Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_14/5/
LGU-Mitteilungen Juni 1990 sind die Förster und die LGU dagegen. Nach Ansicht der LGU sind eine ganze Reihe von Massnahmen zu treffen, bevor in ferner Zukunft allenfalls über die Win- tergatter ernsthaft diskutiert werden sollte. Zuerst Anpassung der Schalenwildbestände Die Bestände des Rot-, Reh- und Gams- wildes müssen auf ein Mass reduziert werden, welches der derzeitigen Tragfä- higkeit der Wildlebensräumen entspricht. Das ist der erste, wichtige Schritt. Beobachtungsphase In einer begleitenden und anschlies- senden Beobachtungsphase soll die Aus- wirkung auf die Waldverjüngung unter- sucht werden. Begleitende naturnahe Waldwirtschaft Die Forstwirtschaft soll durch naturnahe Waldbehandlung die Lebensgrundlagen für das Wild verbessern helfen. Mit einem naturnahen Waldbau — d. h. Berücksichtigung der standorttypischen Holzarten und eine gestufte, plenterähn- liche Nutzung — ist ein grosser Beitrag zur Lösung der Wald-Wildfrage zu erwarten. Kahlschlagähnliche Verjüngungsformen bilden andererseits wahre Futtertröge, die vom Schalenwild sofort angegangen werden. Die Holznutzung insgesamt soll auf die erschlossenen Wälder beschränkt bleiben. Der Nahtlinie Wald-Grünland kommt ebenfalls eine erhöhte Bedeutung zu. Von Seiten der Waldwirtschaft sollte hier, vor allem in südlichen Expositionen, ein 20 bis 30 m breiter, abgestufter Bestand angestrebt werden. Dieser findet mit Vor- 
teil im Grünland auf 5 bis 10 m in Form einer extensiv genutzten Wildkraut- schicht seine Fortsetzung. Konzept für Freizeitnutzung Zum Schutz des Lebensraumes der ein- heimischen Wildtiere ist es notwendig, uns Menschen gewisse zeitliche und räumliche Einschränkungen aufzuerle- gen. So sollten Wanderer auf den Wan- derwegen bleiben, Skifahrer auf den Pi- sten, Skitourengänger auf hierfür vorge- sehenen Routen, Mountain-Biker auf ve- lotauglichen Strassen, Deltaflieger und Hängegleiter über auszuscheidenden Flugschneisen. Bereits bestehende Fahr- verbote für Alp- und Waldstrassen müs- sen unbedingt eingehalten werden. Landschafts- entwicklungsplan Für den intensiv genutzten Talraum muss ein Landschaftsentwicklungsplan erarbei- tet werden, um Sünden der Vergangen- heit wiedergutzumachen. Wir schätzen, dass unser Talraum noch rund 4 Prozent ökologische Ausgleichsflächen aufweist. Die wissenschaftliche Forschung beweist aber, dass 10 bis 15 Prozent nötig sind, damit der Naturhaushalt funktionieren kann. Rechte der Natur verankern Die Freiheit des einzelnen hört dort auf, wo das Recht des anderen beginnt. In diese Überlegung müsste auch die Natur miteinbezogen werden. Wir müssen dem Schalenwild — wie allen anderen Tier- und Pflanzenarten — ein eigenes Daseinsrecht zugestehen. Das beginnt in erster Linie 
mit dem Schutz ihrer Lebensräume. In der Schweiz wird von namhaften Juristen darüber diskutiert, inwieweit der Eigen- wert der Natur in der Verfassung veran- kert werden könnte. Öffentlichkeitsarbeit Für alle erwähnten Massnahmen muss das nötige Verständnis geschaffen wer- den. Verbote alleine, wen immer sie be- treffen, helfen wenig. Der Verzicht und das Umdenken, das hier und dort ver- langt ist, muss begründet sein. Entspre- chende Öffentlichkeitsarbeit durch die massgeblichen Amtsstellen ist daher un- abdingbar. Wintergatter- entscheidung zu früh Die LGU sieht daher die Lösung der Wald-Wild-Problematik nicht in der Ein- führung eines Rotwild-Wintergatters. Es ist stattdessen eine ganze Reihe von pa- rallel wirksamen Massnahmen zu treffen, die bei der Jagd, der Forstwirtschaft, der Landesplanung, der Freitzeitnutzung des Raumes, der Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung zu suchen sind. Alle Massnahmen zusammengenommen wer- den den Lebensraum des Schalenwildes in Liechtenstein langfristig verbessern und auch wieder höhere Wilddichten er- lauben. Bis dahin ist aber von Seiten der Jägerschaft die drastische Reduktion der derzeitigen Schalenwildbestände zu ver- langen. Die Entscheidung für oder gegen Winter- gatter ist noch verfrüht. Es würde heis- sen, den einfachsten Weg zu gehen, auch wenn der langfristige Erfolg fraglich bleibt. Stattdessen wäre es förderlich, die erwähnten Massnahmen begleitend zu einer vorübergehenden Bestandesreduk- tion der Schalenwildbestände zielstrebig anzugehen.
        

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