Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_19/4/
LGU-Mitteilungen August 1991 Verantwortung wahrnehmen Man muss jedoch auch dazu sagen, dass der Grad der Luftverschmutzung sehr von unserem eigenen Verhalten abhängt. Nicht alles lässt sich gesetzlich verbieten oder technisch regeln. Das umweltbe- wusste Verhalten von uns allen ist mehr denn je gefordert. Gerade in Bezug auf die Luftverschmutzung können wir einen Beitrag leisten, indem wir möglichst we- nig Energie verbrauchen, da jeder Ener- gieverbrauch auf die eine oder andere Weise die Luft belastet. Wir sollten aber auch erwiesenermassen schädliche Stoffe vermeiden, wie beispielsweise lösungs- mittelhaltige Produkte, FCKW-haltige Stoffe oder Spraydosen u. a. Es gibt in praktisch allen Fällen umweltfreundliche Ersatzprodukte. Einige Tips: wasserlös- liche Farben bevorzugen, Imprägnierpa- ste statt Spray, Gallseife zum Fleckent- fernen, keine stark riechenden, lösungs- mittelhaltige n Filzschreiber ver- wenden... Lenkungsmassnahmen zur Förderung umweltverträglichen Verhaltens Umweltfreundliches Verhalten sollte ge- setzlich gefördert werden. Nur allzuhäu- fig ist jedoch das Gegenteil der Fall. Dazu gibt es einige Beispiele: • Die Benützung des Autos im Beruf- spendelverkehr wird steuerlich begün- stigt. • Je mehr Strom verbraucht wird, umso billiger wird er. • Die Energiepreise werden indirekt subventioniert. Um die gesamten Kosten, die der Verkehr verursacht, abzudecken, müsste der Benzinpreis nach unterschied- lichen Berechnungen verdoppelt bis ver- dreifacht werden. Die Energiepreise und die Preise von luftschädigenden Stoffen zeigen nicht die ganze Kostenwahrheit. Die Reparaturko- sten an der Umwelt sind nicht darin ent- halten. Das Ziel muss sein, die Folgeko- sten dem Energie- und Produktepreis aufzuschlagen und zusätzliche Lenkungsmassnahmen  zu ergreifen, um umwelt- freundliches Verhalten zu fördern. Die Liste dieser Massnahmen ist lang. Einige Beispiele sollen hier genannt werden: • Einführung von Lenkungsabgaben auf flüchtige organische Verbindungen. Um- weltfreundliche Produkte werden da- durch finanziell interessanter. • Einführung einer kilometerabhängi- gen Motorfahrzeugsteuer nach dem Mot- to: wer viel fährt, soll auch viel zahlen. • Umkehrung des Stromtarifes, so dass der Strompeis billiger wird, je weniger Strom man braucht. 
• Finanzielle Förderung umweltfreund- licher, erneuerbarer Energien (Solar- energie). • Finanzielle Unterstützung der Luft- reinhaltemassnahmen von Unternehmen und Privaten, die freiwillig das gesetz- liche Minimum deutlich übertreffen. • 
Steuerliche Absetzbarkeit von Ener- giespar- und Luftreinhaltemassnahmen. 
  Verkehrskollaps in Sicht Auch die Verkehrsmisere, in die wir zu- nehmend geraten, zwingt uns zu einer Neuorientierung. Staus in Vaduz, Staus in Schaan, Staus in Schaanwald: Für die AnwohnerInnen ist die Situation schon lange unerträglich geworden. Sie werden nicht nur von einer lärmenden Blechlawi- ne belästigt, sondern müssen auch noch tagtäglich die giftigen Abgase einatmen. Für solche Situationen hat das Luftrein- haltegesetz eigentlich vorgesorgt. Es heisst in Art. 5 Abs. 3: «Die Emissionsbe- grenzungen werden verschärft, wenn fest- steht oder zu erwarten ist, dass die Ein- wirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden.» Wurde einmal eine Umfrage bei den AnwohnerInnen der Landstrasse gemacht, ob die Emissionen «lästig» sind? Wurden Untersuchungen gemacht, ob sie «schädlich» sind? Wel- cher Einfluss auf die Lebenserwartung der Betroffenen hat der Verkehr? Wie sieht es mit dem Krebsrisiko aus? Alles unbeantwortete Fragen. In Art. 6 regelt das Luftreinhaltegesetz, wie die Emissionen begrenzt werden sol- len. Die bisherigen Massnahmen stützen sich auf die Ziffern a) «Festlegung von Emissionsgrenzwerten», b) «Bau- und Ausrüstungsvorschriften» und d) «Vor- schriften über Brenn- und Treibstoffe». Von Ziffer c) «Verkehrslenkungs-, Ver- kehrseinschränkungs- und Betriebsvor- schriften» wurde dagegen bisher kein Ge- brauch gemacht. Es ist klar — oder sollte es zumindest sein — dass das Recht auf eine gesunde Luft für alle EinwohnerInnen und Bevölke- rungsschichten gilt, also auch für jene an den Hauptverkehrsachsen. Es ist daher 
an der Zeit, verkehrseinschränkende Massnahmen zu ergreifen und parallel dazu Anreize zu schaffen, damit der Ver- kehr in möglichst umweltverträgliche Bahnen gelenkt wird. Solche Massnah- men beginnen bereits weit unterhalb der Schwelle von direkten Fahrverboten zu wirken. Die folgenden Massnahmen wür- den sich beispielsweise eignen: • Reduktion der Parkplatzflächen in den Zentren und bei Betrieben • Generelle Einführung einet Benüt- zungsgebühr für Parkplätze am Arbeits- platz. Ein Tiefgaragenparkplatz kostet rund Fr. 40 000.— oder bei heutigem Zins- satz etwa Fr. 200.— monatlich. Diese (Miet-)Kosten müssen von den Benüt- zerInnen getragen werden. • Gleichzeitig muss das Firmenbus- system wieder ausgebaut werden. • Die Postschliessfächer müssen aufge- hoben werden. Stattdessen ist ein effi- zienter Zustell- und Abholdienst zu reali- sieren. Es ist sinnvoller, wenn ein Fahr- zeug der Post zwei Rundgänge macht bzw. dezentrale, periodisch besetzte Auf- gabestellen eingerichtet werden, statt dass 500 Kunden mit dem Auto zur Post fahren und dabei die Strassen verstopfen. • Die bereits weiter oben erwähnte Ein- führung einer kilometerabhängigen Be- steuerung des Motorfahrzeugverkehrs, abgestuft nach Grösse, Schadstoffaus- stoss und Lärmemissionen der Fahr- zeuge. • Verbot von Schwerverkehr über 28 Tonnen. Eine beträchtliche Menge an schweren LKWs rollt über unsere Stras- sen zum Entladebahnhof Buchs. • Steuerliche Abschreibungen beim Kauf von Elektrofahrzeugen. • Parkplatzreservation mit Stromlade- möglichkeit für Elektrofahrzeuge in den Zentren. • Kein weiterer Strassen- und Parkplatz- bau ohne parallelen, flächengleichen Rückbau an anderer Stelle. • Rigorose Geschwindigkeitskontrollen mit Führerscheinentzug bei wiederholten Übertretungen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Wir sind mit der Auslastung der Strassen am Limit und mit der Luftbela- stung bereits über dem Limit 'angelangt. Daher sind jetzt zukunftsweisende Ent- scheidungen gefordert.
        

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