Herausgeber:
LGU Mitteilungen
Bandzählung:
11
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000030015_11/4/
Tabelle 1: Beitrag der einzelnen Treibhausgase zum zusätzlichen Treibhauseffekt in den achtziger Jahren dieses Jahrhunderts (47) Treibhausgas 
Abschätzung in Prozent (%) CO2 .......................................................................... 
50 CH4 ........................................................................................................ 
19 FCKW ...................................................................... 17** Ozon ........................................................................ 
8*** N20 ................................................................. 4 str. H20* .................................................................. 
2 str. H20  = stratosphärischer Wasserdampf Von den 17 Prozent der FCKW entfallen 10 Prozent auf FCKW 12, 5 Prozent auf FCKW 11 und 2 Prozent auf die restlichen FCKW. Die FCKW, die nicht im Protokoll von Montreal geregelt sind, sind bisher noch von untergeordneter Bedeutung. Dieser Wert ist ein globaler Mittelwert. Auf der Nordhemisphäre müßte er größer sein, auf der 
Südhemisphäre  kleiner 
LGU-Mitteilungen August 1989 Thema: Klimaveränderung Am 29. Mai dieses Jahres hielt Prof. Dr. Hans Öschger von der Universität Bern auf Einladung der LGU in Schaan einen Vortrag zum Thema «Klima — ungewisse Zukunft». Wir gehen rückblickend noch- mals auf die Kernaussagen in seinem Vor- trag ein. Das Weltklima, so lautet der Befund der Experten. erwärmt sich. Das mag für vie- le, die es in den Ferien unweigerlich in den sonnigen Süden zieht, zunächst keine Katastrophenmeldung sein. Palmen in Liechtenstein — warum nicht? Doch sehen wir uns die Liste negativer Folgeerschei- nungen an, sehen die Aussichten bedeu- tend trüber aus. Klimaroulette Prof. Öschger rechnet damit, dass sich das Klima in den kommenden Jahrzehn- ten um rund drei bis fünf Grad Celsius erwärmen wird, wenn die Ursachen der Klimaveränderung nicht radikal be- kämpft werden. Dieser globale Tempera- tursanstieg bedeutet, • dass Gletscher und Pole schmelzen und der Meeresspiegel ansteigt. Schon heute bilden sich die Gletscher zurück. Wenn der westantarktische Eisschelf ab- schmilzt, wird der Meeresspiegel um 5 Meter ansteigen! • dass sich die Wassermassen der Ozea- ne erwärmen und ausdehnen, wodurch das Meer zusätzlich ansteigt. Seit Beginn dieses Jahrhunderts ist der Meeresspiegel bereits um rund 14 Zentimeter ange- stiegen. • dass Dürreperioden häufiger auftre- ten, wie z.B. im Sommer 1988 in den USA, der Sowjetunion und China. • dass sich Wüsten ausbreiten. Diese Tendenz ist bereits heute feststellbar. • dass die alten Bäume schneller abster- ben und der Baumnachwuchs nicht schnell genug nachwächst. Die alpinen Hochlagen könnten sich entwalden und stattdessen verbuschen. • dass sich die Vegetation verändert. Es wird damit gerechnet, dass die Vegetation für die Anpassung nicht mehr verträgt als die Klimaveränderung von 1 Grad Cel- sius in hundert Jahren. • dass Tierarten aussterben, weil durch- schnittlich mit jeder Pflanzenart 10 Tier- arten, vor allem Insekten, aussterben. In einer Kettenreaktion können sich ohne weiteres noch mehr dramatische Szena- rien einstellen: Das steigende Meer könnte fruchtbare Küstenstreifen und Flussdeltas überflu- ten. Besonders gefährdet sind Bangla Desh und Java. 
In diesen dichtbesiedelten Gebieten müssten viele Millionen Menschen ihre Heimat verlassen, würden Arbeit und Einkommen verlieren. Fruchtbarer Boden würde zunächst ver- salzen, da Salzwasser in die Flussmün- dungen gelangt, und ginge allmählich ver- loren, wodurch Hunger und Armut wei- ter zunehmen würden. Die Trinkwasserversorgung würde vieler- orts zusammenbrechen. Das periodische Ausbleiben von Regen- fällen erhöht die Gefahr von Waldbrän- den, wie dies beispielsweise 1988 beim verheerenden Waldbrand im Yellowsto- ne-Park der Fall war. In unserer Region ist nicht auszuschlies- sen, dass die Erwärmung des Klimas be- gleitet wird von Trockenperioden und Pe- rioden überdurchschnittlich starker Nie- derschläge, da allgemein damit gerechnet wird, dass das Klima nicht gleichmässig wärmer, sondern auch extremer wird. Damit einher gehen unabsehbare Folgen für die Vegetation, die sich vielleicht die- sen extremen Klimaverhältnissen nicht anpassen kann. Man muss auch mit extremeren Hoch- wasserspitzen, Rutschungen und Über- schwemmungen rechen, wie dies im ver- gangenen Jahr im Veltlin und im Reusstal der Fall war. Sollte sich die Serie schnee- armer Winter fortsetzen, sind zudem Ein- bussen für den Fremdenverkehr einzukal- kulieren. Aus: «Schutz der Erdatmosphäre», S. 379 
Ursachen sind bekannt Die Klimaveränderung kündigt sich be- reits heute handfest an. Im Verlauf der letzten 100 Jahre ist nämlich eine globale Temperaturzunahme von rund 0,6 Grad Celsius registriert worden. Die vier wärmsten Jahre liegen dabei in den 80er Jahren unserer Jahrhunderts! Für Prof. Öschger und seine Kollegen besteht kein Zweifel über die Hauptursa- chen der Klimaveränderung. Während Warm- und Eiszeiten in den vergangenen Jahrtausenden natürliche Ursachen hat- ten, ist die laufende Klimaveränderung durch den Menschen verursacht. Die Be- lastung der Luft mit unterschiedlichen Gasen wird dabei für den Treibhauseffekt verantwortlich gemacht. Die Tabelle 1 zeigt, dass die Zunahme des Kohlendio- xidgehalts in der Atmosphäre zu rund 50 Prozent zum Treibhauseffekt beiträgt, ge- folgt vom Methan, den Fluor-Chlor-Koh- lenwasserstoffen (FCKW) und anderen Gasen. Der Anstieg des Kohlendioxids ist auf- grund langjähriger Messreihen (Tabelle 2) belegt. Man weiss auch, woher das Kohlendioxid stammt, nämlich aus der Verbrennung fossiler Energien (Kohle, Erdöl. Erdgas), der Rodung tropischer Regenwälder und sonstiger Anderungen der Landnutzung. Das Methan stammt zum Grossteil aus dem Reisanbau, die FCKW aus Spraydosen, Kühlflüssigkeit
        

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