelnder Erfahrung nicht haltbar. Medizin und Pharmaindustrie, weiterhin auf Erfolgskurs? Nach den Erfolgen mit dem Insulin, sind weiter Fortschritte zu erwarten. Die Menschheit wird darauf kaum verzich- ten. Edward Tenner von der berühmten Princeton Universität, an der auch Al- bert Einstein wirkte, hat in seinem neue- sten Buch «Die Tücken der Technik» die negativen Auswirkungen bei an sich po- sitiven Entwicklungen aufgezeigt. Er hat in den Bereichen Medizin und Gesund- heitswesen, Natur und Umwelt, Compu- terisierung und Sport nachgewiesen, dass plötzlich negative Folgen 
auftreten. Die Technik ist damit vor neue Aufgaben gestellt. Weiter Beispiele sind be- kannt wie das frühere Wun- dermittel DDT, Contergan und die immer stärkeren «Allergieerzeuger». Tenner spricht davon, dass künftig vermehrt «Technik und Natur zurückschlagen» und bisherige Erfolge in Misser- folge und Katastrophen umwandeln. Nicht umsonst betonen führende Politiker immer wieder: Das nächste Jahrtausend müsse ein öko- logisches Zeitalter sein. Eine Alternative dazu gibt es nicht! Petition — 
ein Signal Die Petition — von der LGU ins Leben gerufen - hat mit die Aufgabe, die anfallenden Fragen kritisch zu überdenken und das Umweltbewusstsein zu stärken. Wir können das Rad der Geschichte nicht anhalten, wir müssen aber Politik und Öffentlichkeit für diese Fra- gen sensibilisieren. Schliess- lich betreffen die Auswir- kungen der Gentechnik uns alle.
        

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