Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
12
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000025574/39/
hin ungefähr 40 Prozent der Einwohner einer Gemeinde nicht an der Gestaltung ihres Gemeinwesens teilnehmen. Die Gemeinde wird für jene Einwohner zu einem Diensdeistungsträger und nicht zu einem Ort der gemeinsamen Erfahrung und Gestaltung.31 Neben dem hohen Anteil der nicht in ihrer Heimatgemeinde lebenden liechtensteinischen Bürger und dem grossen Ausländeranteil schwächt auch «die neuzeitliche Mentalität der Anspruchs- oder Forderungsge­ sellschaft:»32 das Gemeinschaftsbewusstsein in den Gemeinden33 und führt zum Abbau von Solidarität. Mit dem im modernen Daseinsvor­ sorgestaat immanent zusammenhängenden Anspruchsdenken der Menschen geht zugleich ein Verlust an Bedürfnis nach Heimat und Geborgenheit einher und führt, zusammen mit der Mobilität der Bevöl­ kerung, insgesamt zu einer Minderung des Kontakts zwischen Gemeinde und Bürger. Dieser Zustand wird noch durch die in den Gemeinden vorherrschende Streusiedlung34 verstärkt, weil sie darüber hinaus auch zu einem räumlich bedingten Verlust an Kontakt unter den Bürgern und zwischen Gemeinde und Bürger führt. b) Aufgabenzuwachs in den Gemeinden Die verstärkt einsetzende Industrialisierung hat für die Gemeinden im Fürstentum Liechtenstein zu einer Vermehrung der Aufgaben geführt35 31 Zwar muss der hohe Anteil der Ausländer an der liechtensteinischen Bevölkerung sehr differenziert betrachtet werden, da mehr als drei Viertel von ihnen aus demselben Kultur- und Sprachgebiet stammen (Überfremdung, S.20; Wohnbevölkerungsstati­ stik 1985, S. 10) und zum Teil schon Jahrzehnte in ihrer Gemeinde wohnen. Dennoch finden Assimilationen in Gemeinden mit sehr hohem Ausländeranteil nur schwerlich statt. Als Indiz mag angeführt werden, dass die schweizerische Bevölkerung, die fast die Hälfte der gesamten Ausländerquote ausmacht (Wohnbevölkerungsstatistik 1985, S. 10), kaum die liechtensteinische Staatsbürgerschaft anstreben dürfte, obwohl beide Staaten in vielen Bereichen sehr verwandt sind (Leonhard Vogt, Regierungssekretär; Emanuel Vogt, bis Januar 1987 Gemeindevorsteher von Balzers; Alois Ospelt, Lan­ desarchivar, im Gespräch). Insgesamt kommt es zu fehlenden Kontakten mit liechten­ steinischen Bürgern und zu Abkopplungen bei den nicht deutschsprachigen Auslän­ dern, die ungefähr ein Fünftel der Ausländer betragen (Überfremdung, S.20, 24). 32 Karlheinz Ritter, «Demokratie in der Bewährung», in: L. Vaterland vom 25.9.1985, S.lf. (2). 33 Brohm, S. 295. 34 Dazu die Landesplanung der Regierung von 1980. 35 Information zur Gemeindegesetzrevision, S. 18. 39
        

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