Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
31
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_31/5/
LGU-Mitteilungen November 1994 Berglandwirtschaft Jahr. Der durchschnittliche Milchertrag je Kuh und Jahr beträgt 5000 kg. Auf dem Betrieb (ohne Alpung) werden jährlich etwa 50'000 kg Milch produ- ziert. Der Betrieb verkauft ausserdem jährlich 9 Kälber als 3 wöchige Tränker zur Ausmast. Zwei Kühe werden über die Ausmerzaktion abgesetzt. Der Betriebsleiter dieses Musterbetrie- bes arbeitet im Winter während 4,5 Monaten am Skilift. Prekäre Einkommenssituation Aus der landwirtschaftlichen Produk- tion resultiert für den Musterbetrieb ein Ertrag von Fr. 71 319.—. Der Gross- teil davon stammt aus der Milchpro- duktion (siehe Tabelle). Mit diesem Er- trag lassen sich nicht einmal die Ge- samtkosten von Fr. 76 835.- decken! Nur dank der Subventionen von Fr. 27 652.— kann der Betrieb aus der Landwirtschaft einen Gewinn ziehen. Wenn man aber bedenkt, dass das Ein- kommen aus der Arbeit von 1,5 Ar- beitskräften erwirtschaftet wird, sieht man deutlich, wie prekär die finanzielle Situation der Berglandwirtschaft ist. Ohne das Nebenerwerbseinkommen wäre der Betrieb bzw. die Familie nicht überlebensfähig. Aber auch mit Nebe- nerwerb resultiert nur ein sehr beschei- denes Gesamteinkommen von Fr. 34 736.— Eine Ausdehnung des Neben- erwerbs in die Sommermonate ist nicht möglich, da der Betrieb im Sommer die volle Arbeitskraft verlangt. 
Zusammenfassende Beurteilung Die finanzielle Ertragslage ist sehr schlecht. Der landwirtschaftliche Roh- ertrag wird grossteils aus der Milchpro- duktion erwirtschaftet, wo mit weiteren Milchpreissenkungen gerechnet wer- den muss. Eine Preissenkung von 10 Rp./kg würde den Musterbetrieb mehr als Fr. 6 000.- jährlich kosten. Die ex- treme Parzellierung erfordert einen er- höhnten Arbeitsaufwand. Der Betrieb wird standortgerecht geführt und könnte ohne grössere Anstrengungen auf ökologischen Landbau umgestellt werden. Infolge des äusserst niedrigen landwirt- schaftlichen Einkommens hat der für den Triesenberg repräsentative Muster- betrieb keine sichere Existenzgrund- lage. Dies trifft auch für einen Grossteil der tatsächlich existierenden Bergbau- ernbetriebe Liechtensteins zu. Folge- dessen muss mit einer Abwanderung aus der Landwirtschaft gerechnet wer- den. Diese Befürchtung wird auch durch die extreme Überalterung der Betriebe erhärtet. Quelle Klaus Michel: Die Berglandwirtschaft auf dem Prüfstand. Analyse der Ein- kommenssituation der Berggebiete. Er- stellt im Auftrag von CIPRA-Liechten- stein c/o Liechtensteinische Gesell- schaft für Umweltschutz. Mai 1994 Zu beziehen bei der LGU gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag. 
Kommentar Die Axt ist am Baum Sinkender Milchpreis, nachlassende Bereitschaft zur Subventionierung der Landwirtschaft, steigende Kon- kurrenz aus der europäischen und aussereuropäischen Landwirt- schaft: so stellt sich heute die Situa- tion für die einheimische, vor allem aber für die Berglandwirtschaft dar. Bereits heute kann eine standortge- recht arbeitende Bergbauernfamilie nur noch überleben, wenn sie einer- seits einer Nebenerwerbsarbeit nachgeht, andererseits aber auch mit einem sehr bescheidenen Ein- kommen zufrieden ist. Wenn sich an der Einkommenssituation nichts ändert, wird dies tiefgreifende Um- wandlungen zur Folge haben. Die «sanften» Betriebe werden eingehen bzw. von keinem Nachfolger wei- tergeführt, während einige wenige «Intensivbetriebe», die mit Futter- mittelzukauf arbeiten, überleben werden. Die Folge wird man in der Landschaft sehen: schlecht zu be- wirtschaftende. Lagen werden auf- gegeben, verganden. Die Magerwie- sen werden nicht mehr bewirtschaf- tet. Auf den Gunstlagen wird weiter intensiviert. Die Gesellschaft und die Politik muss sich bald entscheiden, ob wir die standortgerechte Landwirt- schaft in unserem Berggebiet noch wollen oder ob wir sie aufgeben. Dies ist gleichzeitig eine Entschei- dung für oder gegen eine tradi- tionelle Kulturlandschaftspflege. Staatliche Pflegeequipen zur Erhal- tung der Kulturlandschaft werden wir uns nicht leisten können. Ent- weder gibt es die Landschaftspflege mit den Bauern, oder es gibt keine. Es stellt sich dabei auch die Frage, ob wir die gesamte Kulturland- schaft erhalten können, wenn die Berglandwirtschaft schon heute nur dank Subventionen und Nebener- werb Gewinn bringt, während aus der eigentlichen landwirtschaftli- chen Produktion ein Verlust resul- tiert. Wenn wir uns dazu — und da sind die Regierung und die Ämter aufgerufen — nicht rechtzeitig Ge- danken machen und eine Strategie entwerfen, wird eine unkontrollierte Entwicklung einsetzen, die sich ei- gentlich niemand wünscht.
        

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