Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
38
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_38/2/
Gespräch über öko- nomische Instrumente im Umweltbereich Im Oktober 1996 fand ein Round- Table-Gespräch über ökonomische In- strumente im Umweltbereich statt. Zu diesem Gespräch lud Thomas Büchel VertreterInnen der Wirtschaft wie auch der Umweltseite ein. Die LGU vertrat an diesem Gespräch eine Haltung, die über die ökonomischen Instrumente im Umweltbereich hinausreicht. Vier Grundsätze sind bei der gesamten Dis- kussion über Massnahmen im Umwelt- bereich vordergründig: • Vorsichtsprinzip: aus dem ökologi- schen Nichtwissen und der Unsicher- heit über die Auswirkungen des eige- nen Tuns sollen potentielle Schäden vermieden werden, indem der Umwelt- verbrauch insgesamt gesenkt wird. Vor- sorge heisst langfristig ausgerichtetes Handeln auch ohne hundertprozenti- gen Nachweis einzelner Kausalitäten. Reduktion zerstörerischer Wirkun- gen... Eingriffe in die Natur möglichst gering halten • Förderung eines technischen und so- zialen Fortschrittes weg von einer Ent- wicklung, die Arbeit rationalisiert, hin zu einer Entwicklung die «Natur» spart. • Verbleib von genügend individuellen Freiräumen und Entscheidungsmög- lichkeiten: Das bedeutet die Ressourceneinsparung  auf die gesamte Wirt- schaft bezogen und nicht auf einzelne Stoffe oder den Verbrauch pro Kopf. • Gerechtigkeit zwischen den heute lebenden Menschen und auch zwischen heute lebenden Menschen und zukünf- tigen Generationen. Diese Ziele könnten mit folgenden Massnahmen erreicht werden: 1. Berufung einer Kommission zur Be- gleitung der Umweltpolitik (Enquete- Kommission). Die Aufgaben dieser Kommission wären die Schaffung eines Leitbildes zur Umweltpolitik (der noch nicht ver- abschiedete Umweltbericht ist bereits wichtige Grundlage), die Vorbereitung von Entscheidungen im Landtag, (die Einführung einer Energieabgabe soll wenigstens auf sachlichem Niveau dis- kutiert werden!) und die Erarbeitung 
von Perspektiven für einen nachhalti- gen Umgang mit Stoff- und Material- strömen (Studie»Sustainable Liechten- stein»). Mitglieder dieser Kommission könnten VertreterInnen der Verwal- tung, externe Expertinnen und Exper- ten, VertreterInnen der Wirtschaft und VertreterInnen privater Umweltorgani- sationen sein. 2. 
Erstellung von Studien/Vergabe von Projekten zur Information. Die Studien und Projekte hätten die Aufgaben Not- wendigkeiten in Bezug auf ein nachhal- tiges Liechtenstein aufzuzeigen, Alter- nativvorschläge für die verschiedensten Bereiche zu machen, Informationen in Richtung möglicher Umweltbelastun- gen von Gütern und Prozessen, um die Möglichkeit sich umweltfreundlich zu verhalten, zu garantieren (z. B. Materia- lintensitätsanalyse) zusammenzustel- len, betriebliche Massnahmen (z.B. be- triebliche Massenrechnung) darzustel- len und einzuführen, Änderung der Ei- gentumsrechte (car-sharing etc.) anzu- streben und die Kennzeichnung der Le- bensdauer von Produkten zu gewähr- leisten. 3. Konkrete mögliche Massnahmen dazu sind Zertifikate für Materialinput, eine Energiesteuer, eine Materia- linputsteuer, die ökologische Steuerre- form, der Abbau von Subventionen mit negativen ökologischen Auswirkungen oder die Einführung einer CO2-Ab- gabe. Für die ökonomischen Instrumente im Umweltbereich bedeutet dies: Grundsätzlich ist das Problem an der Wurzel zu packen, d.h. die Stoffströme sind zu reduzieren. Die gängige Um- weltpolitik (gesetzliche Richtlinien wie auch marktwirtschaftliche Instru- mente) orientiert sich demgegenüber an einer Schadensbeschränkung (End of pipe Lösung). Die tragbaren Gren- zen können aber nicht berechnet wer- den, d.h. sie sind in der Praxis das Re- sultat von Verhandlungen und Schät- zungen. Sie orientieren sich nicht an einer nachhaltigen Umweltpolitik son- dern an momentanen, subjektiven Schätzungen und werden stark durch Machtverhältnisse beeinflusst (völlige Internalisierung ist eine Illusion). Für die marktwirtschaftlichen Instru- mente im Umweltbereich bedeutet dies, dass sie, dort wo der freie Markt wirklich funktioniert, sinnvoll sein kön- 
nen. Wir dürfen aber nicht dem Glau- ben verfallen, damit das eigentliche Problem zu lösen. Zudem ist eine Ver- allgemeinerung dieser Mittel auf alle Umweltprobleme nicht sinnvoll (Rah- menbedingungen sind nicht überall ge- geben). Ökonomische Instrumente können bestenfalls einen Teil eines In- strumentenmixes darstellen. Ökonomi- sche Mittel machen für die Umwelt zudem nur Sinn, wenn sie das Ziel haben, die Umweltbelastungen konti- nuierlich zu verringern und zudem unter den gesetzlichen Limiten anset- zen (verschärfte Emissionsbegren- zung), dies aufgrund des Vorsorgeprin- zips. Das bedeutet auch, dass neben der Einführung solcher Instrumente be- wusst auf die korrekte, strikte Umset- zung der Umweltgesetzgebung zu ach- ten ist. Bauökologie — eine Vortragsreihe Gut ein halbes Jahr dauerte die Vorar- beit um die Vortragsreihe «Bauökolo- gie — Ganzheitliches Bauen und Reno- vieren — Gesund Wohnen» zusammen mit der Liechtensteinischen Ingenieur- und Architektenvereinigung (LIA), der Liechtensteinischen Fachhochschule (LIS) und Marie Fischer auf die Beine zu stellen. «Die Ökologie kann natürlich nicht al- leine im Vordergrund stehen. Auch an- dere Aspekte des Bauens und Wohnens müssen berücksichtigt und innovativ angepackt werden: Es soll ganzheitlich gebaut werden. Die Ganzheitlichkeit beachtet sowohl die Gesundheit der Umwelt und der Menschen, die techni- sche Qualität und die Wirtschaftlich-   keit»1   An sechs Abenden bekamen Bauher- ren, Behörden, Gemeindevertreter, Planerinnen und StudentInnen einen Einblick in verschiedene Bereiche der Bauökologie. Die Vorträge der Fachre- ferenten gingen auf die Umweltaspekte und die ökologische Beurteilung von Baumaterialien und -produkten, das Raumklima, Wohngifte, Bauschäden an der Gebäudehülle, die Haustechnik und die Energie im Hausbau ein. Zu- sätzlich wurden die Themen Ökologie und Raumplanung, sowie auch Regen- wasser im Liegenschaftsbereich behan- delt. «Sowohl beim Bauen als auch während des sogenannten Lebenszyklus eines
        

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