Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
38
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_38/6/
Die Problematik der Aussiedlerhöfe im ak- tuellen Zeitgeist — Bei- spiel Grossriet Schaan Es bestehen Zielvorstellungen in den Ortsplanungen der Liechtensteinischen Gemeinden, die folgendermassen kon- kretisiert sind: • Verhinderung einer Zersiedlung • Sicherung der für die dauernde land- wirtschaftliche Nutzung notwendigen Flächen • Erhaltung einer attraktiven Erho- lungslandschaft Diese Ziele sollten vor allem durch die Festlegung der Nutzungsordnung und die Lenkung der Besiedlung erreicht werden. Die ausgeschiedenen Bauzonen sind heute vier bis fünfmal grösser als für die Wohnbevölkerung Liechtensteins benötigt würde. Das starke Schwinden der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist unter anderem das Resultat einer aus- geprägten Streubauweise. Die Zersiedelung in der heutigen Land- schaft ist einerseits auf den Ausbrei- tungsdruck der Bauzonen und anderer- seits auf die Entwicklungen in der Landwirtschaft zurückzuführen. «Im Interesse 
einer rationelleren Bewirt- schaftung des landwirtschaftlichen Bo- dens und zur Verbesserung der Selbst- versorgungsbasis sowie zur Erhaltung eines gesunden Bauernstandes fördert der Staat» nach Aussage des Gesetzes über die Förderung des landwirtschaft- lichen Bauwesens «a) die Erstellung neuer landwirtschaft- licher Siedlungsbauten innerhalb des Aussiedlungsgebietes; b) die Verlegung bestehender landwirt- schaftlicher Betriebe in das Aussied- lungsgebiet; c) die notwendige und wirtschaftlich vertretbare Sanierung oder Erweite- rung bestehender, im Aussiedlungsge- biet liegender Siedlungsbauten.» Die Fläche des Aussiedlungsgebietes wurde 1979 und 1988 erweitert. Dieses Gesetz entstand in einer Zeit, in der die Landwirtschaft in herkömmli- cher Weise betrieben wurde. Inzwi- schen hat die Mechanisierung die Vor- aussetzungen für die Feldarbeit ent- scheidend verändert. Die Bedeutung des Weges vom Betrieb zum Feld ist mindestens für Ackerbaubetriebe ge- ringer geworden. 
In den letzten Jahren nahm der Druck auf die am Rande der Bauzonen liegen- den Landwirtschaftsflächen trotz der obligatorischen Ausscheidung von 30 % Landwirtschaftszone pro Gemeinde nur teilweise ab. Die Streusiedlungen der Gemeinden breiten sich auch trotz der Bemühungen, die sich in den Zo- nenplänen niederschlagen aus. Die Landwirtschaft trägt durch Aus- siedlungen und Teilaussiedlungen, Be- triebsaufgaben und Umwidmung von Bausubstanz sowie indirekt durch den Verkauf von landwirtschaftlichen Nutz- flächen an Bauwillige ebenfalls zur Zersiedlung und auch zur Verringerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche bei. Neuere Erkenntnisse in der Aus- siedlung von landwirtschaftlichen Be- trieben zeigen denn auch, dass Land- wirtschaftsbetriebe vorteilhaft in der Nähe der Dorfränder angesiedelt wer- den, da die Bewirtschaftung nicht mehr unter der Distanz zwischen Hof und Feld leidet und die Dienstleistungsbe- triebe im Dorf vom Aussiedlungsbe- trieb günstiger genutzt werden können. Für die immer intensiver werdende Di- rektvermarktung ist ein naher Standort beim Dorf ebenfalls von Vorteil. Aussiedlerhöfe haben weitere gesell- schaftliche Auswirkungen durch die Aussiedlung von Landwirten mit ihren Familien aus der dörflichen Struktur. Die Infrastrukurausgaben für Stroman- schluss, Strassenausbau und -Unterhalt, Wasserver- und Abwasserentsorgung sind nur einige davon. Die Aussiedlung von Landwirtschaftsbetrieben hat auch 
Auswirkungen auf den Naturraum. Immer weitere Gebiete des Talraumes werden durch die andauernde Anwe- senheit und Ausübung von Tätigkeiten von Menschen in der Landschaft ge- prägt und auch beeinträchtigt. Dies hat Auswirkungen auf die natürlichen Kreisläufe der Tiere und Pflanzen wie auch auf das Landschaftsbild. Die immer häufigere Umwidmung von Aussiedlerhöfen für die gewerbliche Nutzung stellt eine besonders proble- matische Entwicklung dar. Die Zweck- entfremdung eines Aussiedlerhofes hin zu einem Gewerbebetrieb, zu einem Reitstall oder anderen Nutzungen zieht   meist beträchtliche zusätzliche Störun- gen und einen Ausbau der vorhande- nen Infrastruktur nach sich. Diese Folgen wird auch der geplante Umbau des Hofes 
von Xander Frick im Schaaner Grossriet haben. Im Schaaner Grossriet soll ein Reitstall, eine Deck- station und eine Tierklinik entstehen. Es kursieren auch Aussagen, dass das Schaaner Tierheim in einem zweiten Schritt ebenfalls ins Grossriet verlegt werden soll. Die Folgen dieses Projektes ergeben sich aus der dann notwendigen Ver- kehrserschliessung und Kanalisation und durch den vermehrten Aufenthalt von Menschen im Grossriet. Die Um- gestaltung widerspricht auch den Bemühungen von Land und Ge- meinde Schaan, die sich mit dem Pro-   jekt «Revitalisierung Schaaner
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.