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Knospe und Blume 
  
Ein Überblick über Malins Schaffen zeigt, wie — um es bildhaft 
auszudrücken - in Schleifen und Spiralen gearbeitet wird. Ein 
Thema, das früher einmal angegangen und dann aber lange 
verblieb, wird, durch irgendeinen Impetus veranlasst, wieder 
aufgenommen und vielfach variiert zu neuen Lósungen 
geführt, bis zu einem letzten Reifen — ohne dass damit ein 
definitiver Abschluss gesetzt wáre. Alles kann wiederkom- 
men, und so erscheint der Ablauf in Pulsationen. 
Um 1980 bescháftigt sich Malin wiederum intensiv mit der 
Knospe. Knospe, Blume und Frucht sind für ihn ein kôrperhaf- 
ter Ausdruck des unbesieglichen Lebens, das immer sich zum 
Lichte drängt, der Befruchtung sich öffnet und in den Frucht- 
samen sich verschenkt, um zu regenerieren. Aber Knospe, 
Blume und Frucht sind nicht nur Zustand, sondern sind 
Körper, die in der Zeit sich wandeln. Dem Thema des sich 
erneuernden Lebens verbindet sich das Thema des nicht 
wiederholbaren Vorüberzuges der Zeit. 
Die in glánzender Bronze sich prásentierende Knospe von 
1978 ist im Stengel voll drángenden Saftes und in der Blüte 
schon bereit, sich zu eróffnen (88). Die Verbindung von phalli- 
scher Potenz und vaginaler Bereitschaft ist ausdrucksvoll 
gefasst. Gerade hier darf nochmals darauf hingewiesen wer- 
den, dass das Kunstwerk immer eine geistig-formale Überset- 
zung vom Naturding ist. Es wird darum Malin niemals um stili- 
sierte Naturabbildung gehen, sondern um eine Neubildung 
aus dem Wesen der Natur, die in sich uneinholbar selbst schón 
bleibt, in das Wesen des Werkes, das seine eigene Schónheit 
aus der Konsonanz mit der Welt und der Durchsichtigkeit auf 
die Welt gewinnt. So erkennt der Betrachter hier sofort die 
Knospe, und zugleich geniesst sein Auge, wie der Stempel als 
Tráger der Knospe als Sáule gestaltet ist. 
Die Varianten sind nie gross; in den Nuancen liegt das Ent- 
scheidende. Die erste Grosse Knospe von 1978/79 steht auf 
breiterem Fuss, steht fast wie ein Pokal (90); der Stengel ist 
wie ein stützendes Bauwerkteil segmentiert; der grosse Blü- 
tenkopf ist der Erfüllung seiner Aufgabe náher. 
  
  
A E 
87 Skizze zu Grosse Knospe, 1980, Tuschfeder 
  
 
        

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