Herausgeber:
Sonstige öffentliche Herausgeber
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000028317/139/
mir behilflich, als ich eine Gastfamilie in der Westschweiz suchte. Er regte uns dazu 
an, zur Vertiefung unserer Sprachkenntnisse in die Westschweiz zu gehen, und 
verfasste für mich eine Anzeige in der Zeitung «La Liberté». Neben den Sprachen 
und der Mathematik wurden wir besonders eingehend in die Botanik eingeführt. Im 
zuletzt genannten Fach erregten wir wegen unseres gelegentlichen Nicht-Wissens 
hie und da das Gemüt von Frater Ingbert. 
Damals wurden oft sehr pragmatische schulorganisatorische Entscheidungen getrof- 
fen. Weil es in der vierten und fünften Klasse einige evangelische Schüler gab, 
wurden die beiden Klassen im katholischen Religionsunterricht einfach zusammen- 
gelegt. Unser Religionslehrer war ein Frater, der sich durch die Herausgabe von zwei 
Büchlein ausgezeichnet hatte. Weil wir seinen Namen auf der Umschlaghülle dieser 
Büchlein entdecken konnten, hatten wir vor ihm einen ziemlich grossen Respekt. 
Die Schülerzahlen waren damals recht klein. Als ich 1950 ins Collegium Marianum 
eintrat, umfasste die erste Klasse rund fünfzehn Schüler. Dies war eine ausser- 
ordentlich grosse Klasse. Früher gab es auch das sogenannte Studium, d.h. einen 
Zeitraum von zwei Stunden, in dem man unter Aufsicht eines Fraters die Hausauf- 
gaben erledigte. Dieses «Studium» fand auch am Samstagnachmittag statt. Einer 
der Gründe, weshalb ich mich zu den Pfadfindern gesellte, lag darin, dass diese 
wegen ihren Übungen am Samstagnachmittag nicht zum Studium erscheinen muss- 
ten. In der vierten Klasse waren wir vom Frühling bis im Herbst nur noch vier Schüler, 
dann bis zum Frühjahr 1954 nur noch zwei. Am Rande bekamen wir die damaligen 
Diskussionen um die Aufhebung bzw. Kürzung des Gymnasiums mit. Es war 
vorgesehen, nur noch die ersten fünf Schulstufen des Gymnasiums zu führen. Ich 
erinnere mich, dass mein Vater mit dem damaligen Regierungschef über diese 
Auflósung diskutierte. (Am Samstagnachmittag erlaubte sich der Regierungschef 
auch ein Vergnügen, indem er über Dux und am damaligen Waldhotel vorbei zu 
seinem Amtszimmer im Regierungsgebàude spazierte.) 
Wegen der Auflósung der oberen Schulstufen gelangten einige Familien in Schwie- 
rigkeiten. Sie mussten ihre Sóhne zum Weiterstudium wegschicken, was oft sehr 
teuer war. Ich hatte einen Cousin, der Pfarrer in Bregenz war; er war mir behilflich 
bei der Suche nach einer geeigneten Fortsetzung meiner Gymnasialbildung und 
meldete mich in Bludenz an. Dort gab es ein Bundesrealgymnasium mit Latein. 
Feldkirch kam für mich nicht in Frage, weil ich kein Griechisch gelernt hatte. 
Der Orden der Maristen-Schulbrüder bekam damals die Folgen des Weltkrieges erst 
richtig zu spüren. Es fehlte ihm an Nachwuchs, insbesondere an Fratres, die eine 
Hochschulbildung hatten. Deshalb wurde Frater Ingbert an die Universität Fribourg 
geschickt, um seine Studien abzuschliessen. 
1953 wurde hinter der Villa Blanca ein neues Schulhaus errichtet. Wir Schüler durften 
den Fratres helfen, die kleinen Obstbáume und Stráucher im Garten umzulegen. 
Heute würde man das als Baugrundvorbereitung bezeichnen. 
135 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.