Herausgeber:
Sonstige öffentliche Herausgeber
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000028317/135/
Schweizerischen Gymnasiallehrervereins oder Herrn Prof. Rueff von der ETH Zürich 
einzuladen, um den Stand unserer Schule zu überprüfen und mit jenem in der 
Schweiz zu vergleichen. Ebenso erachtete es der Landesschulrat als richtig, eine 
Unterrichtskommission für das Liechtensteinische Gymnasium zu bestellen, in die 
Fachleute aus der Schweiz berufen wurden. Sie machte in regelmässigen Abständen 
Schulbesuche und beriet die Professoren und den Landesschulrat. Diese Gremien 
haben viel zur endgültigen Anerkennung der Matura beigetragen. 
Ein entscheidender Schritt während meiner Tätigkeit als Schulkommissär wurde am 
24. Januar 1968 gemacht, als der Landesschulrat beschloss, «dass die offizielle neue 
Bezeichnung des Collegium Marianum 'Liechtensteinisches Gymnasium (staatlich 
anerkannt)" lautet». Auch dieser Namenswechsel erfolgte im Hinblick auf die volle 
Anerkennung der Matura durch die schweizerischen Behórden. Manche haben 
allerdings diese Änderung nicht begriffen und dem Rektor Mangel an Mut, zur 
katholischen Sache und zur Marienverehrung zu stehen, vorgeworfen. 
In der gleichen Sitzung des Landesschulrats konnte dank dem Entgegenkommen 
des Ordens und des Landesbischofs Dr. Johannes Vonderach auch beschlossen 
werden, dass mit dem Schuljahr 1968/69 am Liechtensteinischen Gymnasium auch 
Mädchen zugelassen werden sollen. 
Gleichzeitig mit diesen politischen Entscheiden über die weitere Entwicklung der 
Schule wurde auch das Neubau-Projekt vorangetrieben. Regierungschef Dr. Gerard 
Batliner gab mir den Auftrag, für die zukünftigen Besitzverhältnisse der Gebäude 
zwei Varianten auszuarbeiten. Rektor Dr. Ingbert Ganss hatte mir den Vorschlag 
gemacht, der Staat solle das Schulgebäude vorfinanzieren und dem Orden für seine 
Lehrtätigkeit an der Schule jährlich 500 000 Franken gutschreiben, so dass der Bau 
schliesslich in den Besitz des Ordens übergegangen wäre. Als Liechtensteiner 
Bürger wehrte ich mich gegen diesen Vorschlag, weil ich der Meinung war, dass eine 
vom Staat erstellte Anlage im Staatsbesitz bleiben sollte. Diese Ansicht wurde auch 
vom Regierungschef unterstützt. Der Trakt für die Fratres hingegen wurde auf 
Kosten des Ordens gebaut und für einen allfälligen späteren Wegzug des Ordens aus 
Liechtenstein mit einem grundbücherlich eingetragenen Vorkaufsrecht zugunsten 
des Staates versehen. 
Bei der Suche nach einem Bauplatz versuchte Rektor Dr. Ingbert Ganss, der sich 
immer mit Vehemenz für die Schule, für die Lehrer und für die Schüler eingesetzt 
hat, auf eigene Faust vorzugehen und verhandelte gleichzeitig mit Triesen, Schaan 
und Vaduz wegen eines geeigneten Grundstückes. Aus dieser unangenehmen 
Konstellation fand man schliesslich eine «salomonische» Lösung: Die Gemeinde 
Schaan stellte ca. 4500 Klafter Gemeindeboden zu einem Klafterpreis von 100 
Franken zur Verfügung. Der Boden lag, wie man im Volksmund sagt, «auf Vaduzer 
Gerechtigkeit», und so steht denn das heutige Gymnasium zwar auf ehemaligem 
Schaaner Boden, aber auf dem Gemeindegebiet von Vaduz. 
Probleme gab es auch im Zusammenhang mit dem Internat. Regierungschef Dr. Ge- 
rard Batliner stellte es von Anbeginn an in Frage, gab dann aber mit Rücksicht auf 
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