Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_17/5/
LGU-Mitteilungen 
Februar 1991 Thema: Rheinkraftwerke Nach vorliegenden Informationen ist der Umweltverträglichkeitsbericht des Kon- sortiums Rheinkraftwerke, welchem die Nordostschweizerischen Kraftwerke, die Motor Columbus AG und die Liechten- steinischen Kraftwerke angehören, fertig- gestellt. Der Bericht wird vermutlich in den nächsten Wochen bei den Behörden zur Prüfung eingereicht. Es folgt dann die öffentliche Auflage des Projektes, das Einspracheverfahren und schliesslich das Prüfverfahren durch die Behörden. Falls das Projekt Rheinkraftwerke von den Be- hörden als unbedenklich eingestuft wird, kann die Konzession erteilt werden, wo- bei gleichzeitig zwischen der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft und dem Für- stentum Liechtenstein ein Staatsvertrag abgeschlossen werden muss, da es .sich um ein Grenzgewässer handelt, das hy- droelektrisch genutzt werden soll. In der Schweiz kann gegen den Staatsvertrag das Referendum ergriffen werden als letztes Mittel, um die Rheinkraftwerke zu verhindern. In Liechtenstein gibt es diese Möglichkeit nicht. Mit Einsprachen können also die betrof- fenen Gemeinden, Vereine und Verbän- de sowie Einzelpersonen Ihre Bedenken äussern, sobald der Bericht öffentlich aufliegt. Diese Einsprachen und der da- mit zu erzielende politische Druck sind wohl das einzig mögliche Mittel, das uns zur Verfügung steht, um die Rheinkraft- werke zu verhindern. Die Einsprachen von der ersten öffentlichen Auflage im Jahr 1985 müssen übrigens erneuert wer- den, da in der Zwischenzeit in der. Schweiz eine neue Gesetzgebung in Kraft getreten ist. Für die nächste Zeit steht uns somit eine grosse Arbeit ins Haus, denn der 'Umweltverträglichkeitsbericht besteht dem Vernehmen nach neben einer handlichen Zusammenfassung aus 
einer Reihe von 15 Bundesordnern, wel- che von uns genauestens studiert werden müssen. Rheinkraftwerke eilen Stromverbrauch hinterher Die neuesten offiziellen Zahlen über den Stromverbrauch in der Schweiz belegen neuerlich, dass die Rheinkraftwerke kei- ne Beruhigung in die Stromversorgung der Schweiz bringen werden. Die geplan- ten Rheinkraftwerke würden weniger als 1 Prozent der jährlichen Stromerzeugung in der Schweiz ausmachen. Und wie weit reicht diese zusätzliche Stromquelle? Für die Rheinkraftwerke wird eine Jahreslei- stung von 440 Millionen Kilowattstunden berechnet. Allein  zwischen 1989 und 1990 ist aber der Stromverbrauch in der Schweiz um 1,2 Milliarden Kilowattstun- den angewachsen! Die Rheinkraftwerke decken daher den Verbrauchszuwachs von gerade 4 Monaten ab. Übrigens wird die fünffache Menge der geplanten Stromproduktion der Rheinkraftwerke im 
Jahresdurchschnitt von der Schweiz ins Ausland exportiert. Bedenken nehmen zu - Jetzt da die Rheinkraftwerke näher rük- ken, wachsen die Bedenken gegen dieses Grossprojekt nicht nur in der unmittelbar betroffenen Gegend. Kritisch verfolgen auch die Ober- und Unterlieger die Pla- nung im Rhein. Die Rheinoberlieger be- fürchten, dass von den Rheinkraftwerken ein Signal ausgehen könnte, dass auch die bereits früher projektierten 8 Staustufen zwischen Domat-Ems und Fläsch wieder 
aktuell, werden könnten. Es droht dort unter anderem die Zerstörung der natur- nahen Flusslandschaft bei Oldis und Ma- strils. Die Unterlieger hegen ähnliche Befürch- tungen. Hinzu kommen aber auch die nicht zu unterschätzenden negativen Aus- wirkungen der geplanten Rheinkraftwer- ke für die Unterlieger wenn wir an die Stauraumspülungen denken. Zur Erinne- rung: die in den Staustufen abgelagerten Sedimente sollen mit den Hochwassern mehrmals jährlich aus den Stauräumen herausgespült werden, was den Fisch- reichtum  schlagartig dezimiert, zudem aber auch die Stabilität der Flussohle rheinabwärts gefährden könnte. Im Rah- men des Einspracheverfahrens werden wir diese Fragen auf jeden Fall einer Prü- fung unterziehen müssen. Etwas verunsichert äussern sich ausser-. dem einzelne Vertreter von Wasserwer- ken. In Liechtenstein wird beispielsweise mehr als die Hälfte des Trinkwassers aus den Grundwasserpumpwerken bezogen, die wesentlich vom Rhein gespeist wer- den. Ein Absinken des Grundwasserspie- gels dürfte die Wasserqualität verschlech- tern, wie dies in Balzers bereits seit Jah- ren festgestellt wird. Nicht weniger ge- fährlich könnte das Ansteigen des Grund- wasserspiegels für die Wasserversorgung sein, weil dann das Wasser verstärkt mit den Pestiziden und Düngemitteln, die in der Landwirtschaft verwendet werden, in Kontakt kommen kann. Zwei ungleiche Spiesse Obwohl es eine Vielzahl von Bedenken gegen die Rheinkraftwerke gibt, darf dennoch nicht übersehen werden, dass die Gegnerschaft vor eine schwere Auf- gabe gestellt wird. Der Umweltverträg- lichkeitsbericht, den wir kritisch begut- achten wollen, wurde mit einem Kosten- aufwand von rund 7 Millionen Franken erstellt. Diesem Budget haben wir nichts vergleichbares entgegenzusetzen. Es wird nicht möglich sein, Gegengutachten zu einzelnen strittigen Fragen in Auftrag zu geben, weil das die finanziellen Möglich- keiten  der Umweltvereine bei weitem überschreitet. Wir werden jedoch mit kompetenter fachlicher Unterstützung den Umweltverträglichkeitsbericht des Konsortiums auf Schwachstellen abklop- fen und sehr genau darauf achten, dass alle Fragen gründlich genug abgeklärt wurden. Sollten sich unsere bisherigen Zweifel an der Umweltverträglichkeit der Rheinkraftwerke erhärten, werden wir alles in unserer Macht stehende unter- nehmen, um das Projekt zu verhindern.
        

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