Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
1995
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_33/2/
LGU-Mitteilungen 
April 1995 Rücktritt und Rückblick des Geschäftsführers Liebe Mitglieder der LGU   9 Jahre sind es her, seit ich die Stelle als Geschäftsführer der LGU angetreten habe. Es ist für mich ein eigenartiges Gefühl, nach einer so langen Zeit meine Arbeitsstelle zu verlassen. Auf der einen Seite ist dies ein Verlust einer vertrauten Arbeit, einer vertrauten be- ruflichen Umgebung. Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch sehr dar- auf, wieder einmal etwas ganz Neues anfangen zu können. Den wenigsten dürfte  verborgen geblieben sein, dass ich Chefredaktor von RadioL werde. Ich möchte in diesen letzten LGU-Mit- teilungen. die aus meiner Feder stam- men. einen Blick zurück auf die vergan- genen Jahre werfen, um einige Verän- derungen aufzuzeigen und für mich persönlich abzuschliessen.   Wo stehen wir im Umweltschutz? Ich hatte immer und habe auch heute noch eine optimistische Grundhaltung. Ich neige nicht zur Schwarzmalerei, weil ich dies einerseits nicht für ge- rechtfertigt halte, aber auch weil ich aus einer solchen Haltung heraus keinen aktiven Umwelt- und Naturschutz be- treiben könnte. Im Rückblick kann man konkrete Verbesserungen feststel- len. Im Gewässerschutz. der Abfallpro- blematik, der Luftreinhaltung aber auch in der Landwirtschaft sind Fort- schritte erzielt worden. Meistens genü- gen sie noch nicht, aber immerhin stimmt die eingeschlagene Richtung. Andererseits gibt es aber immer noch eine Reihe ungelöster Probleme, so beispielsweise die Verkehrsproblema- tik, die Energieverschwendung, oder auch die Defizite im Natur- und Land- schaftsschutz. Einige wichtige Erfolge Wenn ich die letzten 9 Jahre überblicke. kann ich neben den vielen kleineren und grösseren Rückschlägen doch auch einige wichtige Erfolge für den Natur- und Umweltschutz feststellen. Ein Kampf, der mich seit der ersten Stunde bei der LGU begleitet hatte, war die Auseinandersetzung um die Rhein- kraftwerke. Hier konnten wir einen wichtigen Sieg feiern. Mich freut aber 
auch die Trendwende in der Landwirt- schaft. Wenn ich daran zurückdenke, wie exotisch wir vor Jahren mit unserer Forderung zur Unterstützung einer ökologischen Landwirtschaft waren, und wie sich heute diese Linie voll durchzusetzen beginnt, habe ich einige Hoffnung für die Zukunft. Das gleiche gilt übrigens für die Förderung der Son- nenenergie. Das ist eine alte Forderung der LGU. Vor einigen Jahren haben wir die Solargenossenschaft gegründet, um dieser Forderung mehr Gewicht zu ver- leihen. Und bald wird im neuen Ener- giespargesetz — spät, aber dennoch - die Nutzung der Sonnenenergie staatli- cherseits gefördert werden. Langer Atem kostet Kraft Ich will aber nicht verheimlichen. dass es häufig sehr belastend und frustrie- rend ist, wenn man jahrelang gegen Wände anrennen muss, als vollkomme- ner Aussenseiter gilt, bis sich endlich nach langer Zeit des Kämpfens und des Wartens schrittweise kleine Erfolge einstellen. Das kostet Kraft, verschlingt Energie, ermüdet.-  Dabei kann ich mich an kaum eine Forderung der LGU erin- nern, die nicht über kurz oder lang ge- sellschaftlich akzeptabel geworden wäre. Die LGU denkt der Zeit voraus, manchmal weit voraus. Das ist sehr wichtig, unerlässlich. Und ich hoffe sehr, dass das so bleibt, auch wenn damit das Image verbunden ist, dass das «Spinnereien» sind, an sich «schon richtig», aber halt «übertrieben». Die LGU — eine Institution Ich glaube behaupten zu dürfen, dass die LGU in Liechtenstein eine wichtige Institution darstellt, auf die man hört. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass die LGU heute in mehr als 10 Regie- rungskommissionen vertreten ist. Das reicht von der Naturschutzkommission über den Fischereibeirat bis zur Ener- gie-Arbeitsgruppe. Vor 9 Jahren war die LGU noch in keiner einzigen Kom- mission vertreten! Es gibt weitere Er- rungenschaften: die Sitzungen mit den Umweltkommissionen des Landes, die von der LGU organisiert werden, die Ökospaziergänge, die vierteljährlich durchgeführt werden, die vierteljährli- chen LGU-Mitteilungen, die Jahresbe- 
richte, die professionelle Gestaltung des Umweltberichtes, das nationale CIPRA- Komitee, dessen Geschäftsführung bei der LGU liegt. Dies sind einige Bei- spiele, wie die LGU in den letzten Jah- ren versucht hat, inhaltlich und auf der Ebene der Kommunikation mit den Zeitanforderungen Schritt zu halten. Das hat jedoch inzwischen Dimensionen erreicht, die mit den bisherigen Mitteln kaum mehr zu bewältigen sind. Wie vor 9 Jahren arbeitet der Geschäftsführer mit einem 65%-Pensum. Lediglich eine 20%ige Sekretariatsstelle und gelegent- liche Praktikantenanstellungen dienen der Entlastung. Der Druck ist enorm ge- worden. Wenn ich nur daran denke, was in meinen letzten drei Wochen bei der LGU noch alles zu erledigen ist, wird mir schwindlig. Herzliches Dankeschön Zum Glück bin ich als Geschäftsführer der LGU nie alleine gewesen, auch wenn man sich manchmal alleine vor- kommt. Ich möchte mich bei Barbara Rheinberger als derzeitiger Präsidentin und bei Peter Goop als deren Vorgän- ger herzlich für die fruchtbare, kolle- giale und intensive Zusammenarbeit in den vergangenen 9 Jahren bedanken. Mein Dank geht ferner an Claire Schatzmann, die mir im Sekretariat in den letzten Jahren durch die grössten Stürme geholfen hat. Mein Dank geht, auch an die Vorstandsmitglieder. sicher rund 40 Leute, die in diesem Zeitab- schnitt irgendwann einmal im Vorstand waren oder noch sind. Ich danke aber auch allen, die mich, die LGU oder die Belange des Natur- und Umwelt- schutzes in irgendeiner Form unter- stützt haben, angefangen hei befreun- deten Organisationen, den Umwelt- kommissionen, Gemeinden, Ämtern. Politikerinnen und Politikern. Geldge- bern und nicht zuletzt den Mitgliedern der LGU, die für mich immer Ver- pflichtung und Motivation waren. Meiner Nachfolgerin Regula Imhof wünsche ich einen guten Start. viel Freude bei der Arbeit und im Interesse von uns allen viel, viel Erfolg in ihrer Tätigkeit. Sie darf mit meiner Unter- stützung rechnen. Mit freundlichen Grüssen Wilfried Marxer-Schädler LGU-Geschäftsführer
        

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