Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
38
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_38/5/
Ökologische Geldanlagen d. h. dass ein Unternehmen beispielsweise mehr als 50% des Umsatzes oder Ge- winns mit ökologisch vertretbaren Pro- dukten erzielen muss: Die Bank Sarasin berücksichtigt für den öko-Fonds ÖkoSar neben quantitativen auch qualitative Kri- terien, wie z. B. die Grundhaltung des Managements einer Unternehmung. Weitere Varianten des ökologischen In- vestments sind die. direkte Projekt- oder Unternehmensfinanzierung und zweck- gebundene Versicherungen. In Deutsch- land und Österreich sind auch soge- nannte Investmentclubs und der ökologi- sche Immobilienkauf bekannt. Invest- mentclubs investieren die Einlagen ihrer Mitglieder in ein gemeinsames Depot, das nach ökologischen, sozialen oder ethischen Kriterien zusammengestellt wird. Der ökologisch motivierte Grund- stückskauf soll die Natur vor unvertretba- rer Nutzung schützen. Kann man von ökologischem Investment eine Rendite erwarten? Das Anlegen von Geld in öko-Konten oder -obligationen kommt meist einem teilweisen oder totalen Zinsverzicht gleich. Dies gilt jedoch nach der Mei- nung von Max Deml nicht für alle Anlage- möglichkeiten: «Unter- suchungen haben ge- zeigt, dass eine grüne Geldanlage nicht unbe- dingt einen Renditever- zicht bedeutet.» Ein Renditevergleich von europäischen öko- Fonds in der Publikation «Grünes Geld» zeigt, dass eine pauschale Be- urteilung schwierig ist. Wie Fonds in jedem an- deren Bereich hängt die Entwicklung der Performance von unzähligen Faktoren ab. Es gibt öko-Fonds, die sich überdurch- schnittlich gut entwickelt haben, andere haben stark an Terrain verloren. Exper- ten gehen davon aus, dass sich Umweltef- fizienz erst mittel- bis langfristig auswir- ken. Ist die Sicherheit von ökologischen Anla- gen gewährleistet? Als Grundsatz gilt, dass jede Anlage un- abhängig von dem Bereich in dem sie getätigt wird mit Risiko verbunden ist. Elisabeth Stern der VTZ vertritt dazu die Ansicht: «Eine Anlage ist immer ein Ri- siko. Aber umfassend gesehen erhöht eine ökologische Anlage die Sicherheit 
entscheidend, weil damit die Lebensqua- lität verbessert wird.» Wie kann ich mich über ökologische Geldanlagen informieren? In der Schweiz existiert - vergleichbar mit dem Swiss Performance Index - ein Swiss Umwelt Index (SUMI). Dies ist ein erster Versuch der Versicherungstreuhand Zürch, die Entwicklung der Aktienkurse von Unternehmen die im gesamten oder in Teilbereichen ökologische Produkte oder Dienstleistungen produzieren im Verlauf der Zeit darzustellen. In diesen grünen Index wurden 18 schweizerische Unternehmen aufgenommen, die minde- stens 10% ihres Umsatzes mit umwelt- schonenden Produkten erzielen, nicht in der Gentechnologie oder Waffenproduk- tion tätig sind und höchstens 5% mit Nukleartechnologie oder -energie ver- dienen. Das Beispiel SUMI, in dem auch der Mischkonzern ABB vertreten ist, zeigt ein wichtiges Problem des ökologisch ori- entierten Anlegers: Es ist schwierig eine Unternehmung zu finden, die in allen Teilbereichen als grün zu bewerten ist. Viele Unter- nehmen, wie die ABB mit den Bereichen Schienen- verkehr und Gaskraftwer- ken, sind nur in Teilberei- chen förderungswürdig. Eine andere Möglichkeit Informationen über öko- logische Geldanlagen zu erhalten sind Forschungs- institute, die in den USA schon über 20 Jahre be- kannt sind. Auch in Eu- ropa sind in den letzten Jahre verschiedene Insti- tute aufgebaut worden. Das Forschungsinstitut für ethisch-ökologische Geldanlagen (FI- FEGA) wurde 1990 in Wien gegründet. Es umfasst etwa 100 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Schweiz setzt sich das Centre Info in Fribourg mit ethisch-ökologischen An- lagen. Das FIFEGA gibt wie verschiedene an- dere Forschungsinstitute dieses Bereichs ein regelmässig erscheinendes Informati- onsblatt für ökologische Anlager heraus. Der «Öko-Invest», so der Titel des in Österreich erscheinenden Börsenbriefs, erscheint zweimal pro Monat und enthält einmal pro Monat ein öko-Rating. Öko-Ratings werden von weltweit bereits 
mehr als 20 unabhängigen Ratingagentu- ren erstellt und geben einen ersten Ein- druck von der Umweltbonität einer Un- ternehmung. Sie bewerten Unternehmen nach ökologischen Gesichtspunkten und versuchen umweltbewusst arbeitende Unternehmen von Betrieben abgrenzen, die sich bloss ein grünes Marketing-Män- telchen umhängen. Ökobilanzen und Umweltauditings bein- halten für Anleger ebenfalls wertvolle In- formationen in Bezug auf den Umwelt- schutz von Unternehmen. Welche Entwicklungen sind auf dem Markt für ökologische Anlagen zu er- warten? Elisabeth Stern, VTZ, bedauert, dass «noch zu wenige Anleger von den ökolo- gischen Anlagemöglichkeiten überzeugt sind». Nach einer Untersuchung der VTZ waren in der Schweiz 1996 etwa 600 — 800 Millionen wirklich ökologisch angelegt. Dies bedeutet, dass nur etwa ein Prozent der Anleger nach ökologischen Grundsätzen handelt. Europas grösster ökologischer Markt Grossbritannien be- trug 1995 circa 1,5 Milliarden Schweizer- franken. Bereits heute verzeichnen schweizerische Banken eine starke Zunahme an Kunden, die sich für ökologisch orientierte Anla- gemöglichkeiten interessieren. Das zu- nehmende Interesse junger Generationen an Umweltfragen, der immer wichtiger werdende Wettbewerbsfaktor Umwelt- bonität und die immer strenger werdende Umweltschutzgesetzgebung sind weitere Zeichen dafür, dass dieser Markt weiter wachsen wird.
        

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