Herausgeber:
Sonstige öffentliche Herausgeber
Erscheinungsjahr:
1987
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https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000028317/28/
Argentinien eröffnet werden konnten. Diese Aufbauarbeit wurde aber mehr und 
mehr durch komplizierte Devisenverordnungen erschwert, die es fast unmöglich 
machten, Geldbeträge aus Deutschland ins Ausland zu transferieren: «Ein Heer von 
'Devisenschnüfflern' wurde eingesetzt, die es vor allem auf die Orden und Kongrega- 
tionen wegen deren 'internationalen Verflechtungen' absahen. Das Konkordat 
schützte die Ordensleute, sie mussten daher als Gesetzesbrecher abgestempelt und 
der Missachtung des Volkes preisgegeben werden.» © 
Schliessung der Maristenschulen in Bayern 
Zuerst versuchte das Justizministerium den einzelnen Orden in Devisenprozessen 
Volksfeindlichkeit nachzuweisen. Ein weiterer Schritt waren geheime Ermittlungen, 
die die Ordensleute in der Öffentlichkeit pauschal als Jugendverderber und Volks- 
schädlinge abstempeln sollten. 
Am 28. Dezember 1936 traf aus dem Bayrischen Staatsministerium für Unterricht 
und Kunst der Erlass Nr.IX 61074 ein, der die Schliessung aller Schulen und 
Internate des Maristen-Ordens anordnete: «lch entziehe Ihnen ... mit sofortiger 
Wirkung die Genehmigung zum Betreiben ... der Anstalten und zur Tátigkeit in 
diesen. Sie haben spátestens mit Ablauf des Schuljahres 1936/37 aus den genannten 
Anstalten auszuscheiden, soweit Sie Eigentümer der Gebàude sind, haben Sie zum 
gleichen Zeitpunkt. den Anstaltsbetrieb einzustellen.»7 Der verantwortliche Minister 
begründete seine Entscheidung in erster Linie damit, dass der Orden 'auslándisch' 
sei, in zweiter Linie, dass drei Anstalten nicht verantwortlich genug geführt gewesen 
seien. Der Vorwurf 'auslàndisch' bezog sich wohl in erster Linie auf den Ordensgrün- 
der, den Franzosen Pater Marzellin Champagnat. Im weiteren war dem Regime auch 
die internationale Tátigkeit der deutschen Ordensprovinz suspekt. Vom Erlass des 
Ministeriums waren acht Anstalten in Bayern betroffen, für deren Weiterbestehen 
die Ordensleitung in den folgenden Monaten mit allen rechtlich zur Verfügung 
stehenden Mitteln kämpfte. Aber weder die Beweise der Vaterlandstreue — 50 
Ordensleute der Maristen waren im |. Weltkrieg gefalten-— noch die Leistungen des 
Ordens in den verschiedensten Teilen Deutschlands, noch die Fürsprache hoher 
Persónlichkeiten für die Maristen-Schulbrüder und der Einsatz des Nuntius in Berlin 
vermochten am Erlass des Ministeriums etwas zu ändern. Kardinal Faulhaber 
kommentierte die von der Ordensleitung verfasste Verteidigungsschrift folgender- 
massen: «Wenn diese Ihre so klare Stellungnahme bei dem Ministerium nichts 
bedeutet, dann war das noch nicht der letzte Schlag gegen die kath. Kirche.» 
Die Antwort des verantwortlichen Staatsministers Adolf Wagner auf die Stellung- 
nahme der Ordensleitung war von Zynismus geprágt: «... Ich móchte Sie auf die 
folgende Móglichkeit hinweisen. Meines Wissens haben viele eine abgeschlossene 
Lehrerbildung hinter sich. Solche kónnen sich um Übernahme als Lehrer in den Bayr. 
Landesdienst bewerben. Voraussetzung für die Übernahme ist, dass sie die allge- 
meinen Bedingungen für die Anstellung als Beamter erfüllen und ihre Verbindung zur 
Kongregation ordnungsgemäss gelöst haben. Die gleiche Möglichkeit besteht für die 
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